Walden, der Sturm und eine Tulpe

Mein Herz horcht auf
Zag
Zagend schließt mein Herzblick sich um deine Gelenke
Ergriffen schwanken deine Knöchel
Deine Brüste atmen weit befangen
Hände gleiten
Gleiten tasten
Tasten streifen streichen streicheln
Hände jammern klammern krampfen kreisen
Blicke jagen
Jagen Blicke blicken Hände
Hände blicken
Brüste brüsten sich entgegen
Verwegen
Wegen wiegen wogen wagen
Hände rasen Hände rasten
Schenkel schwingen schwellen schweifen
Schenkel schweigen
Zittert ein Tropfen im Kelch verborgen
Mein Herz blickt auf
Birgt sich ein Tropfen unter deinem Lid
Schimmert zur Träne geweitet auf deine Braue
Sinkt auf die Tulpe deiner Brust
Tiefer stürzt er in den Kelch deines Leibes
Beben schmiegen
Geliebte

Herwarth Walden

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Herwarth Walden (1878 – 1941) hieß eigentlich Georg Lewin. Sein Pseudonym verdankte er seiner ersten Frau Else Lasker- Schüler und ihrem Faible für den Roman „Walden“ von Henry Thoreau.

Walden war ein Multitalent. Nur wenige Biographien von Künstlern des beginnenden 20. Jahrhunderts kommen ohne seine Erwähnung aus. Das gilt zumindest für jene, die mit ihm gegen den spießbürgerlichen Mief der wilhelminischen Ära kämpften.

Als Schriftsteller, Kritiker und Verleger gründete er u.a. die Zeitung „Der Sturm“. Als Galerist und Künstler betrieb er die Sturm-Galerie in Berlin. Gerade der deutschen Avantgarde in all‘ ihren Facetten war er besonders zugetan. Das er nebenbei noch komponierte und musizierte sei nur am Rande vermerkt.

1918 wurde er Mitglied der KPD. Bereits 1932 emigrierte er, das kommende Unheil ahnend, in die Sowjetunion. Das stalinistische Regime vertraut ihm allerdings nicht und steckte ihn 1941 als vermeintlichen Verräter in ein Gefängnis bei Saratow. Dort verstarb er im Oktober 1941.

Mehr zu Levin/Walden, dem Sturm und besonders den Sturm-Frauen, zeigt das Schirnmag (anklicken lohnt). Die dazugehörige Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt ist ebenso äußerst beachtenswert (nur noch bis zum 7. Februar). Leider konnte ich sie nicht persönlich in Augenschein nehmen.

Ein Faksimile des ganzen Bandes „Im Geschweig der Liebe“ von 1925 ist hier zu finden.

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13 Kommentare zu “Walden, der Sturm und eine Tulpe

    • Ich habe zu danken. Es freut mich immer wenn etwas gefällt.
      Erinnern ist wichtig , aber es sieht momentan so aus als ob alles erinnern nichts nützte. Wie heißt es doch so „schön“: Jede Generation hat das Recht ihre eigenen Fehler zu machen – Leider.

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