Seele des Lebens

Verfall, der weich das Laub umdüstert,
Es wohnt im Wald sein weites Schweigen.
Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen.
Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.

Der Einsame wird bald entgleiten,
Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden.
Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden,
Indes die Lider sich vor Gottheit weiten.

Der blaue Fluß rinnt schön hinunter,
Gewölke sich am Abend zeigen;
Die Seele auch in engelhaftem Schweigen.
Vergängliche Gebilde gehen unter.

Georg Trakl

Bildschirmfoto 2015-12-09 um 21.33.27

Photo © e.a.brokans

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10 Kommentare zu “Seele des Lebens

  1. Guten Morgen,
    was für ein Kunstwerk so ein Baum doch ist, mit seinen kräftigen und zarten Verästelungen! Ein schönes Bild! Deine Baumphotos sind wunderbar! Das Traklgedicht – tröstlich und traurig zugleich. Viele liebe Grüße in den frischen Tag! Petra (Endlich dampfte mal der Atem vorhin draußen )

    • Einen schönen, vernebelten und vereisten (die Scheibe) guten Morgen zurück!
      Danke, ich mag Bäume, sehr sogar (das würde auch mal eine kleine Geschichte ergeben – fällt mir da so ein), aber umarmt habe ich noch keinen 😉 .
      LG Erich

  2. Nun ist sie wieder da, die Zeit in der wir sie bestaunen dürfen, die filigranen wunderschönen Baumzeichnungen, die sich gegen den Himmel malen. Manches Versteckte oder Vergessene wird sichtbar gemacht. Trakls Formulierungskunst passt wunderbar dazu…Baumarkaden.. 🙂

    Lieben Gruß,
    Silbia

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