Herr Ringel verabschiedet sich…

Abschiedsworte an Pellka

Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,

Du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
Mit der Gabel! – – Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.

Mußt nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?

Du bist ein so rührend junges Blut. –
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, daß du eine Edelknolle
Warst, und daß dich ein Kenner verschlingt.

Joachim Ringelnatz

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Na denn: Mahlzeit!

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14 Kommentare zu “Herr Ringel verabschiedet sich…

  1. Ihn hätte ich gern mal in original erlebt, aber wenn Harry Rowohlt ihn liest, ist es vlt.fast identisch. Guten Appetit gehabt zu haben, wünscht Karin vom Tröpfeldach

  2. Er hatte ein Herz für die einfachen Leute und Dinge, der Herr Ringe…
    Und traf den unverkennbaren Ton – wie im Schlafe – immer schon.
    Lieben Sonntagmorgengruss,
    Brigitte

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