Mit einer Uhr

Die Uhr sie zeigt die Stunde,
Die Sonne teilt den Tag,
Und was kein Aug erschaute,
Mißt unsers Herzens Schlag.

Franz Grillparzer

oder:

Die Uhr ist rund
und 60 Minuten
hat die Stund‘

Nicht von Grillparzer

Foto © e.a.brokans

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Text – Bild – Schere

Es wird scheinbar etwas einsamer hier. Manche schalten ihren Blog wegen der DSGVO auf privat oder hören ganz auf. Es sind eure blogs und eure Entscheidungen, aber ich werde euch nicht in euer Privatleben folgen. Privat ist privat. Jeder schreit nach mehr Datenschutz, kommt er dann plötzlich- nach nur 2 jähriger Vorlaufzeit – wird wieder gejammert.

Das Urheberrecht und das Recht am eigenen Bild hat es schon immer gegeben. Es hat sich nichts wesentliches geändert. Na gut, das Recht am eigenen Bild betrifft mich als Fotograf, welcher nicht gerne Menschen fotografiert, eh nur am Rande. Ich finde es sogar gut, dass nicht jede Frau Hinz und jeder Herr Kunz ein Abbild von mir online stellen kann, nur weil es als künstlerisch wertvolles Streetphoto betitelt wird. Ebenso werde ich ernstlich böse, wenn mir eine oder einer ein Bild oder sonst was eigenes aus meinem „Schaffensspektrum“ klaut, ohne mich vorher explizit gefragt zu haben. Aber das hat sich ja auch nicht geändert.

Noch etwas: erspart mir bitte große Diskussionen über dieses Thema. Ich bin ebenso, wie die meisten von euch, kein Jurist. Alles was ich von mir geben könnte, wäre um mit dem großen Matlock zu sprechen: „“Hörensagen, Euer Ehren“ und auch nur angelesen.

Guckt euch lieber das Bild an und entspannt euch.

Foto © E.A.Brokans

Randnotiz

Eine kleine gute Nachricht am Rande und zum Rande. Den dort wächst er wieder, der Klatschmohn und auch die Kornblume und so manch anderes „Unkraut“. Zumindest in meiner Gegend sind nicht nur die Feldraine sondern auch die Straßenränder bis hin zur Bundesstraßenböschung übersät mit den roten und blauen Tupfen. War vor einigen Jahren noch nicht so. Oder habe ich nur nicht darauf geachtet?

Und auch den Äckern gingen Augen auf

Und auch den Äckern gingen Augen auf.
Kornblumen, die stahlblauen, stummen,
Betrachten wie Augen der Sonne Lauf.

Ihre Farbe ist ehrfürchtig und tief.
Sie wohnen ernst auf den Ackerkrumen,
Die blaue Ruhe sie aus der Erde rief;

Der Himmel stückweis auf der Erd‘ einzieht
Und grünende Ähren über ihm summen,
Und eine Kornblum‘ der andern wie Aug‘ ins Auge sieht.

Max Dauthendey (Lusamgärtlein, Frühlingslieder aus Franken)

Foto © E.A.Brokans

Eine Wanze (DSGVO-Konform)!

Keine Angst, hier wird nicht abgehört. Höchstens abgesaugt, aber keine Daten, sondern meist Pflanzensaft aus Blättern und Früchten. Naja, gelegentlich wird auch ein anderes Insekt angezapft. Die Gartenwanze überträgt keine Krankheiten und verursacht keine Schäden, nicht mal stechen tut sie. Sie mag es nur nicht, wenn man ihr zu nahe kommt. Das stinkt ihr gewaltig und das kann man dann durchaus riechen.

Foto © E.A.Brokans

Anmut, Eleganz und lange Krallen…

…und dazu ein melodischer, abwechslungreicher Gesang:

Die Amsel

Es gibt Leute, die an der Amsel im Gartengebüsche achtlos vorübergehen. Dann gibt es Leute, die sich an der Amsel und ihrem ewigen Regenwurmmord erfreuen. Dann gibt es Leute, die ganz ohne weitere böse Absicht das Leben und Treiben der Amsel ernst-sachlich genau beobachten, sie lernen zu, vergrößern den Kreis ihrer Erfahrungen. Dann gibt es Leute, die die Amsel beobachten, um darüber zu schreiben, meistens ein kleines Gedicht. Dann gibt es Leute, die sich an dem Gehaben der Amsel erfreuen, sie interessiert beobachten, ja fast gerührt, und dennoch nicht darüber schreiben. Aber diese Leute sind heutzutage selten, gleich ich gehöre, wie Sie sehen, nicht dazu.

Peter Altenberg (aus: Mein Lebensabend, Berlin 1919)

Foto © E.A.Brokans

Auch in den Gedichten von Georg Trakl wird die Amsel häufig erwähnt. Aber ob sie nun in entlaubten Ästen klagt, kläglich flötet oder nur sanft klagt. Bei ihm ist alles ziemlich traklich und – na ja eben – kläglich. Vielleicht ließ er sich vom rabenschwarzen Gefieder der Schwarzdrossel täuschen. Trotzdem sind seine Werke Meisterleistungen.
Ich mag es an lauen Abenden sehr gerne, draußen zu sitzen und der Amsel auf dem Dach zuzuhören. Nur frühmorgens, bei geöffneten Fenstern, wünsche ich mir manchmal eine etwas gedämpftere Darbietung der gesanglichen Meisterleistung.
Ansonsten sind es lustige und zutrauliche Gesellen, außer wenn sie in einer konzertierten Aktion eine Katze attackieren, um ihre Nester oder die Jungvögel zu verteidigen. Regenwurm möchte ich natürlich auch keiner sein, wenn eine hungrige Amsel in der Nähe ist.

Und Kurt Tucholsky, der alte Schwerenöter:

Es geht nicht, wenn die linde Luft weht und
die Amsel singt –
wir brauchen alle einen roten Mund,
der uns beschwingt.

(Sehnsucht nach der Sehnsucht;  Weltbühne, 08.05.1919, 4. Strophe)