Es ist soweit!

Am 15. Mai 2020 übernimmt Frau Maunz die Weltherrschaft.

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Bild @ E.A.Brokans

Für das pazifistische Weltbild wird Herr Hoppelpoppel sorgen:

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Bild @ E.A.Brokans

Leontodon

Der »erste Mai« steht im Zeichen des »goldgelben Löwenzahn«, Leontodon taraxacum! Auf allen Rasenplätzen in den noch verlassen dastehenden Villengärten Löwenzahn! Auf den freien Wiesen Löwenzahn, am Waldesrande Löwenzahn. Hellgrün mit goldgelb gesprenkelt ist alles. Niemand pflückt ihn, denn er läßt einen weißen Saft in den Stengeln. Ein Unkraut, das sich beschützt, wozu?! Ein süßes Mäderl mit einer lila Seiden-Bauernhaube hielt einen ganzen Strauß davon im Händchen. Das muß eine nette Kinderfrau sein, die das erlaubt. Wahrscheinlich hat sie gesagt: »No wart‘, du unfolgsames Mädi, das weiße Gift wird dich schon brennen!« An der braunen endlosen Tiergartenmauer blüht LöwenzahnLöwenzahn ist die Marke des »ersten Mai«. Sie werden sagen, wieder etwas Apartes, für alle anderen ist es der Flieder, diese lila duftende Wunderstaude. Ja, aber das merken alle, es steigt ihnen aufdringlich in die Nase, in die Augen, er ist akkreditiert und besungen und läßt keinen giftigen weißen Milchsaft, und Gärtner, Hausmeister und Polizei mischen sich drein, wenn man ihn pflückt. Wer aber mischt sich beim Löwenzahn drein?! No, wer sich immer in solche Sachen dreinmischt, der Dichter!

Altenberg, Peter: Mein Lebensabend. Berlin 1–81919, S. 56.
Wenn das so weitergeht, ist der Löwenzahn eher eine Blume des „ersten April“. Im Garten und auf der Wiese nebenan sind die gelben Blüten schon fast alle wieder verschwunden.
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Bild © E.A.Brokans

Apokalypse

Ein Feuer seh ich lohen
Fern übers finstere Land,
Ich sehe den Schatten drohen
Einer ungeheuren Hand.

Das Feuer schlägt aus Schloten,
Rauchwolken wirbelnd, empor,
Es flattern die Flammen, die roten,
Wie Banner mit pechschwarzem Flor.

Die Schattenfaust ungeheuer
Ergreift die scharlachne Trophä‘,
Auf stürzender Städte Gemäuer
Den Fackelbrand schleudert sie jäh.

Es wütet die brodelnde Erde
In grauenerregender Brunst,
Und es wiehern die höllischen Pferde
Wild durch den blutdampfenden Dunst.

Karl Henckell

Quelle: Karl Henckell: Gesammelte Werke. Band 2: Buch des Kampfes, München 1921, S. 237-238.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005037158
Lizenz: Gemeinfrei

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Bild © E. A. Brokans

Der Blick

Mir gegenüber,
dicht unterm Dach,
sitzt ein Weib
am geduckten Fenster
und näht.

Früh
in das steigende Licht,
spät
in die fallende Nacht.

Manchmal
blickt es vom Schoße auf
und verloren hinaus
auf die Dächer –
die Wolken –
die Ewigkeit.

Ich kann
sein Auge nicht sehn,
aber ich fühle den Blick –
ich blicke ihn mit,
den zehrenden Blick
auf die Dächer –
die Wolken –
die Ewigkeit …

Christian Morgenstern
Quelle: Christian Morgenstern: Sämtliche Dichtungen. 
Abteilung 1, Band 7, Basel 1971–1973, S. 10-11.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005389534
Lizenz: Gemeinfrei

 

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