Nicht schon wieder!

Doch, schon wieder – Bäume!

Aber nur wegen dem Herrn Tucholsky, denn der hätte da mal eine Frage:

Was tun die Birken?

So habe ich neulich hier gefragt … was sie wohl tun, die Birkenblätter. Sirren? … flirren? … flimmern? … ich wußte es nicht.

Brunhild schreibt: sie ›schauern‹. Na, schauern … vielleicht tut das der ganze Baum – aber er friert doch gar nicht, mir ist dies Wort zu schwer für das leichte Gezweig.

Georg Hermann zitiert Liliencron:

Der Birke Zischellaub verstummte
In ferne Länder floh der Tag …

– das ist schon ähnlicher. Hier ist es wenigstens phonetisch gelöst; aber wenn man nun weitab steht und es nicht hören kann -?

[…]

Mein Gott, was tun die Birkenblätter –? Brunhild, komm her und stell dich unter einen Birkenbaum. Ich seh dich an – schauer mal. Fühlst du den Unterschied? Was tun sie? Ich werde dahingehen und es nicht gesagt haben.

Peter Panter, Die Weltbühne, 29.10.1929, Nr. 44, S. 680.

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Birken und vor allem Birkenwälder machen mich melancholisch. Mein Vater stammte aus dem Land der kleinen Birken. Erst nach 40 Jahren, kurz vor seinem Tod, konnte bzw. durfte er sein Vaterland ein letztes mal besuchen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nach alter Tradition wurde dort – und wird wohl noch immer – im Frühling Birkensaft abgezapft. Durch anbohren des Stammes werden mineralstoffreiche Säfte mit magischen Kräften – man muss nur daran glauben – gewonnen. Aber auch in seiner neuen Heimat gab es Birken mehr als genug.

Ein altes Photos zeigt mich wohlig entspannt in einer, zwischen zwei Birken aufgespannten Hängematte. Ob ich damals schon richtig laufen konnte, weiß ich nicht mehr, denn nur das Bären (wohl eher ein Schaf)fell- und das Schaukelpferdphoto waren älter . Soviel wurde ja damals nicht photographiert (Nachfragen zwecklos – es wird nichts veröffentlicht).

Später durfte ich dann beim „Bader-Sepp“, dem ortsansässigen Friseur & Feuerwehrkommandanten & Frauenhelden & Fersicherungs-Fertreter, das bei ihm immer vorrätige Birkenhaarwasser holen. Es sollte gegen den Haarausfall meines Vaters helfen, der Erfolg war aber eher marginal. Geschadet hat es allerdings auch nicht, besser als die damals übliche Pomade war es allemal. Es roch besser und frischer. Gelegentlich versuchte ich meine wirren Haare damit zu bändigen. Dieses wirre Haarproblem löste sich von selbst, als auch ich in die Hände vom „Bader-Sepp“ fiel. Ich hatte die Wahl zwischen Rund- und Fassonschnitt, das Ergebnis war dann entweder Nachttopflook oder Halbglatze. Aber auch diese Zeit ging unbeschadet vorüber.

Einige Jahre quälten mich die Birken im Garten mit ihren Pollen, erst als der Nachbar gerichtlich dagegen vorging, mussten wir sie fällen. Die Aufgabe des Quälens übernahm dann die Wildkirsche.

Heute bin ich birkenlos, aber in der Nachbarschaft, die jetzt auch eine andere ist, stehen noch genügend rum. Von meinem Lesesessel fällt mein Blick oft auf eine große Hängebirke mit  schönen Astwedel. Wenn ich nicht weiter weiß, egal ob bei der Lektüre oder sonst wo, blicke ich zu ihr hinüber und lasse mich vom Wiegen ihrer Äste im Wind ablenken. Die Gedanken schweifen dann ziemlich ziellos umher. Gelegentlich habe ich Mühe sie wieder einzufangen. Ab und zu schreibe ich darüber einen Blogeintrag. So wie den hier.

Aber was tun nun eigentlich die Birken – habt Ihr eine Idee?
…….
Anmerkungen:

Georg Hermann war ein deutscher Schriftsteller jüdischen Glaubens. Geboren 1871, wurde er am 19. November 1943 in Auschwitz ermordet.

Den ganzen Artikel von Peter Panter – alias Kurt Tucholsky – findet ihr bei Textlog.de .

Das gesamte Gedicht von Detlev von Liliencron findet ihr bei Zeno.org .

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44 Kommentare zu “Nicht schon wieder!

  1. Was sie tun? Sie tanzen mit dem Wind und zeigen uns, dass wir uns nicht gegen ihn stemmen sollten, weil wir daran zerbrechen könnten. Geschmeidig wollen sie sein und tragen in ihrer Rinde viele Gesichter und Geschichten: Es sind auch Märchenbäume, die wie deine Hängebirke, die Sorgen aus dem Kopf schaukeln können, wenn wir sie nur betrachten..

    Liebe Grüße,
    Silbia

          • Du bist doch nicht nervig!! Ich freue mich über deine Fragen, so kann ich in mich spüren, das liebe ich.
            Hm, das Geräusch…der Blätter im Wind… Kommt drauf an wie stark die Windfinger greifen… ein helles raschelndes Rauschen, teilweise an die Meeresbrandung erinnernd….

        • Raschelndes Rauschen – nicht schlecht. Das mit der Meeresbrandung – kann ich nicht so ganz nachvollziehen.
          Mir fällt jetzt gerade der Klang des Didgeridoos dazu ein…Alles gar nicht so leicht.
          Ich höre jetzt mal was meine Träume mir ins Ohr flüstern – Gute Nacht!
          LG Erich

          • Meeresrauschen, nur wenn viele Birken da stehen, sonst ist es zarter.
            Mögen deine Träume dir ein Lächeln in die Nacht und beim Aufwachen schenken! 🙂
            Silbia

  2. Schöner Blogpost, hat mir gefallen – gerade in seiner Kombination, seinem Aufgreifen ..

    Ich finde ja, dass Birken bei trockenem Wetter kaum Geräusch machen (die besondere Situation im Falle von Sturmböen einmal außer acht gelassen, da selten). Sie wischen grundsätzlich einfach nur mit dem dünnen Reisig sanft hin und her und das gibt kaum Laut.

    Ich mag es sehr, wenn das Laub nass ist, denn dann haftet das sehr dichte Blattwerk aneinander, und wenn sich in dem Fall die Zweige treffen, dann klingt das bereits bei ganz wenig Luftbewegung schon leicht klatschend.
    Regen sammelt sich an Birkenblättern, rinnt abwärts, wird von Blatt zu Blatt transportiert. Läuft zusammen. Das wirkt wie bei Bächen, die in einen größeren Fluss münden. So zusammengeleitet pladdert es dann in kleinen Sturzbächen nieder, ist nicht bloß ein Tröpfeln blattweise. Es klingt für mich daher schnell mehr nach Wasserhahn angelassen als nach leisem Sprühregen.

    So, das war mein Beitrag zur Birkengeräuschempfindung und -beschreibung. ^^

    LG Michèle

  3. Ich mag an Birken besonders das Lichte, Helle, die gefleckten Stämme. Und ich finde, es gibt viel zu wenige dieser schönen Bäume.
    Aber ich bin Nicht-Allergikerin – da hat man leicht reden.

  4. Sie säuseln. Wir hatten früher eine Birke mitten auf der Wiese, die dann aber leider einfach zu riesig wurde. Mein Vater hat sie dann gefällt (ich wurde natürlich nicht gefragt). Meiner Meinung nach hat sie gesäuselt.

  5. ich dachte, ihr Name würde was über die Sprache der Birke verraten, also guckte ich nach: Birke, Birch (englisch), Bouleau (französisch), Betulo (esperanta), Bereza (russisch), Betulla (italienisch), Abedul (spanisch)…. Irgendwie scheint die europäische Birke ein b-bi-bu-Gebrabbel von sich zu geben, erweitert duch lo, reza, tulla, oder das zischende tsch, das trockene rk. Die Finnen, dachte ich, verstehen mehr von Birken, und tatsächlich, dort klingen sie : koivu. Und die Griechen? Simýda – das Anfangs-S zischt, das d ist weich wie im englischen the zu sprechen, dazwischen das weiche m. Der Ton liegt auf dem Y, das wie i gesprochen wird. SS – i – m – iii – th – a. / Plural SS – i – m – iii- th – ess. Sagt dir das was?

    • Also am ähnlichsten klingt zweifellos das griechische Wort…wie so ein leichtes rollendes, zischelndes Rascheln, durchaus den Äußerungen der Birke ähnlich…
      Aber vielen Dank für die Wahnsinnsarbeit die Du Dir gemacht hast. Ich ziehe meinen Hut!
      Übrigens: Laut Herkunftswörterbuch kommt der Name aus dem germanischen und bezieht sich auf das Aussehen
      Aus dem Herkunftswörterbuch:

      „Birke
      Laubbaum ♦ mhd. birke, ahd. birka; die Bezeichnung geht über das Germanische zurück auf idg. *bherağo– „Birke“, das seinerseits vermutlich eine Ableitung zu idg. *bherağ– „glänzen“ ist; die Birke wurde also wahrscheinlich nach ihrer auffälligen Rinde benannt“

  6. Wo ist denn das Land der kleinen Birken? Ansonsten hatten wir eine Hängebirke im Garten. Als ich Kind war, war sie im Sommer mein Zelt. Tatsächlich wurde sie mit den Jahren immer mickriger, in dem Maß, in dem die Bäume um sie herum wuchsen. Irgendwann war sie weg. Geräusche? Wir wohnten neben einer sehr befahrenen Straße – keine Ahnung. Aber ich werde die Ohren im nächsten Sommer spitzen, Berlin hat eine Menge Birken zu bieten.

    • Nicht weit weg, an der baltischen See.
      (Vielleicht später mal mehr)

      Es ist das Los so mancher Birken: in ihrem Schatten gedeihen Bäume, welche langsamer wachsen und in Jugendjahren weniger Licht mögen, gar prächtig. Später wachsen sie über die Birke hinaus und rauben ihr das Licht. Das war’s dann.

      Berlin hat eine Menge Birken?
      Na immerhin, wenigstens etwas…

  7. Ich liebe Bäume und Birken haben Augen, schau mal genau hin…auf meinen Bildern sowieso, aber auch wirklich, sie sind beseelt wie alle anderen Bäume auch, aber wer weiss schon was noch in ihnen wohnt – außerdem scheinen sie gut für den Haarwuchs zu sein 😉 und Steinpilze scheinen sich gerne in der Gegenwart von Birken aufzuhalten – habe ich mal gehört 😉
    Ein schönes Neues Jahr noch und gerne mehr über Bäume….viele Grüße aus Arianes Atelier

    • Nicht nur Birken, alle Bäume haben haben Augen.
      Das mit dem Haarwuchs habe ich ja beschrieben. Außerdem ist das Betulin in vielen Kosmetikprodukten.
      Bäume können ohne Pilze nicht überleben. Das Geflecht umschlingt die Wurzeln und erschließt dem Baum Wasser und Nährstoffe. Der Pilz erhält dafür Zucker und Stärke.
      Aber jetzt genug doziert 😉

      Dir ebenfalls die besten Wünsche für das Jahr und darüber hinaus.
      LG Erich

      • Schon, aber ich finde sie bei den Birken besonders auffällig, und was das Haarwasser betrifft – stimmt ja, um das wirre Haar zu bändigen 😉 mein Großvater hat es immer benutzt, um den Haarwuchs anzuregen – das hat allerdings nicht geholfen…danke für die genauen Informationen zu Pilzen und Bäumen…

  8. Pingback: Nicht schon wieder! | 125 Jahre Kurt Tucholsky

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