Die Zeit ist aufgeregt

Die Zeit ist aufgeregt;
Gott weiß, was sie bewegt;
Auf welches hohe Ziel
Ihr Kampf ist angelegt!
Ich weiß, daß sich der Sturm
Vor meinem Hauch nicht legt;
Der Sturm, der Wellen peitscht,
Und Weltbautrümmer fegt.
Doch einen sucht das Leid,
Der es im Stillen pflegt,
Zu retten durch die Zeit,
Was keine Zeit umhegt.
Wie durchs empörte Meer,
Das gegen Himmel schlägt,
Das ihr vertraute Pfand
Die Perlenmuschel trägt

Friedrich Rückert

Photo e.a.brokans

Photo e.a.brokans

Eine kleine Anmerkung zum Bild:

Mit dem gezeigten Feldkreuz nehme ich nicht Partei für eine Religion. Mir ist es egal ob sich die Anhänger der verschieden Religionen unter irgendwelchen Zeichen, Symbolen oder Sinnbildern versammeln. Vielmehr ist es für mich – in unserem Kulturkreis – ein Beispiel für Leid und Trauer aber auch für Nächstenliebe und Hoffnung. Den die Idee, die dahinter steht ist nicht schlecht. Was aber der „denkende“ Mensch aus vielen, eigentlich guten Denkansätzen – wie sie in vielen Religionen durchaus vorhanden sind – gemacht hat, steht auf einem anderen Blatt und ist für mich indiskutabel.

Wenn man sich mit den momentanen Zeitläuften beschäftigt, erkennt man leider, dass die Lernfähigkeit des Menschen aus den Ereignissen seiner  Geschichte ziemlich beschränkt ist. Aber es soll ja noch Hoffnung geben, sagt man. Aber um daran zu glauben, benötigt man schon sehr viel Kraft. Womit wir wieder bei meiner Symbolik des Feldkreuzes wären.

Wenn nicht, können wir wohl immer öfter der Einladung von Erich Mühsam Folge leisten:

Ich lade euch zum Requiem

Ich lade euch zum Requiem
vors Ehrenmal der Totenmauer.
Aus Liebe, Schmerz, Empörung, Trauer
wand ich ein Blumendiadem.

Zerpflückt nicht, so ihr Menschen seid,
den Kranz, den ich gebunden habe,
und denkt daran: am frischen Grabe,
unkritisch, weint das frische Leid.

Das Heut erkennt das Gestern nicht,
trotz Ruhmeskranz und Seelenmessen. –
Wer Zukunft schuf, bleibt unvergessen.
Erst die Geschichte hält Gericht.

Erich Mühsam

 

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2 Kommentare zu “Die Zeit ist aufgeregt

  1. Aus der Geschichte ist zu lernen, sagen manche (und ich selbst hatte gerne Geschichte studiert), aber offenbar müssen wir unsere Erfahrungen immer wieder neu und selbst machen – leider auch die furchtbaren kollektiven, über die uns die Geschichte doch wirklich eine Mahnung sein könnte.

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