Aussichten & Einsichten

Aussichten (auf das kommende Frühjahr):

Drei kleine Strassen
mit Häuserchen wie aus einer Spielzeugschachtel
münden auf den stillen Marktplatz.

Der alte Brunnen vor dem Kirchlein rauscht,
die Linden duften.

Das ist das ganze Städtchen.

Aber draussen,
wo aus einem blauen, tiefen Himmel Lerchen singen,
blinkt der See und wogen Kornfelder.

Mir ist Alles wie ein Traum.

Soll ich bleiben? Soll ich weiterziehn?

Der Brunnen rauscht . . . die Linden duften.

Arno Holz

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Einsichten.

Der einen oder dem anderen ist es bestimmt schon aufgefallen. Auf meinen Photos fehlen die Menschen. Ein Alltagsklunkerbeitrag von Stephanie Jaeckel, die sich auch mit dieser Thematik beschäftigte, ließ mich darüber nachdenken.

Vorab eine kleine Erläuterung: Mir geht hier nicht um das Urheberrecht, ich rede hier von Porträtaufnahmen, bei denen die abgebildete Person deutlich erkennbar ist. Sobald dies der Fall ist und an eine Veröffentlichung gedacht wird, muss eine Einverständniserklärung – möglichst in schriftlicher Form – vorliegen. Ansonsten kann es Ärger mit dem „Recht am eigenen Bild“ geben. Natürlich gibt es da auch, wie bei jedem Gesetz, Ausnahmen und Fallstricke. Auf diese möchte ich aber nicht eingehen, ich bin kein Fachmann. Das Netz ist diesbezüglich voll von fundierten Hinweisen. In anderen Ländern ist man übrigens bei weitem nicht so rigoros beim „Recht am eigenen Bild“.

Mir geht es allerdings nicht so sehr um die rechtliche Situation, sondern mehr die Ethik. Ich selbst bin ziemlich kamerascheu, darum verfahren ich nach dem alten Spruch:

„Was man mir nicht antun soll, will ich auch nicht anderen Menschen zufügen“.

(Konfuzius oder so…)

Darum verzichte ich darauf fremde Menschen ohne ihre ausdrückliche Erlaubnis abzulichten und die Photos in irgendeiner Form zu veröffentlichen. Ich möchte ja auch nicht, dass Photos mit meinem Konterfei in irgendwelchen sozialen Netzwerken kursieren (reine Hypothese – an mir gibt es nix interessantes).

Ich mag auch diese sogenannte „street photographie“ nicht besonders. Manchmal schrammt sie doch hart am Voyeurismus entlang. Die oft hochgelobten Aufnahmen der sagenhaften, manischen Bildersammlerin Vivian Maier sprechen hier Bände; ebenso die technisch und photoästhetisch sicherlich hervorragenden Aufnahmen von betrunkenen und kotzenden Feiernden aus Großbritannien, welche kurz nach Silvester im Netz kursierten.

Andererseits sehe ich natürlich schon die Notwendigkeit gewisser Photos, um die Welt aufzurütteln; soweit das bei der vorherrschenden Abgestumpftheit und Sensationsgier überhaupt noch möglich ist. Es ist halt – wie so oft – ein Spagat. Und entscheiden muss jeder für sich.

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9 Kommentare zu “Aussichten & Einsichten

  1. Mir geht es wie dir, was Personenfotos angeht, auch dass ich nicht ungefragt fotografiert (und veröffentlicht) werden möchte. Ja, wir sind konform zum Gesetz und zu unseren Gefühlen, aber was ist mit der Menschenfotografie, den „Streets“, verschwindet sie nicht damit als Kunst? Ich bin da sehr gespalten.
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Seit Januar vorigen Jahres gilt eh ein neues Gesetz, laut dem sind teilweise auch schon die Aufnahmen strafbar:
      „Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt.“

      Und ob das und was da Kunst ist, wenn ich einen „ach so malerischen“ Bettler oder Obdachlosen photographiere – darüber könnte man lang und breit diskutieren. Aber Vorsicht: es geht immer um solche Aufnahmen die ohne Erlaubnis gemacht oder veröffentlicht worden sind.

      Aber wie Du bereits sagst, das Ganze (auch das Gesetz) ist sehr zwiespältig zu betrachten.
      Schönen Sonntag
      Erich

  2. Ja, das ist ein so weites Feld! Aber ich möchte – obwohl ich weiß, dass Du mir das nicht unterstellst – darauf hinweisen, dass ich nicht auf Sensationsfotos aus bin. Mich rühren eben oft Gesichter bis ins Mark, oder Leute, die sich umschauen, die sich unterhalten oder einfach nur da sind. Ich habe bemerkt, dass meinen Fotos eben etwas fehlt, denn die Welt ist nun mal nicht menschenleer. Zumindest die Großstadt nicht. Ich werde mich bescheiden müssen. Oder gelegentlich den Mut aufbringen, fotografierte Menschen nach der Veröffentlichung zu fragen. Was ich übrigens bei den wenigen Fotos getan habe, die auf den Klunkern von Menschen zu sehen sind. Aber eben: Keine Kunst, keine Architektur, keine Menschen. Mann, Mann, Mann…

    • Du bist meilenweit entfernt von Sensationsphotos. Und das was du meinst, treibt mich auch um. Es gibt soviel aussagekräftige, schöne, interessante und was auch immer – Gesichter und soviele Ausdrucksweisen darin. Ich beobachte gerne. Photos davon wären natürlich noch schöner. Aber irgendwie habe ich meist noch Hemmungen zu fragen. Bin vielleicht doch etwas zu schüchtern (das ist jetzt nicht ironisch gemeint), weil ich mir meiner Fähigkeiten auf diesem Gebiet noch zu unsicher bin.

  3. Wie sagte schon Ansel Adams auf die Frage, warum man auf seinen Fotos keine Menschen sieht: There are always two people in every picture, the photographer and the viewer.
    Ich glaube auch nicht, das sich die bekannten Namen wie Vivian Mayer sich als Street Photographer beschrieben hätten. Deine Ansicht teile ich. Darum verzichte ich auch fast immer auf Menschen auf meinen Fotos. Als Ergänzung empfehle zum Nachlesen: https://www.freelens.com/news/ja-was-ist-sie-denn-die-strassenfotografie/
    Und nicht zu vergessen, Arno Holz und das Foto passen sehr gut zusammen.
    Herzliche Grüße,
    Stefan

    • Der gute Ansel Adams, ich mag in sehr -gestern hätte er Geburtstag gehabt. Den Hype um Viviana Meier kann ich nicht ganz nachvollziehen. Er kommt mir irgendwie geplant vor.
      Besten Dank für den Link, den muss ich mir morgen in Ruhe durchlesen.
      Und nicht zu vergessen 😉 : Herr Holz und ich danken Dir recht herzlich!
      Schöne Zeit!
      Erich

      • Da sind wir schon zwei die ihn mögen, Erich 🙂
        Nimm Dir in Ruhe die Zeit zum Lesen. Ich wollte schon daraus einen eigenen Artikel machen, da ich die Kategorie Street Photography für überflüssig und überbewertet halte, insbesondere was die privaten Schnappschüsse betrifft. Nun Vivian Maier ist erst durch die zufällig gefundenen und sehr späten Veröffentlichungen bekannt geworden. Denn sie zeigt ein Zeitdokument. Trotzdem bezweifle ich das sich Große Fotografen wie Elliot Erwitt, Cartier-Bresson heute als Strassenfotografen beschreiben würden. Und dazu kommt die nicht eindeutige Rechtslage. Halt, ein schwieriges Thema.
        Genieße den Abend einen wettertechnisch besseren Start morgen,
        Stefan

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