Aber öffne…

Aber öffne nur die Türe,
Aber tritt nur auf die Schwelle,
Hebe kaum den Blick und spüre
Schon die ungeheure Helle,
Schon den Glanz der leeren Räume,
Die wie Wiese rasch erblühten,
Schon den Tanz der schweren Träume,
Die sich hoben, die erglühten…
Zärtliche beschwingte Welle,
Sieh, kein Lufthauch, der nicht rühre – –
Aber tritt nur auf die Schwelle,
Aber öffne nur die Türe!

Maria Luise Weissmann

Foto © e.a.brokans

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Farbfoto II

Ende der 1970er Jahre fand sie statt, meine erste bewußte Begegnung mit Kunst. Mit richtiger Kunst, im Original. Und ohne Zwang und Anleitung. Das Lenbachhaus in München begeisterte damals mit einer Max Ernst – Ausstellung. Ich war fasziniert und äußerst beeindruckt. Allerdings verflachte das Interesse an Kunst und Künstler bald wieder. Anderes wurde wichtiger, wie es in jungen Jahren halt so ist.  Aber die Saat fiel auf fruchtbaren Boden und ging langsam auf. Vor einigen Jahren, während einer USA – Reise, fuhr ich extra wegen Max Ernst einen kleinen Umweg um die roten Felsen und die Landschaft in der Gegend um Sedona (AZ) zu besuchen. Er lebte ja dort ein paar Jahre. Mittlerweile gibt es dort nach meinem Gusto aber viel zu viel Esoterik.
Heute kann ich nur zustimmend nicken, wenn seine letzten Ehefrau Dorothea Tanning, eine ebenso begnadete Künstlerin, meint:

Art has always been the raft onto which we climb to save our sanity. I don’t see a different purpose for it now.

Das Foto ist natürlich keine Kunst, nur eine Bearbeitung aus einer Laune heraus. Erst das Ergebnis dieses Herumspielerei hat mich wieder an diese Ausstellung  – ich bin natürlich nicht nur auf Max Ernst fixiert – und mein Erleben damals erinnert. Das Foto als Hommage à Max Ernst zu bezeichnen wäre dann aber doch etwas zu hochgegriffen.

foto @ e.a.brokans

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Blues

Photo © e.a.brokans

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Blues

Wenn du nicht froh kannst denken,
Obwohl nichts Hartes dich bedrückt,
Sollst du ein Blümchen verschenken
Aufs Geratewohl von dir gepflückt.

Irgendein staubiger, gelber, –
Sei’s Hahnenfuß – vom Wegesrand.
Und schenke das Blümchen dir selber
Aus linker Hand an die rechte Hand.

Und mache dir eine Verbeugung
Im Spiegel und sage: „Du,
Ich bin der Überzeugung,
Dir setzt man einzig schrecklich zu.
Wie wär’s, wenn du jetzt mal sachlich
Fleißig einfach arbeiten tätst?
Später prahle nicht und jetzt lach nicht,
Daß du nicht in Übermut gerätst.“

Joachim Ringelnatz

Photo © e.a.brokans

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Ich geb’s ja zu – die Natur ist noch nicht so weit. Das Blümchen auf dem Bild ist auch kein Hahnenfussgewächs. Es ist Huflattich und dieser blüht erst im Spätmärz oder so. Die Bilder sind vom letzten Jahr. Eigentlich blüht im Garten noch gar nix. Nicht mal meine heiß ersehnten Winterlinge. Und da soll man nicht den Blues kriegen. Also handelt es sich hier um einen klassischen Fall von „Fake News“. Für alle die mir jetzt deswegen etwas husten wollen: Huflattich ist das Mittel der Wahl!

Aber wie immer gilt: In allen Lebenslagen – Ringelnatz fragen!

Nein!

Der kunstblonde Rüpel war (noch) nicht am roten Knopf. Es ist auch nicht das Universum, welches uns hier um die Ohren fliegt.
Es ist nur eine vergehende Tulpe.

Photo © e.a. brokans

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Schiffende Schwäne

Sie seh’n sich nicht wieder

Von dunkelnden Wogen
Hinunter gezogen,
Zwei schimmernde Schwäne, sie schiffen daher,
Die Winde, sie schwellen
Allmälig die Wellen,
Die Nebel, sie senken sich finster und schwer.

Die Schwäne, sie meiden
Einander und leiden,
Nun thun sie es nicht mehr, sie können die Glut
Nicht länger verschließen,
Sie wollen genießen,
Verhüllt von den Nebeln, gewiegt von der Flut.

Sie schmeicheln, sie kosen,
Sie trotzen dem Tosen
Der Wellen, die Zweie in Eines verschränkt,
Wie die sich auch bäumen,
Sie glühen und träumen,
In Liebe und Wonne zum Sterben versenkt.

Nach innigem Gatten
Ein süßes Ermatten,
Da trennt sie die Woge, bevor sie’s gedacht.
Laßt ruh’n das Gefieder!
Ihr seht euch nicht wieder,
Der Tag ist vorüber, es dämmert die Nacht.

Friedrich Hebbel

Photo © e.a.brokans

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Übrigens ist dies das selbe kleine Flüsschen wie im letzten Beitrag, nur vom Eise befreit.