Das Meer

Ich schwelle in meiner Flut über die Erde.
Es wirft meine wilde Welle Tang an den Strand,
Muscheln, violette Quallen und kleine Seepferde.

Aber der Ekel zischt, daß ich mich gezeigt.
Ich krieche in mich zurück,
Und der Nordwind schweigt.

Ebbe ist… Kinder gehen, sammeln, suchen
Und sehen Krabben, nasse Sterne,
Erstaunlichstes Getier.

Ich aber bin längst in der Ferne wieder bei mir.

Und was ich an den Strand warf, stirbt in der Luft
Oder in des Menschen Hand. –
Nur die Taschenkrebse graben sich
Mit ihren Scheren in den Sand.
Sechs Stunden warten sie bis zur nächsten Flut. –
Die Taschenkrebse kennen mich gut.

Klabund

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Das Bild zeigt natürlich keinen Taschenkrebs und auch keine Muschelschale, es zeigt nicht mal einen Strand. Es ist das Gehäuse einer Meeresschnecke, genauer einer Flügelschnecke. Die Rolle des Strandes musste feuchter Sand aus dem Garten übernehmen.

Leider wohne ich etwas meerfern, aber wie so viele Binnenbewohner zieht es mich immer wieder an die  Küsten. Nicht zum Baden. Ein einziges mal bin ich einem Meer geschwommen. Das muss reichen. Badeurlaub am Strand ist absolut nichts für mich. Spätestes am zweiten Tag kriege ich den Strandkoller. Felsenküsten, mit Gischt und und donnernden Brechern ist mein bevorzugtes Revier. Aber auch die überlaufenen Strände des Sommers haben im Winterhalbjahr durchaus ihren Reiz.

Leider wird die See mittlerweile von den meisten Menschen nur als Urlaubsziel, Rohstoffreservoir und Müllkippe wahrgenommen. Von den todbringenden Gefahren einer Überfahrt mit maroden, völlig überladenen Booten über das Mittelmeer ganz zu schweigen.

Vor kurzem wurde ich Zeuge eines denkwürdigen Dialoges beim Fischhändler meines Vertrauens:

Kunde:        Ich hätte gerne einen Fisch zu Grillen.
Verkäufer:  Doraden wären heute im Angebot.
Kunde:        Wo kommt der den her?
Verkäufer:  Aus dem Mittelmeer.
Kunde:        Mittelmeer?…Nein, den mag ich nicht, wer weiß was der schon alles gefressen hat.


Zum versöhnlichen Abschluss mein Lieblingslied von meinem Lieblingsinterpreten (ganz laut zu hören und mitzusingen, am besten bei einer Fahrt an eine stürmische Küste):

Oder wenn es etwas mehr sein darf:

Advertisements

22 Kommentare zu “Das Meer

  1. Vielleicht nicht mehr so oft zum Fischhändler gehen… – von wegen: Rohstofflieferant. Geht mich natürlich v.a. nix an, aber seit ich über die Meere lese, wird mir Angst und Bange. V.a. was die Überfischung angeht. Es ist überhaupt nicht vorzustellen. Aber eben – mehr in Klammern.

    • Gehört absolut nicht in Klammern.
      Die Ausbeutung der Meere in jeder Hinsicht ist eigentlich immer mein Hauptgedanke wenn ich an die Ozeane denke. Neben der grandiosen Umweltverschmutzung (Plastik ist ja nur ein Aspekt). Du hast recht, es kann einem wirklich Angst und Bange werden. Ich beschäftige mich schon seit einigen Jahren mit dieser Thematik, eben aus Liebe zum Meer. Und beim Fischhändler hole ich meist Zuchtsaiblinge, Forellen gibt es in der Nachbarschaft. Meeresfische stehen nur noch ganz selten auf dem Speiseplan.

      PS: Doraden kommen mittlerweile fast ausschließlich aus (natürlich umweltverschmutzenden) Zuchtbetrieben (Käfighaltung).

  2. Mir geht’s am Strand auch so. Nur endlos Sand und Stunden reglos in der Sonne braten, sonst nix – das macht mich nicht froh.
    „La Mer“ Ist auch eines meiner absoluten Lieblingslieder. Von jeher. Aber zuletzt hatte ich es ständig im Ohr, als ich in der Bretagne an der Küste unterwegs war … Das passte einfach perfekt. ^^
    (Bei mir im Blog gibt’s etwas dazu – in den Kategorien rechts mit aufgeführt. Meer und Küste dort sind einfach wunderbar!)

    LG Michèle

        • Nix zu sorrien 😉
          Und zum Alter antworte ich mit Hans Albers (duckundweg):

          Ich hab’ eine kleine Philosophie:
          Ich find’ alles herrlich und streite mich nie.
          Ich mach Komplimente so viel ich nur kann, und was ich mir denke, wen geht das was an?
          Besonders zu Frauen, da sag’ ich geschwind: Sie werd’n immer jünger, je älter Sie sind.
          Werd’n Sie erst mal fünfzig, so jung war’n Sie nie!
          Das ist meine kleine Philosophie.

          Zum reinhören: https://youtu.be/xNAhz76nBIM

          Schönes Wochenende!

  3. Lieber Erich … wie wunderbar, den Tag mit einem Lachen zu beginnen.
    Als ich dein eingestelltes Video sah, ging es mir zumindest so. Mir liefen fast die (Freuden)Tränen. Herrlich – ich kannte diesen Mr.Bean-Spot noch nicht.
    Und das Lied mag ich auch sehr. Auch die Sinfonie von Debussy.

    Herzlichen Dank.

  4. Muschelfinderin sagt schon das Wesentliche. Vielen Dank für die Escapaden des Herrn mit der Videokamera. Toll diese bewegliche Treppe hinunter zum Ziel aller Wünsche: dem Meer.
    Das Meer ist übrigens eine gewaltige Waschmaschine und ein großartiges Ausscheidungsorgan, so kommt es mit dem, was da hineingefüttert wird, immer noch einigermaßen klar.
    Zu Klabunds Gedicht („Aber der Ekel zischt, daß ich mich gezeigt.
    Ich krieche in mich zurück“) fiel mir der heutige Beitrag von Susanne Haun zur Obszönität der Null ein, den ich grad kommentiert habe.

    • Das Meer als Wassermasse kommt damit vielleicht einigermaßen klar, aber die Lebewesen die darauf angewiesen sind eher weniger. Aber was soll es, die Erde wird die Krankheit „Mensch“ auch irgendwann und irgendwie überstehen.
      Und Klabund kann man mögen, oder eben nicht. Aber als obszöne Null würde ich ihn nicht bezeichnen.
      Aber wahrscheinlich habe ich deinen Satz nur nicht kapiert.

  5. Wie köstlich und auch ganz ernsthaft ich mich da amüsieren konnte!
    Danke für die vielseitigen Meer-Anstösse!
    Und liebe Grüsse,
    Brigitte

  6. Ich habe in die Suchfunktion „Meer“ eingegeben und bin auf Deinem schönen Blog gelandet. Guck mich noch ein bisschen um …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s