Update: „Eiche in Gefahr“

Vorab zur Klarstellung: Es ist nur ein Baum, einer unter vielen, sein Schicksal ist im Vergleich zu den momentan vorherrschenden Problemen marginal. Aber symptomatisch für unseren Umgang mit der Natur. Die meisten werden den Baum schon kennen. Wenn nicht, dann bitte hier gucken.

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Des Dramas I. Akt:

Am 13. Januar erschien ein gut halbseitiger Artikel in der hiesigen Lokalausgabe des Donau Kuriers. Sein lakonischer Titel: „Eiche in Gefahr“.

Was ist passiert?

Der Grund auf dem der Baum steht, ist an einen Landwirt verpachtet. Bevorzugt wird hier Energiemais für Biogasanlagen angebaut. Der Reingewinn ist, auch dank der „Energiewende“, bei dieser Pflanze am höchsten. Wer schon einmal die dabei eingesetzten Maschinen gesehen hat, erkennt leicht, dass es bei der Feldbestellung nicht so sehr auf den Zentimeter ankommt. So wurde beim Umgraben der Erde bis fast an den Stamm des Baumes hin gepflügt. Dadurch wurden die Wurzeln der Eiche stark beschädigt und damit das Immunsystem und die Nährstoffversorgung des Baumes sehr geschwächt. Zu allem Überfluss sollen die letzten Wiesenreste um den Stamm herum mit dem Teufelszeug Round-up getränkt worden sein. Was dann wohl für die Wurzel-Pilz-Symbiose und folglich auch für den Baum absolut fatal wäre. Der Baum, im zarten Alter von rund 140 Jahre, ist kein Naturdenkmal und nur „als landschaftsbildprägend“ eingestuft.

Des Dramas II. Akt:

Zum 21. Januar erschien dann wieder ein Artikel im selben Blatt. Mittlerweile hatte sich die untere Naturschutzbehörde des Landkreises eingeschaltet. In einem Gespräch mit dem Pächter bedauerte dieser den Vorfall und wies darauf hin, dass es sich wohl „um das Versehen eines Mitarbeiters“ gehandelt hätte. Es wurde versprochen in Zukunft nicht mehr bis unter die Baumkrone zu pflügen. Von einer Behandlung mit „Round-up“ wisse er nichts und wies den Verdacht weit von sich. Der Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten machte seinerseits den sehr trockene Sommern für das Verdorren von Teilen des Baumes verantwortlich.

Des Dramas III. Akt:

…wird wohl erst in ein paar Jahren geschrieben werden können.

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Quellen:
Pfaffenhofener Kurier (Printausgaben)
PK Nr. 9 vom 13. Januar 2016
PK Nr. 16 vom 21. Januar 2016.

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9 Kommentare zu “Update: „Eiche in Gefahr“

  1. Nun, ich klicke eh nie den „gefällt mir“ Button und jetzt schon gar nicht. Es missfällt mir außerordendlich, was da mit dem schönen Baum geschieht!!
    Das Versehen eines Mitarbeiters… so wird sich herausgeredet und der Baum konnte sich nicht wehren. Selbst wenn man das Mittel im Boden oder der Wurzel nachweisen könnte, würde es dem Baum nichts nützen, nehme ich an. Es wäre zu wünschen, dass die Eiche stark genug ist und der „Mitarbeiter“ einen großen Bogen um sie macht!!

    Liebe Grüße,
    Silbia

    • Ja, mal schauen. Vielleicht packt sie es.Aber Eichen sind halt schon kleine Mimosen. Ziemlich empfindlich. Eigentlich gar nicht geeignet, so als „Baum der Toitschen“ – Darsteller.
      LG Erich

    • Von den Menschen?
      Erwarte ich nicht mehr allzu viel.
      Heute im Blättchen: 6 Rehe von Hunden (keine verwilderten, die gibt es hier nicht) zu Tode gehetzt und gerissen ( in der Nähe des Baumes).
      Alles andere menschliche und unmenschliche steht ja täglich in den Medien (und denn dazugehörigen, widerlichen Kommentaren).

  2. Ich kann dir leider auch nur eine traurige Geschichte erzählen, Früher fuhr ich jedes Jahr auf die Insel Samothrake, 20 Sommer hintereinander. Langsam wurden immer mehr Zäune in die Landschaft gesetzt. Damals entschloss ich mich, ein Stück Natur zu kaufen, nur um es so zu belassen, wie es war. Welches? Ein riesiger Eichenbau, schätzungsweise 800 Jahre alt, wachte über der Landschaft. Das Land drum herum erstand ich für sehr wenig Geld – um nichts damit zu tun.
    Eines Jahres war der Baum weg – ratzekahl abgesägt, Holz weggeschafft. Ich konnte mir denken, wer der Räuber war (der Vorbesitzer). Er gabs auch zu, wollte uns mit zwei Käseballen entschädigen. Er habe es doch gut gemeint. Nun könnten wir das Land eher zu Bauland erklären, das sei eine bedeutende Wertsteigerung. Wir waren hilflos. Denn wie sollten wir beweisen, dass wir diese „Bereinigung“ nicht in Auftrag gegeben hatten?
    Seither bin ich nicht mehr hingefahren. Will jemand den Hang fast geschenkt haben? 0,7 ha groß, man blickt auf das Meer, im Rücken den Berg Fengari (Mond).. Ein Bach führt hindurch, mit Platanen und ein paar verkrüppelten Apfelbäumen. Ich mag nicht dran denken.

    • Wirklich eine traurige Geschichte. Es geht leider viel zu oft um Ausbeutung der Natur und „Wertsteigerung“. Ich dachte immer es wird besser. Aber wenn die menschlichen Hinterlassenschaften in den Wäldern angucke, muss ich sagen das ich mich getäuscht habe.

  3. Pingback: Der Baum (mal wieder) – mannigfaltiges

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