Nennt mich Manni.

Ich bin ein Falter. Dieser Name erklärt sich wohl von selbst. Flügel auf, Flügel zu – falten halt. Alles klar. Aber warum Schmetterling? Oder haben Sie schon mal einen Falter eine Arie schmettern hören? Von einem Schmetterball ganz zu schweigen.

Fragen Sie doch doch mal Ihre Vorfahren, die mit dem ostmitteldeutschen Idiom, die werden Ihnen sagen was Schmetten bedeutet. Nämlich Schmand oder Sauerrahm oder so’n Zeugs. Und früher, also ganz früher, hielt man Raupen und ähnliches Gewürm für Teufelsbrut, entstanden aus Schlamm und den Ausscheidungen anderer Tiere. Dieser Meinung war auch Aristoteles, aber der hielt auch die Sklaverei für naturgegeben. Barbarenstämme – damit waren wohl die Nordeuropäer gemeint – waren weniger vernunftbegabt als die Griechen und konnten diesen somit nur als Sklaven dienen. Tja, wie schon der große Philosoph B. Dylan meinte: Die Zeiten, die tun sich ändern.  Aber das nur am Rande.

Zurück zur Teufelsbrut: Also damals glaubte man, dass sich Hexen in Schmetterlinge verwandelt könnten, nur um den Menschlingen die gute Butter oder den Rahm zu verderben. Die Angelsachsen waren auch nicht besser, sie nannten uns Butterfliegen, wohl aus dem selben Grund.

Aber dann kam Frau Maria Sybilla Merian, geboren 1647 zu Frankfurt am Main.

Jede freie Minute erforschte sie unser Leben, sammelte und fütterte Raupen, beobachtete was sich tat. Dabei dokumentierte sie zeichnerisch alle Stadien der Entwicklung von der Raupe zu den „Mandelkernen“, wie sie die Kokons nannte, bis hin zu den „Sommervögelchen“, wie sie uns sehr charmant bezeichnete. Die Kollegen von der Nachtschicht wurden „Mottenvögelein“  oder „Eulenfalter“ getauft.

Da gewinnbringendes Malen – so mit oder in Öl – denn  Männern vorbehalten war, arbeitete sie vorwiegend mit Zeichnungen, Aquarellen und stach in Kupfer. Aus diesen zauberhaften Blättern, welche meist sämtliche Stadien des Schmetterlingsleben zusammen mit deren bevorzugter Futterpflanze zeigten,  entstanden dann ihre wunderbare Bücher. Sie war eine Pionierin auf dem Gebiet der Erforschung und künstlerischen Darstellung von Blumen und niederen Tieren. Sie reiste bis nach Surinam in Westindien, nur um dort Flora und Fauna zu beobachten und zu zeichnen. Und das alles als allein erziehende Mutter, von ihrem Mann hatte sie sich getrennt.

Ansonsten lebte sie sie nur von und für ihre Kunst. Obwohl zu ihrer Zeit schon berühmt und geschätzt, wurde sie 1713 in Amsterdam als „unvermögend“ in einem Armengrab beigesetzt. Am Tag ihres Todes erhielt sie endlich noch einen erkleckliche Geldbetrag des Zaren. Aber den konnte sie nicht mehr mitnehmen.

Tja, das war es dann wohl für heute, ich gauckle mal rüber zu Herrn Nabokov, mal sehen was der so treibt. Aber Vorsicht ist geboten, er hat dieses äußerst unangenehme und  gefährliche Sammelleidenschaft. Da endet man aufgespießt in irgendwelchen Schaukästen. Also hoffentlich bis demnächst in alter Frische.

Bleiben sie flatterhaft und vielfältig
Ihr Manni Falter

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Nun ist er schon wieder weg, der Manni.Ein etwas unsteter Bursche. Immer unterwegs, mal hier mal dort, mal macht er diese oder mal jenes mal gar nichts. Also muss ich noch etwas ergänzen:

Manni hat seinen Informationen wohl aus sehr schönen Büchlein von Boris Friedewald mit dem Titel „Maria Sibylla Merians Reise zu den Schmetterlingen“, erschienen bei Prestel (im Verlagslink auch ein paar ihrer Bilder). Handlich, nur etwas größer als ein Taschenbuch, gibt es einen kurzen Abriss über das Leben der Merian. Viele ihrer Zeichnungen und Kupferstiche ergänzen das Werk auf’s trefflichste, und das zu einem sehr moderaten Preis.

Auch Emma hat einen schönen Artikel dazu.

Für die Überschrift  – Ein Klassiker, der vor 164 Jahren das Licht der literarischen Öffentlichkeit erblickte – muss sich Manni wohl bei Herrn Melville bedanken.

EAB

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17 Kommentare zu “Nennt mich Manni.

  1. waaahhhhh Schmetterlinge, Falter, Motten – ganz ganz furchtbar 😉 Keine Ahnung, aber ich mag die echt nicht diese ollen Flatterviecher. Das wäre also mal ein Buch, mit dem man mir nicht wirklich Freude machen würde.

    Schönen Sonntag noch 🙂

    • Ging mir früher ähnlich, aber je mehr ich darüber weiß, desto interessanter wird für mich die Sache. Die ersten Kapitel von Haskell, Das verborgene Leben des Waldes. Was habe ich mich geekelt….Dann war ich nur noch fasziniert.
      Ebenfalls einen schönen, nicht zu nassen und windigen Sonntag (natürlich ohne so’n Viechszeugs)

  2. Bin fasziniert von dem Flatterzeugs, habe mal einen riesigen Schwärmer an der Hauswand gesichtet, etwa 10 cm lang! Das Buch über Frau Merian könnte ich mir doch zu Weihnachten wünschen. Danke für den flatterhaften Tipp!

  3. Auf diese angenehm leichtfüßige und doch gehaltvolle Art (Teamwork von Manni und Erich) lass ich mir aber sehr gern Informationen über Tag- und Nachtfalter oder Details über engagierte Schmetterlingsforscher vermitteln! Das war echt klasse!

    Einen schönen ersten Advent! Dem Manni Sommervogel bitte auch ausrichten.

    LG Michèle

    • Vielen herzlichen Dank. Freut mich sehr und ich kann mir ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen. Genau das war meine Intention. Ich werd es ausrichten und man wird bestimmt wieder von ihm hören. Irgendwann…oder auch nicht. Er ist halt doch ein bisschen sprunghaft.

      Adventliche Grüße zurück.
      LG Erich

  4. „Sommervögelchen“, das gefällt mir 🙂 Ich mag Falter, sie wirken immer so verspielt und fröhlich – dafür habe ich Probleme mit mehr als sechs Beinen. Vielen Dank für diesen schönen Text, das Interesse ist geweckt!

    • Gerne geschehen, es freut mich sehr.
      So hat halt jeder seine kleinen Phobien, bei mir sind es noch die Kreucher mit gar keinen Beinen. Aber je mehr ich darüber weiß desto interessanter wird es und desto weniger werden auch die „Ängste“ oder der Ekel. Aber so im Urwald rumkriegen wie Frau Merian…das wäre nix für mich.

  5. Hat mich sehr gefreut, mal wieder ein Loblied auf diese großartige Frau Merian zu lesen! Der Seitenhieb auf Aristoteles gefiel mir weniger. Zu pauschal. Barbarenvölker sind nicht gleichzusetzen mit Sklavenhaltung. Barbaren waren alle Nicht-Griechen, wobei es nicht auf die Rasse, sondern auf die griechische Bildung ankam, damit jemand „Grieche“ war. Versklavt wurden Menschen, die entweder hoch verschuldet waren oder bei Feldzügen in die Hände des Siegers fielen (selbstverständlich auch Griechen. zB war Aisop, der Fabeldichter, Sklave). Gegen die Versklavung von Schuldnern gab es seit Solon die Seichsacheia, dh den Schuldenerlass, auf den sich die Griechen auch heute gern berufen. Wie es bei anderen Völkern war, kann man bei „Schuldknechtschaft“ nachlesen. Und über die „Geburt aus dem Schlamm“ findet man Interessantes unter dem Stichwort „Parthenogenese“, also Jungfrauengeburt.

    • Dacht ich mir schon dass du auf die Erwähnung vom ollen Ari mit wissenschaftlicher Akribie einsteigst. Danke dafür, wieder was gelernt. Ich habe leider keine humanistische Schulbildung, sondern bei mir war nach der Realschule Schluss (nicht mit Lustig, der Spass fing dann erst richtig an). Darum nehme ich gerne jede Art von Information begierig an.

  6. Pingback: Manni, Frau Dr. Grill, Nabokov und so manch’ anderer. – mannigfaltiges

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