Vorfrühling (2)

Märzstaub fliegt auf. Es fröstelt leicht.
Der Tag in langer Dämmrung bleicht.

Vom Wind das Pflaster blank gefegt.
Es klingt verloren, was sich regt.

Der Kinder Spiel ist eben aus.
Die Mütter winken sie ins Haus.

Es schreit in mir: Verratnes Herz!
Doch geh ich schweigend frühlingwärts.

Hedwig Lachmann

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Hedwig Lachmann, 1865 – 1918, war eine deutsche Lyrikerin und Übersetzerin (u.a. von Balzac, Poe und Wilde). 1903 heiratete sie den kommunistischen Anarchisten und Pazifisten Gustav Landauer. Im Februar 1918 starb sie nach entbehrungsreichen Jahren an einer Lungenentzündung. Die meisten ihrer eigenen Werke wurden erst nach ihrem Tod publiziert.

Gustav Landauer, 1870 – 1919, galt als einer der maßgeblichen Theoretiker des Anarchismus in Deutschland. Als bedingungsloser Pazifist opponierte er aufs heftigste  gegen die deutsche Kriegspolitik. Leider vergeblich. Nach Kriegsende lud ihn Kurt Eisner ein, sich an der Münchner Räterepublik zu beteiligen. Seine – kurz durchaus auch maßgebliche Beteiligung – daran, brachte ihn Anfang Mai 1919 ins Zuchthaus Stadelheim. Dort wurde er schwer mißhandelt und schließlich erschossen (ohne Gerichtsverhandlung).  Die Tatbeteiligten kamen mit marginalen Geldstrafen davon. Lediglich das Verhökern seiner Kleidung wurde mit einer kurzen Freiheitsstrafe geahndet.

____

Übrigens findet sich in meinem Duden-Konversationslexikon von 1962 weder einen Eintrag zu Hedwig Lachmann noch zu Gustav Landauer, von Erich Mühsam und vielen anderen der sogenannten „Revoluzzer“ ganz zu schweigen. Auch die Münchner Räterepublik wird nicht erwähnt. Aber das nur am Rande.

Advertisements

4 Kommentare zu “Vorfrühling (2)

  1. Eine mir bekannte Schauspielerin reist mit einem (selten gespielten aber) sehr hörenswerten Lachmann-Programm. Außerdem gibt es eine sehr lesenswerte Biografie über Hedwig Lachmann (nicht nur ein paar Seiten in einer Anthologie). Links gern auf Wunsch.
    Liebe Grüße
    Christiane

    • Vielen Dank ChristIANE, den Link für die Biografie kannst Du mir gerne schicken. Aber so tief werde ich vermutlich nicht einsteigen. Ich bin wie ein Falter: von einer Lyrik – Blüte zur anderen. Es gibt soviel schönes…

  2. deine Randnotiz wirft ein Licht auf die Zeit, 1962. Eiskalte Jahre. Es ist die Zeit, in der ich anfing zu studieren (1961 Abi). In Tübingen, wo ich begann, herrschten die Verbindungen. In Berlin (FU) war der AStA rechts besetzt, bis wir den Aufstand probten. Alles „Kommunistische“ oder gar Anarchistische war tabu, die „SBZ“ das abschreckende Modell. Die später Geborenen können sich wohl kaum eine Vorstellung von der erstickenden Atmosphäre dieser Kaltkriegs-Zeit machen, auf deren Boden die sog. „Studentenrevolte“ (68er) und auch die RAF („Rote Armee Fraktion“) wuchsen.

    • Vielen Dank für Deine Schilderung. Ich habe ja nur darüber gelesen. Aber es waren wohl noch viel Ex – Nazis in Amt und Würden. Den Mief der 50iger und die Adenauer-Zeit kann ich irgendwie gar nicht leiden. Auf dem Land in den 60igern aufgewachsen, war man eh noch voll in den 50igern (und noch schlimmer). Muss mal was darüber schreiben. Irgendwann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s