Sonntags – aber auch an anderen Tagen…

Sonntag

Wie lieb‘ ich es, an Sonntagsnachmittagen
Allein zu sitzen im vertrauten Zimmer;
Durch’s Fenster bricht der Sonne heller Schimmer,
Das Buch vergoldend, das ich aufgeschlagen.

Die Straßen leer; es rollen keine Wagen;
Des Marktes Lärm verstummt, als wär’s auf immer,
Und all des Sonntagsstaates bunter Flimmer,
Er ward hinaus in Wald und Flur getragen.

Verlassen fühlt sich, wer zurückgeblieben,
Und manches schöne Auge blickt verdrossen,
Und manche Wünsche unerfüllt zerstieben.

Es ruht das Leben, wie in sich zerflossen;
Doch still erfüllt sich auch geheimes Lieben,
Und einsam wird des Geistes Glück genossen.

Ferdinand von Saar

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Ferdinand von Saar
1833 – 1906, Österreichischer Dichter und Erzähler mit ziemlich unebenen Lebensweg.
Mehr von seinen melancholischen Erzählungen und schwermütigen Gedichten sowie eine Biographie ist bei Zeno.org zu finden

 

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14 Kommentare zu “Sonntags – aber auch an anderen Tagen…

  1. Feinst, mag ich gern! Das Bild ist nach dem Gedicht sozusagen die Einladung,
    sich zu setzen, vielleicht bleibt es dann nicht beim einsamen Genuss des Geistes.
    Obwohl das ja schon viel Wert ist, den Geist genießen zu können! 🙂

    Beste Grüße,
    Silbia

  2. Pingback: Blogbummel Februar 2016 – 2. Teil – buchpost

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