Manni, Frau Dr. Grill, Nabokov und so…

Schöne Grüße von Manni (dem Falter) soll ich ausrichten. Er ist momentan etwas unpäßlich. Er steckt in einem Schaukasten fest. Das mit dem feststecken könnt Ihr wörtlich nehmen, denn jemand hat ihm eine Nadel durch die Brust gejagt und ihn damit festgepinnt. Aber es war eh ist nur noch seine äußere Hülle. Seine Seele ist schon längst weitergewandert. Das hier ist sein neues Outfit:

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Er ist jetzt ein Spanner und muss meist nachts arbeiten. Nein, nicht was Ihr schon wieder denkt. Der Name kommt von der etwas merkwürdigen Fortbewegungsart im Raupenstadium. Die Spannerraupe hat nur vorne und hinten jeweils ein paar Beine. Dadurch muss sie sich dauernd krümmen und strecken (spannen eben) um vom Fleck zu kommen. Ihr kennt das ja vom Job.

Wer mehr über Manni und seine Artgenossen wissen will, sollte unbedingt das kleine Büchlein „Schmetterlinge“ von Andrea Grill (erschienen bei Matthes & Seitz) lesen. Die Autorin, promovierte Biologin und Schriftstellerin, weiß wovon sie schreibt. In ihrer Doktorarbeit ging es um die Evolution endemischer Schmetterlinge in Sardinien. Aber sie doziert hier nicht, sondern schildert in sehr persönlich gefärbten Texten die Faszination der Schmetterlinge. Auch wenn sie selbst nicht unbedingt auf Anhieb dieser Faszination erlegen ist.

Aber  nicht nur Schmetterlinge werden beschrieben, auch die Liebhaber und Erforscher der Falter werden gewürdigt. Von Aristoteles (Psyche war übrigens das altgriechische Wort für Schmetterling) über Maria Sybilla Merian (von der hier schon mal was zu lesen war) und Darwin, spannt sich der Bogen bis hin zu einem der größten Amateur-Schmetterlingsforscher  namens Vladimir Nabokov.

Kann ein Schmetterling denken und fühlen? Kann er Träumen, und wenn ja, was? Empfindet er Schmerzen? All diese Fragen, deren letztendliche Klärung wohl noch aussteht, werden kurz aber  erhellend behandelt.
Neben etlichen, im Buch verstreuten Zeichnungen, werden auch noch 21 ausgewählte Schmetterlingsarten ausführlicher mit Text und Zeichnung porträtiert.

Eine kleine Dreingabe:

Diese schnelle, aber wie ich finde wunderbare, Skizze stammt von Albert Bierstadt (1830 – 1902). Eigentlich ein romantisierender Landschaftsmaler im Amerika des 19. Jahrhunderts. Im Alter sehr vereinsamt und bankrott, schuf er mehrere dieser zauberhaften kleinen Werke.

Quelle: http://www.zeno.org/nid/20003890791 gemeinfrei

Quelle:  http://www.zeno.org/nid/20003890791   gemeinfrei

Und wer mehr über Nabokov, seine literarischen Werke und seine Liebe zu Schmetterlingen erfahren will, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen: Lila Azam Zanganeh, Der Zauberer – Nabokov und das Glück, Büchergilde Gutenberg 2015.

Und noch eine kleine Anmerkung: ich hab mir alle diese Bücher selbst gekauft, und bekomme auch nichts für deren Erwähnung.

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13 Kommentare zu “Manni, Frau Dr. Grill, Nabokov und so…

  1. Das war sehr interessant! Danke auch für die Buchempfehlungen – habe ich mir schon notiert …! Allein diese von dir genannten Beispielfragen aus dem Schmetterlingsbuch von Andrea Grill möchten einen schon die Antworten kennenlernen lassen.
    PS: Diese Zeichnung von Albert Bierstadt spricht sehr an!

    LG Michèle

    • Danke und gerne!
      Diese Fragen lassen sich natürlich nicht endgültig beantworten, aber die Herangehensweise der Frau Grill ist schon sehr interessant, vor allem da sie ja nicht nur auf die Schmetterlinge fokussiert ist.
      Beste Grüße,
      Erich

  2. Was für eine wunderbare flatterhafte Leseverführung -:))) , zu der ich noch eine Verlockung hinzufügen möchte, nämlich „Der Schmetterlingskoffer“ Hanna Zeckau und Hans Zischler haben im Berliner Naturkundemuseum eine Überseekiste entdeckt, die dem Forschungsreisenden Arnold Schultze gehörte und darüber ein wunderbares Buch verfaßt. Es ist im Galiani Verlag, Berlin erschienen.
    http://www.welt.de/welt_print/kultur/literatur/article10021125/Die-Flammen-der-Sierra-Nevada.html

    Jedes Buch der Serie Naturkunden aus dem Matthes&Seitz Verlag ist zu empfehlen, es sind schon jetzt kleine bibliophile Kostbarkeiten.
    Natürlich mußte ich den Zauberer nach Erscheinen auch gleich haben und auch ich kaufe mir alle Bücher, die ich irgendwann in Kommentaren oder auf dem Blog erwähne, selber.
    Bierstadt kannte ich noch nicht und werde jetzt nach ihm auf die Jagd gehen -:))).

    mit unverbesserlichen sammelleidenschaftlichen Grüssen

    Karin

    Falls der Bloginhaber noch nicht im Besitze des Bändchens „Eulen“ ist, würde ich es gern als Geschenk in den Süden flattern lassen , ich habe es doppelt.

    • Zuerst: leider habe ich die Eulen schon, die Naturkunden (auch die dicken großen) sind oft die einzigen Bücher die ich fast unbesehen mitnehme. Mein Buchhändler legt mir immer ein Exemplar zurück. Aber vielen herzlichen Dank für das Angebot, freut mich. Der Bierstadt, naja, seine Schmetterlingsbilder sind irgendwie Ausnahmen. Die großen Schinken sind auch irgendwie toll, so als Traum von einer unberührten Wildnis und so. Geschmacksache halt.
      Und zu guter letzt: Danke für Deinen Buchtipp, sehe ich mir gleich mal an & auch nochmal herzlichen Dank für Deine ausführlich Antwort und Dein Angebot.
      Beste Grüße,
      Erich

  3. Das las ich sehr gerne, Erich. Danke für die schönen bebilderten Erläuterungen.
    Schmetterlinge können einen wirklich entzücken.
    Hier dazu ein Kindervers aus eigener Feder:

    „Ein Schmetterling mit blauen Flügeln
    schwebt über bunt geblümten Hügeln
    mal hoch, mal tief, mal da, mal dort.
    Kommt man ihm nah, ist er gleich fort.“

    Brigitte Fuchs

  4. Was für ein schöner Zufall! Erst gestern habe ich dieses Buch vom Buchhändler meines Vertrauens erhalten. Nach diesem anregenden Text freue ich mich noch mehr auf die Lektüre. Auch das Nabokov-Buch reizt mich sehr. Versuche ich doch schon seit Tagen, Schmetterlinge zu fotografieren. Aber sie sind einfach zu flatterhaft. Dann bleiben mir wenigstens die Bücher.
    Liebe Grüße, Petra

    • Ja, freu dich drauf, es lohnt sich. Das Nabokov – Buch hat mir auch sehr gut gefallen. Ich kann es nur empfehlen.
      Schmetterlinge fotografieren? Bis auf ein paar Zitronenfalter und Kohlweißlinge in der angrenzenden Wiese habe ich heuer noch nicht viele gesehen. Zu kalt und wenig Sonne…
      Beste Grüße,
      Erich

    • Vladi hatte ja auch immer ein todschickes outfit an – beim Schmetterlingsjagen: „als hübscher Junge mit Knickerbockern und einer Matrosenmütze,: als schlaksiger heimatvertriebener Kosmopolit eine Flanellhose und Baskenmütze; als dicker hutloser alter Mann in Shorts“

  5. Pingback: Andrea Grill: Schmetterlinge – Elementares Lesen

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