Intermezzo am Mittwoch

Winterabend

Wie muß der Tag sich neigen
Im Winter, ach, so bald;
Ein tiefes, mildes Schweigen
Liegt über Flur und Wald.

Am Himmel noch ein Schimmern,
Ein letztes, doch kein Stern;
Trübrothe Lichter flimmern
Aus Hütten still und fern.

Und trüb und immer trüber
Der Landschaft weiter Kreis;
Es zieht der Bach vorüber
Eintönig unter’m Eis.

Horch – welch ein leises Beben
Urplötzlich in der Luft?
Geheimnißvolles Weben,
Geheimnißvoller Duft!

Wie ferne, ferne Glocken
Erklingt’s – so wohl – so weh‘ –:
Da fällt in dichten Flocken
Zur Erde sanft der Schnee.

Ferdinand von Saar

Photo @ e.a.brokans

Photo @ e.a.brokans

Ferdinand von Saar, *1833, +1906, österr. Dichter; melancholisch-empfindsame Erzählungen, schwermütige Gedichte; „Novellen aus Österreich“ u.a. [Duden 1962]

Ja, ich weiß, es ist warm und es hat keinen Schnee, zumindest nicht in meiner näheren Umgebung. Aber manchmal muss man sich die Realität eben ein bisschen zurechtbiegen. Dann fällt vielleicht auch die für heute anberaumte Pflichtweihnachtsfeier etwas angenehmer aus.
In diesem Sinne – gehabt Euch wohl!

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6 Kommentare zu “Intermezzo am Mittwoch

  1. Ein ganz feines Bild, so lichtvoll und doch etwas verwunschen im Wald.
    Das Gedicht zeigt wieder, wie man Emotionen auch in einfacher Sprache rüberbringen kann. Da muss man nicht erst kreuz und quer denken, um den Sinn zu verstehen – ich mag das!

    Jetzt wollte ich noch tröstende Worte zur Pflichtveranstaltung schreiben, aber das hat sich ja erledigt, wenn es denn doch gut war!

    Lieben Gruß,
    Silbia
    (die keine Pflichtveranstaltungen besucht, weil sie sich schlichtweg enpflichtet hat 😉 )

    • Schön wie du das Gedicht (und auch das Bild) beschreiben hast.
      Danke dafür.
      Und zur „Pflicht“veranstaltung: diese Pflicht habe ich mir selbst auferlegt, im Sinne von „Ichwillundmussdahin“ – es war keine von aussen aufgezwungene Sache.
      Ich meinte das auch eher in Bezug auf die unweihnachtlichen Weltereignisse und auf die frühlingshaften Temperaturen. Beides lassen irgendwie keine so richtig Stimmung aufkommen.
      LG Erich

  2. Von den Weltereignissen können wir keine Weihnachtsstimmung erwarten und vom Schnee sollten wir uns nicht abhängig machen, ein Zufallsprodukt unseres Lebenmittelpunktes.
    Weihnachten muss in uns sein, dann können wir das Fest auch feiern.

    LG Anna-Lena

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