Die zwei Turmuhren

Zwei Kirchturmuhren schlagen hintereinander,
weil sie sonst widereinander schlagen müßten.
Sie vertragen sich wie zwei wahre Christen.
Es wäre dementsprechend zu fragen:
warum nicht auch die Völker
hintereinander statt widereinander schlagen.
Sie könnten doch wirklich ihren Zorn
auslassen, das eine hinten, das andre vorn.
Aber freilich: Kleine Beispiele von Vernunft
änderten noch nie etwas am großen Narreteispiele der Zunft.

Christian Morgenstern
(1871 – 1914)

Ehem. Turmuhrwerk aus Rebdorf/Eichstätt (um 1700). Photo © e.a.brokans 2015.04

Ehem. Turmuhrwerk (um 1700) des Klosters Rebdorf / Eichstätt –  Photo © e.a.brokans 2015.04

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5 Kommentare zu “Die zwei Turmuhren

  1. SUPER PHOTO!! Zum Gedicht: Die Traurigkeit und Ohnmacht,angesichts des Weltgeschehens,muss manchmal durch Fröhlichkeit ersetzt werden.Es ist eine verdammt schwierige Pflicht! F***

    • DANKE!
      Ach ja, was bleibt uns denn: lächeln, winken, gelegentlich das Krönchen richten und sehenden Auges und frohen Mutes sich dem Schicksal ergeben…und wenn man gelegentlich ein Gedichtchen rezitiert, ist das mit dem Untergang halb so schlimm. 😉
      LG eab

  2. Wären wir doch diesbezüglich doch wenigstens so klug wie Turmuhren ! Aber ja, ich bin auch fürs Untergehen mit einem Lächeln, als Alternative zum Untergehen ohne Lächeln 🙂

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