Nix, aber auch rein gar nix…

….haben die Gedichte Paul Verlaines mit Kürbisblüten zu schaffen, oder?

Aber der Reihe nach, erstmal das Gedicht:

Heut nacht im Traume sah ich dich,
Du dehntest dich mit leisem Lachen
Und schwätztest gurrend tausend Sachen.

Ich kostete gleich Früchten dich,
Wie ich mit durst’ger Lippe küsste
Berg, Tal und Hügel, Wang‘ und Brüste.

Ich war von einer Biegsamkeit,
Die wirklich man bewundern musste,
Herrgott, welche Kraft, welche Puste!

Und du, Geliebte, zur selben Zeit,
Welche Puste und Kraft, welche Schnelle
Und Biegsamkeit der Gazelle.

Am Morgen gab’s in deinem Arm,
Nur viel vollkomm’ner, im Erwachen
Genau dieselben süssen Sachen.

Paul Verlaine

dann das Photo:

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Zu diesem Poem haben Sie sicherlich einen gediegenen Schwarzweissakt (so mit Körperlandschaften – na, Sie wissen schon…) erwartet. Aber um meine Leidensgenossin Frau Georgia O’Keeffe zu bemühen:

I hate Flowers-
I paint them because
they’re cheaper than Models
and they don’t move

Na gut.

Recht hat sie irgendwie, allerdings mag ich Blumen und Pflanzen, vor allem die selbstgezogenen. Und meine Photomodelle gedeihen meist in ihrer natürlichen Umgebung, also ist das mit dem “ nicht bewegen“ auch so eine Sache. Und malen kann ich sowieso nicht.

Im  Endeffekt läuft es doch darauf hinaus: ich möchte das Gedicht unter die Leute bringen und es fehlt mir ein geeignetes Photo, oder sieht irgendjemand doch irgendeinen Zusammenhang?

Man kann ja schließlich nicht immer Kaffeetassen posten.

Oder?

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen. Mein Duden von 1962 (überhaupt die Grundlage meiner „Bildung“) schreibt zu Verlaine:

Verlaine, Paul
*1844, +1896, frz. Dichter;
anfängl. von den Parnassians beeinfl., wurde V. zum Hauptvertreter des Symbolismus u. zum Begr. des mod. freien Rhythmus in der franz. Dichtung: Poesie soll flüchtige Nuancen ausdrücken und musikalische Wirkung anstreben; in V. Gedichten Mischung von leidenschaft. Sinnlichkeit u. zarter Empfindung; großer Einfluß auf die Entwicklung der modernen Dichtung; zahlreiche Gedichtsammlungen, u.a „Poèmes saturniens“, „Romances sans paroles“, „Sagesse“

Und wieder was gelernt (ich zumindest).

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20 Kommentare zu “Nix, aber auch rein gar nix…

  1. Verlaine schrieb seine Gedichte im Beisein inspirativer Kürbisblüten. Überleitung accomplished. Wer das für Tüdelüt hält, möge bitte einen glaubhaften Gegenbeweis erbringen, so!

  2. Für mich – Blüte hin oder her – ist der eigentliche Witz des Gedichts eigentlich, dass die Geliebte nach dem Aufwachen tatsächlich da ist. Ob es dafür auch eine Pflanze gibt (komme mir jetzt keiner mit Kletten…)?

    • Ich würde es mit der „Belle-de-Jour“ auch „Morning Glory“ oder profaner, nämlich deutsch, mit der „Dreifarbigen Winde“ probieren. (Sie steht laut John Ingram für „Fesseln“)

  3. Ich habe gerade zwei Schinken Käse Toast hinter mir und da soll ich noch denken?
    Ok, Scherz, ein bisschen denken geht noch.
    Also…
    in einigen Aktbildern sind doch auch Blüten oder diverse Ranken zu finden und auch in der Literatur wird in vielen Gedichten die weibliche Vagina mit einer „Blume“ verglichen.
    Von daher… passt doch 😀

  4. Ehrlicherweise hätte er wohl „Geliebter“ schreiben müssen (vergl seine Beziehung zu Rimbaud), aber damals traute man sich noch nicht. Insofern entfällt dann auch der Vergleich mit der Vagina bzw Kürbisblüte, die mir übrigens weit besser gefällt als dies Verlaine-Gereime.

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