Obacht, stachelig!

Kakteen

Sie stehen jahrelang im Topf aus Ton,
Verstockte in sich, selbstverliebte Käuze,
In einer rätselhaft verbißnen Fron
Der Form: sind Kugel, Kegel, Kreuze,

Sie gleichen Birnen, mißgebornen Köpfen,
Sind Stein-Gespenster, Schlange, Hand:
Verfeindet so dem Außen, daß in Schöpfen
Stacheln aufstehn um sie wie eine Wand,

Dahinter sie verharrn, anarchisch, kündend,
Prophet und Gott, ihr selbstbeseßnes Ich,
Bis sie auf einmal stumm, in Blumen mündend,
Sich ganz verschweigen, opfern, löschen sich.

Maria Luise Weissmann

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Ich mag Kakteen. Das ist allerdings nichts besonderes, denn eigentlich mag ich ja alle Pflanzen.

In der Blumensprache steht der Kaktus für:

Eigenwilligkeit,
Kratzbürstigkeit,
Introvertiertheit
Egoismus
Dickköpfigkeit
Individualität
Ausdauer

Da könnte ich mir jetzt etwas Passendes aussuchen. Ausdauer ist es mit Sicherheit nicht. Der Rest: Ja, vielleicht – mehr oder weniger. Aber was mir in der Liste fehlt ist die Unnahbarkeit. Der Kaktus versucht sich mit seinen Stacheln zu schützen. „Komm mir ja nicht zu nahe“ ist seine Devise. Das ist mir eigentlich die liebste Eigenschaft. Wie der Kaktus versuche ich möglichst eine Distanz zwischen meinen Mitmenschen und mir zu wahren. Kommt mir jemand zu nahe, kann es schon sein das ich steche. Natürlich nicht mit Stacheln oder anderem stichfähigem Material. Eher mit Worten oder so. Manchmal wird dabei  jemand verletzt. Das tut mir dann wiederum leid, und ich versuche mich mit einer Blüte zu revanchieren.

Übrigens, kennt ihr den Film „Die Kaktusblüte“ mit Ingrid Bergmann. Walter Matthau und Goldie Hawn aus dem Jahre 1969?
Hier eine kurzer, kulturhistorisch wertvoller Ausschnitt, mit  Einblicken in die Tanz – und Kleidermode jener Zeit:

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11 Kommentare zu “Obacht, stachelig!

  1. Fein, dass du das mit dem Schutz noch erwähntest. Das sehe ich eigentlich zuerst – auch bei den Disteln. Egoismus erschließt sich mir in dem Zusammenhang eigentlich gar nicht.
    Hm, ich habe noch nicht so darüber nachgedacht, aber demnach müsste ich mich den Kakteen näher fühlen als ich es bisher tat! 😉

    Beste Grüße,
    Silbia

    • Für mich stet auch der Schutz durch die Stacheln im Vordergrund -logischerweise. Er steht aber merkwürdigerweise nirgends. Die ganze Blumensprache ist eh‘ etwas verquer und epochenabhängig.

  2. Da gerätst Du an den Richtigen: Neben der Beat-Bibliothek steht eine nicht unbeträchtliche Sammlung von Euphorbien. Die Größe der Familie zwingt mich allerdings dazu, mich auf Arten aus Madagaskar zu spezialisieren.

    Aber ach: Das sind ja keine „Kakteen“ – sie fallen unter „Andere Sukkulenten“.

    • Interessante Pflanzen, Deine Euphorbien, und ob Sukkulenten oder Kakteen ist doch egal. Ich sammle eh nicht planmäßig, es sammelt sich höchstens an. Mal hier eine, mal dort eine Pflanze- es ist halt wie mit den Büchern.

  3. Den Film kenne ich. ^^
    Ich denke bei Kakteen auch an die Unnahbarkeit und den Eigenschutz durch Stacheln (ebenfalls im übertragenen Sinn). Aber ich habe noch etwas bei ihnen entdeckt, was ich selbst schon erfahren habe und die Kunst zu schätzen gelernt habe: es ist ihre Fähigkeit, Durststrecken durchzustehen. Und danach nicht etwas mies drauf zu sein und mickrig herumzukümmern! Nein – tadaa! – schöner und besser als zuvor geht es oft weiter …
    (Aber vielleicht verbirgt sich das teilweise ja auch schon hinter dem Begriff „Ausdauer“, der in deiner Liste vorkam.)

    LG Michèle

    • Interessanter Gedankengang.
      Die Sukkulenten brauchen sogar ihre „Fastenzeit“ um richtig zu gedeihen. So sagt zumindest mein schlaues Pflanzenbuch. Allerdings kriegen sie bei mir immer etwas ab. Gegossen wird alles – ohne Ausnahme. Ich mag keine Durststrecken, weder bei mir noch bei den Pflanzen. 😉

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