Der erste Schnee

Der weisse Schnee beflügelt mein Gehirn.
Die Tannen auch erscheinen schön besternt.
So seien nun die Sonnen und die dürrn
Oktoberzweige aus dem Blick entfernt.

Wenn dieses Glück uns auch nicht wärmer macht,
Und wenn vielleicht der Nebel trunken trieft,
Wir haben – selig! – eine weisse Nacht.
O denkt, wie lang ihr nicht im Hellen schlieft …

Klabund
(Alfred Henschke)

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Nein, ich mag den Winter nicht, aber ich mag das Bild. Es ist voller Symbolik.
Der Graben, natürlich von Menschen gemacht um das Moos zu entwässern. Wie so mancher Lebensentwurf, schnurgerade auf ein Ziel hin geplant. Früher war mehr Wasser, heute ist er die meiste Zeit vertrocknet.

Dann der Baum. Er steht alleine, er kann das, er hat starke Wurzeln, weit verästelt. Auf die kann er bauen, auch wenn sie nicht mehr sichtbar sind. Allerdings wußte er nicht so recht, was er mit seinen Genen anfangen soll, welches sein starker Stamm war. Also bildete er zwei aus, gleichberechtigt nebeneinander, fest auf dem Boden stehend. Sie bilden das Zeichen für „Victory“. Aber er hat nicht immer gewonnen.

Er hält sich fern von den Massen, egal ob sie nun auf der einen oder anderen Seite stehen. Aber er ist nicht scheu, er erhält oft Besuch von anderen Kreaturen. Mit denen unterhält er sich gerne, den er ist sehr neugierig. Er will wissen was in der Welt vor sich geht und – vor allem – was die Welt im innersten zusammenhält. Und darüber macht er sich dann seine eigenen Gedanken.

Nur für eines taugt die Symbolik des Bildes nicht: Im echten Leben steht ein zweiter Baum daneben.

[Postscriptum zum letzten Satz (weil meine Bildersprache doch etwas verquast ist): Ich will damit sagen, dass in meinem echtem Leben durchaus jemand neben mir steht. Der Baum steht aber auch in Natura alleine -nix Photoshop oder so..]

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21 Kommentare zu “Der erste Schnee

  1. Guten Morgen lieber Herr Mannigfaltiges! ☺
    Ich mag Ihre Symbolik zum schönen Photo!
    Das lädt zum Philosophieren ein.
    Einen schönen Sonntag für Sie und ihre Nebenbäume!
    LG, Mensch Päddra

  2. Schöne Zeilen von Klabund und die zum Bild ebenso. Es gefällt mir auch gut, und das obwohl ich Kälte gar nicht mag. Aber mit dem Winter (21.12.) kommt ja das Licht zurück und dann dauert es auch nicht mehr lange bis zum Frühling. 🙂
    Die Perspektive auf dem Foto mag ich besonders. Auf den fein gewachsenen Baum hinweisend (Ich mag solche Bäume, vielleicht weil ich eine Einzelgängerin bin..?!). Ja, er kann gut solitär stehen und muss nicht in der Masse sein. Schön, die Beschreibung, dass er Besuch bekommt! 🙂

    Lieben Gruß,
    Silbia

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