Nein, nicht in Venedig…

… hängt dieser Kronleuchter, sondern irgendwo in der deutschen Provinz.

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Aber der Herr Trakl, der war schon in Venedig:

Es ist Mitte August, und Georg Trakl läuft ziellos über den Lido von Venedig. Die Sonne scheint, das Wasser ist warm, und der Dichter ist der unglücklichste Mensch auf der ganzen Welt.

Meint zumindest Florian Illies in seinem Buch „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“. Und wenn man dann eines der dort entstandenen  Gedichte als Maßstab nimmt, hat Herr Illies so unrecht nicht.

In Venedig

Stille in nächtigem Zimmer.
Silbern flackert der Leuchter
Vor dem singenden Odem
Des Einsamen;
Zaubrisches Rosengewölk.

Schwärzlicher Fliegenschwarm
Verdunkelt den steinernen Raum
Und es starrt von der Qual
Des goldenen Tags das Haupt
Des Heimatlosen.

Reglos nachtet das Meer.
Stern und schwärzliche Fahrt
Entschwand am Kanal.
Kind, dein kränkliches Lächeln
Folgte mir leise im Schlaf.

Georg Trakl

Welche Gedichte wird man in 100 Jahren über diesen Sommer und diesen Herbst rezitieren?

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2 Kommentare zu “Nein, nicht in Venedig…

  1. Der Herr Trakl konnte schon sehr eindrückliche Bilder aufsteigen lassen. Und Stimmungen wiedergeben.
    Was für eine Zeit damals – und heute! Die Antwort auf deine Frage am Ende würde ich ebenfalls gern wissen, Erich.

    LG Michèle

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