Warum?!

…oder der Beginn eines Leselebens.

Soviel war sicher, mit meiner unstillbaren Neugier und der ständigen Fragerei nach dem Wie, Warum und Weshalb ging ich meinen Mitmenschen gehörig auf die Nerven. Irgendwann reichte es offensichtlich auch meinen Eltern. Als Antwort auf fast alle meine Fragen, so hofften sie zumindest, erhielt ich ein Duden-Lexikon (in sage und schreibe 3 Bänden) von 1962 in die kleinen Hände gedrückt. Gut, da waren viele Bilder, aber meine Fragen wurden dadurch nicht beantwortet. Im Gegenteil, es wurden immer mehr. Meine Neugier war unersättlich, wollte ich sie befriedigen, musste ich lesen, viel lesen. Aber das klappte noch nicht so richtig.Es reichte gerade für das wöchentliche Micky-Maus-Heftchen. Also musste ich in die Schule, auch wenn ich dafür meine Freiheit drangab.

Photo aus Familienbesitz - Kopieren nicht erlaubt.

Photo aus Familienbesitz – Kopieren nicht erlaubt.

Den ersten Tag verheulte ich, auch ansonsten war ich ein schlechter Schüler, denn wider erwarten dehnte sich mein Wissensdurst nicht auf den Unterrichtsstoff aus. Es war eine Dorfschule, acht Jahrgänge, verteilt auf 2 Klassenzimmer. Das Schulhaus wurde übrigens Ende des 19. Jahrhunderts mit Mitteln aus dem Fund eines keltischen Goldschatzes, den sogenannten „Regenbogenschüsselchen“, gebaut. Nachdem ich bis zur  4. Klasse bleiben durfte, wurde sie schließlich endgültig aufgelöst. Aber dafür konnte ich nichts. Im Nachbarort bauten sie eine große Schule, jeder Jahrgang erhielt dort ein eigenes Zimmer.

Doch zurück zu unserer Schule. Das schönste daran war der Schrank mit Büchern, zum Ausleihen für die Schüler. Gelesen hatte ich bald alles was da war. Viel war es eh nicht. Erinnern kann ich mich nur noch an die Jahreshefte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Das waren ganze Kerle. Ihnen nacheifernd, trieb ich mich nachmittags oft mit einem zusammengebastelten Boot – natürlich ohne Schwimmweste – auf einem Kiesweiher herum. Bevorzugt bei unwirtlichem und windigem Wetter. Schwimmen lernte ich erst Jahre später und die Hausaufgaben mussten eben warten.

Machen wir es kurz. Ich ging nicht gern zur Schule, darum reichte es gerade mal für einen mittelmäßigen Abschluss einer mittelmäßigen Schule. Ich lernte vieles, dass meiste allerdings aus Büchern die ich mir selbst auswählte. Ein Rechtschreibduden war leider nicht darunter. Antrieb des Lesens war (und ist) für mich immer noch die Neugier und die daraus resultierenden Fragen. Die Lösung suchte/suche ich in Büchern, in immer mehr Büchern. Einer scheinbar gelösten Frage folgten immer neue offene Fragen. Das bedingte natürlich neue Bücher. Ein Teufelskreis. Leisten konnte ich mir das nicht. Meine Eltern waren nicht mit materiellen Reichtümern gesegnet, das wenige was sie zusammen verdienten, reichte gerade für den Lebensunterhalt. So gab es zuhause auch keine Bibliothek. Aber es gab ja noch Büchereien.  Allerdings waren Bücher auch nicht alles, es gab auch noch etwas anderes…

Und dieses und jenes und noch mehr (mannigfaltiges halt)… „dat krieje mer späta“ …vielleicht…

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31 Kommentare zu “Warum?!

  1. Hach, bei dem Blick kann man nur dahinschmelzen… 🙂
    Und auch die Zeilen setzen Sympathie frei. Ich mag es gern, wenn meine kleine Patienten neugierig sind, dann weiß ich, dass wir vorankommen werden. Denn an der Neugierde kann man wunderbar anknüpfen.

    Liebe Grüße,
    Silbia

  2. Wie erfrischend, auf diese Art Bekanntschaft mit dem jungen Erich (seiner Bücherliebe, seinem Wissensdurst, einer gewissen Schulabneigung etc.) zu machen! Die Aussicht auf mehr Einblicke und den Fortgang stimmen mich sehr fröhlich. Wobei ich gar nicht nur Lustiges erwarte – so ist das nicht zu verstehen. Doch mir schwant, das die Erzählweise eine ist und bleibt, die einfach erfreulich ist und entsprechend beim Leser wirkt.

    LG Michèle

    • Herzlichen Dank für deine netten Worte. Ja, es wird vermutlich mehr geben, nicht nur lustiges, aber da ich ja immer zu einer augenzwinkernden Betrachtungsweise neige, wird es schon nicht zu duster. Das liegt mir momentan nicht. Und an der Erzählweise bastle ich noch, denn im Schreiben bin ich etwas ungeübt. Die Texte hier auf dem Blog sind seit Jahrzehnten die ersten privaten.

      LG & Schönen Sonntag
      Erich

  3. deine Geschichte macht mich auch traurig.schade,dass die schule oft nicht das beste in uns fördern kann.
    für mich weben bücher den stoff zum träumen. ich liebe geschichten.
    danke für deine besuche auf meinem blog.

  4. Das habe ich nur zu gern gelesen und mich selbst darin sogar ein gut Teil wiedergefunden.

    ‚Was ich lernen will, lerne ich damals wie heute
    gründlich genau und still.
    Was ich lernen muss,
    dem stelle ich mich entgegen,
    mit Trotz präge ich es dennoch mir ein,
    doch zieh eine Schnute dabei
    und bin voll Verdruss.
    Wohl weiß ich genau, es muss manchmal sein,
    doch die Freude am Lernen
    liegt in meiner Lust allein
    und ist meiner Weisheit bester Schluss.‘

    Ich wünsche Dir einen schönen dritten Advent!
    Liebe Grüße von der Fee ✨

  5. auch ich erkenne mich ein Stück weit wieder, Erich, und das ist es ja wohl, was beim Lesen am meisten Spaß macht. Ich hatte eine heftige Abneigung, Bücher zu lesen, die auf dem Lehrplan standen. Lesen auf Befehl? O nein! Didaktisierte Texte? Ein Graus. Zu meinem Glück kannte ich fast alle Bücher schon, bevor sie dran waren. Falls nicht, habe ich sie bis heute nicht gelesen.
    Das Foto gefällt mir auch sehr. Mischung aus Schlitzohr und Fragezeichen, mit einer Menge Chupze.

      • hab eben das Wort Chupze nachgelesen, da steht als Web-Definition : „ist eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit“. Also es passt nicht ganz, denn zwar wirkt der Knabe mit der Tüte intelligent und charmant, auch wie jemand, der weiß, was er will, aber keineswegs dreist oder gar unverschämt.

        • Am Anfang war ich ziemlich ängstlich, wie immer wenn ich in eine ungewohnte Situation komme, dann aber gab mein Verhalten, von gelegentlichen vorlauten Bemerkungen abgesehen, zu keinem Tadel Anlass. Am meisten wurde meine Schrift kritisiert…in allen Zeugnissen.

    • Lieber Kai,
      vielen Danke für deine Motivation. Geschichten (und auch Geschichte) wird es weiterhin geben.Eine Fortsetzung im Sinne von „der Geschichte zweiter Teil“ wohl eher nicht. Dazu springen mir die Ideen zu Konfus im Kopf rum. Aber irgendwann, wenn mich der Mut nicht verläßt, soll es ein Gesamtbild ergeben.
      LG Erich

  6. Hach….dein schöner Artikel hat sogleich mein Kopfkino in Gang gesetzt.
    In vielen Teilen deiner Geschichte habe ich mich wiederentdeckt.
    Allerdings bestand meine Dorfschule damals nur aus EINEM (!) Raum, im dem ALLE (!) acht Klassen gleichzeitig unterrichtet wurden.
    LG von Rosie

    • Danke für deinen Kommentar.
      Das mit dem Kopfkino freut mich. Hoffentlich ist es kein tragischer Film.
      Boah, eine einklassige Schule ist mir nicht untergekommen. Da hatten wir da direkt eine Luxusausführung. Aber vermutlich nur wegen dem Goldfund, so steht es zumindest im Gemeindeblatt.
      Schöne Zeit
      Erich

      • „Meine“ Dorfschule war ein ganz altes Gebäude mit hohen Fenstern, knarrendem Dielenboden und einem Kanonenofen, der eigentlich den ganzen Raum heizen sollte. Eigentlich. Im Winter zog es aber oft so sehr, dass wir kältefrei bekamen. Toiletten gabs natürlich nicht. Man durfte aber in der Pause nach Hause rennen, wenn es dringend nötig war…smile* In den 60ern wurden dann alle Zwergschulen der Gegend aufgelöst und die Kinder mussten im Städtchen zur Schule gehen.
        Übrigens habe ich auch noch Fotos der alten Schule.

        • Photos habe ich auch noch, sogar aus den 30igern des vorigen Jahrhunderts. Meine Mutter ging in die selbe Schule. Vielleicht, wenn es passt, poste ich sie mal. Zu meiner Zeit gab es schon Toiletten im Gebäude und eine Zentralheizung. Früher gab es wahrscheinlich genauso eine Ofen wie du beschreibst, mit langem Ofenrohr. War halt schon ein „modernerer“ Zweckbau.

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