Hetschenweiher – oder nicht schon wieder ein Morgenstern…

…muss aber leider sein. Keiner bringt die Frühsommerabendstimmung an einem Froschtümpel besser „rüber“. Ansonsten gilt für die nächste Zeit eine Morgenstern-Abstinenz. Versprochen.

Ach ja, um dem Bildungsauftrag gerecht zu werden: Hetschen sind eigentlich Garten-  bzw. Erdkröten, allerdings wird hierzulande alles was quakt und hüpft von alteingesessen als Hetschen bezeichnet. Die Familie Duck sowie deren Mischpoke natürlich ausgenommen.

Übrigens: „Hetschenweiher“ gegoogelt, führt nicht zu dem abgebildeten Teich. Das ist ein anderer.

© e.a.brokans 2015

© e.a.brokans 2015

Der alte Steinbruch

Tief im Walde, tief im Walde
bildet, fern der Wege Reich,
eines Bruchs verlaßne Halde
einen kleinen, stillen Teich.

Moosbewachsne Blöcke ragen
aus der seichten Regenflut,
Falter und Libellen jagen
über bunter Lurche Brut.

Aber wenn im Abendbrande
hinterm Wald die Glut verraucht,
stößt und rudert es vom Rande,
kriecht und klettert, plumpst und taucht.

Und der Unken Urgroßahne
– niemand weiß, wann Gott ihn schuf –
ruft, daß er sein Weibchen mahne,
seinen dunklen Werberuf.

Daß das Froschgeschlecht nicht sterbe,
bleibt zuletzt nicht Einer still:
Denn der Tümpel ist ein Erbe,
das getreu gewahrt sein will.

Liebeskranke Grunzer fliehen
der bewegten Weibchen Schlund;
immer kühnre Harmonien
füllen den dämmertrauten Grund.

Bis des Mondes Goldhorn endlich
neuen Schimmers alles speist:
Nun erwahrt sich unabwendlich
trunkner Nächstenliebe Geist …

Tief im Walde, tief im Walde
schwärmt Froschbräutigam und Braut
in versteckter Steinbruchhalde,
bis der letzte Stern ergraut.

Christian Morgenstern

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11 Kommentare zu “Hetschenweiher – oder nicht schon wieder ein Morgenstern…

  1. bloss keine Abstinenz! Morgenstern ist schön wie der Morgenstern. Und der ist bekanntlich Venus. Also immer weiter lieben!

  2. Solange du ihn dann und wieder wieder hervorkramst und ihm dabei zusätzlich wieder so schöne und passende Fotos beiseite stellst, kann ich mit einem Päuschen leben. ^^ Zumal auch die anderen von dir ausgesuchten Werke stets überaus lesenwert sind!

    LG Michèle

  3. Danke für die Vokabel-Erläuterung. Hier nennt man die Hüpfer „Poggen“, was man „Puchen“ spricht. Das eher abwertende „Lork“ (eigentlich allgemein für „Lurch“) ist eher den Kröten vorbehalten und dient gleichzeitig als starkes Schimpfwort, welches man wirklich nur auf Menschen mit außergewöhnlich miesem Charakter anwenden darf. P.S.: Ringelnatz geht immer!!!

    • Uiih…das habe ich ja noch nie gehört. Wieder was gelernt. Zu den dicken Kröten oder Unken sagt man hier gelegentlich auch „Brooz“, das kommt vermutlich von „Protz“. Ein Mensch der gerne angibt, wird deshalb oft auch „Broozbeitl“ genannt.
      Ja, Ringelnatz geht immer, kommt aber schon ziemlich oft vor, im Netz. Aber gelegentlich, wenn es passt, greife ich sicherlich darauf zurück.

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