Roter Mohn…wie mein Herz sollst du glüh’n und feurig loh’n

Photo © e.a.brokans 2015.

Photo © e.a.brokans 2015.

Roter Mohn, warum welkst du denn schon,
wie mein Herz sollst du glüh’n und feurig loh’n …

…diese Höchstleistung der deutschen Schlagerpoesie des Jahres 1938 stammt von Bruno Balz (Musik von M. Jary). In der Nazizeit durfte Balz trotz seiner grandiosen Erfolge –  durchaus auch mit systemkonformen „Durchhalteschlagern“ erzielt – ob seiner sexuellen Orientierung nicht mehr in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten und musste, zu allem Überfluss, auch noch heiraten. Und noch dazu eine Frau! Aber immerhin hat er überlebt.

Das Original sang natürlich Rosita Serrano, aber die Geschwister Pfister machen das auch mit glüh’nden und loh’nden Herzen:

Etwas ernsthafter und poetischer  geht es da schon bei Ludwig Uhland zu:

Der Mohn

Wie dort, gewiegt von Westen,
Des Mohnes Blüte glänzt!
Die Blume, die am besten
Des Traumgotts Schläfe kränzt;
Bald purpurhell, als spiele
Der Abendröte Schein,
Bald weiß und bleich, als fiele
Des Mondes Schimmer ein.

Zur Warnung hört ich sagen,
Daß, der im Mohne schlief,
Hinunter ward getragen
In Träume schwer und tief;
Dem Wachen selbst geblieben
Sei irren Wahnes Spur,
Die Nahen und die Lieben
Halt‘ er für Schemen nur.

In meiner Tage Morgen,
Da lag auch ich einmal,
Von Blumen ganz verborgen,
In einem schönen Tal.
Sie dufteten so milde!
Da ward, ich fühlt es kaum,
Das Leben mir zum Bilde,
Das Wirkliche zum Traum.

Seitdem ist mir beständig,
Als wär es nur so recht,
Mein Bild der Welt lebendig,
Mein Traum nur wahr und echt;
Die Schatten, die ich sehe,
Sie sind wie Sterne klar.
O Mohn der Dichtung! wehe
Ums Haupt mir immerdar!

Ludwig Uhland
Gelehrter, Politiker und Dichter. 1787 – 1862.

Seine Dichtung entstand vorwiegend in seiner Jugend und entsprang einer innig-schlichten Verbundenheit mit Natur und der heimatlicher Landschaft, sowie seiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit mittelalterlicher Geschichte, altdeutschen Märchen,  Sagen und Volkslegenden.

Apropos Geschichte:

Das wohl bekannteste und traurigste Gedicht über Mohnblumen dürfte zweifellos dieses hier sein:

In Flanders Fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields.

Es entstand aus Trauer über einen gefallenen Freund des Dichters John MacCrae während der Schlacht um Ypern am 3. Mai 1915. Bis heute gilt die Mohnblume im Commonwealth als Symbol für die toten Soldaten.

Wer mehr dazu wissen möchte, möge sich hier bei Tante Wiki informieren.

Genug für heute, bis demnächst.

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8 Kommentare zu “Roter Mohn…wie mein Herz sollst du glüh’n und feurig loh’n

  1. Uhland ist eigentlich nicht so sehr mein Fall. Aber diesmal ist es anders, denn grad hatte ich Besuch von einem Jugendlichen, der mir sein Leiden genau so beschrieb: „Die Nahen und die Lieben Halt’ er für Schemen nur.“. Sich selbst übrigens auch. Die einzige Hoffnung ist, ein solches Seelenleiden in Poesie, Musik und Malerei zu überführen.

  2. Deine diversen (und so unterschiedlichen) Betrachtungen zum Mohn heute haben mir wieder sehr gefallen!

    Vor ein paar Jahren war ich am Remembrance Day( bzw. Armistice Day und auch Poppy Day genannt) in London am Trafalgar Square. Dort war alles in Erinnerung an die gefallenen Soldaten mit (künstlichen) Mohnblüten ausgelegt – ein Riesenmeer! – und dieses von dir genannte Gedicht wurde einer kaum endenden Menge dort anwesender Menschen vorgetragen. Eine sehr ergreifende Atmosphäre …

    LG Michèle

    • Als erstes danke ich Dir natürlich für Dein Lob – es freut mich sehr.

      Und die Geschichte mit den Poppy’s finde ich sehr interessant und anrührend. Auch dafür danke.
      Ich habe bewusst das drumherum etwas kurz gehalten, da es zur Zeit (zum 100jährigen des ersten großen Krieges) ja in allen Kanälen präsent ist. Ich erinnere nur an die Überschwemmung des Towers mit Poppy’s im Herbst des vergangene Jahres. Aber nichtsdestotrotz ist das Gedicht und die Atmosphäre (wie du treffend bemerkst) ergreifend.

      lge-eab

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