Nicht natürlich? Natürlich nicht!

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich Filter verwende oder ob meine Photos bearbeitet sind. Die ehrliche Antwort, zu der ich auch stehe: Aber natürlich! Es gibt ja eigentlich keine unbearbeitetes Photos, weder bei mir noch bei anderen. Allein schon der Gedanke daran, von einem Gegenstand oder einem Ereignis ein Photo zu machen, ist eine Bearbeitung. Die Auswahl von Standort, Brennweite, Belichtungs-, Tageszeit und Wetter etc. sind weitere Parameter welche auf das endgültige Photo einwirken. Von der Kammertechnik und den Programmen, welche meist ohne unser Zutun oder sogar ohne unser Wissen arbeiten, mal ganz abgesehen. Das war auch bei der analogen Photographie nicht anders.

Das hat schon Truman Capote erkannt (andere natürlich auch):

…selbst der Kamera gelingt kein ganz getreues Abbild der Realität. Die Kunst ist eben kein destilliertes Wasser. Persönliche Eindrücke, Vorurteile, die Auswahl, die man unwillkürlich trifft und auch treffen muss, das alles verändert die genannte reine Wahrheit.

(Aus dem Vorwort zu „Truman Capote, Die Hunde bellen – Reportagen und Porträts“)

Ich bin kein Dokumentarist. Ich will die Wirklichkeit nicht getreu abbilden. Das Photo – wie es mir die Kamera liefert – ist nur Rohstoff. Erst die Bearbeitung nach meinem Gusto läßt mein Photo entstehen. Wobei ich von technischer Perfektion und dergleichen nicht viel halte. Die einzige Vorgabe: Gefallen muss es mir und nebenbei sollte es auch noch Spass machen.  Wenn es aber dann der Einen oder dem Andern auch gefällt, macht es natürlich doppelten Spaß. Ich würde ja lieber zeichnen oder malen, aber um dieses zu lernen, fehlt mir die Zeit und die Geduld, vom Talent mal ganz zu schweigen. Also bleibe ich bei der Knipserei.

Sempervivum / Hauswurz Photo © e.a.brokans

Sempervivum / Hauswutz äh -wurz    – –   Photo © e.a.brokans

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20 Kommentare zu “Nicht natürlich? Natürlich nicht!

  1. Mir gefallen Bearbeitungen dann nicht, wenn sie den Anspruch erheben, Natur abzubílden. Also zum Beispiel diese plastikblauen Himmel, neonfarbigen Sonnenuntergänge etc finde ich kitschig. Wenn ich ein Foto ansehe um zu erfahren, wie es irgendwo aussieht und dann bekomme ich eine farblich völlig verbogene Version, dann irritiert mich das.
    Diese blutrote Hauswurtz aber zum Beispiel gefällt mir als Kunstprodukt sehr gut. Das ist für mich der Punkt: eine Sache sind Abbildungen von Natur und eine andere sind Kunstwerke für die das Foto eben nur die Grundlage bildet.

  2. Mir gefallen deine Aufnahmen, Erich. Deine Art zu erfassen vor allem. Ich erwarte nicht immer beim Foto die Ansicht des Originals da draußen.
    Wenn es der Aussage dient, wenn einem nach etwas anderem ist, wenn es etwas verdeutlichen soll, dann sind Eingriffe manchmal nicht nur erlaubt, sondern wahrscheinlich auch nötig.
    Auch mir gefallen trotzdem keine extremen Kitschfarben (Himmelsfärbung) oder ohne Ausnahme nur immer wieder hochdramatische Wolkengebilde, bei denen man sofort weiß, dass sie so nie im Leben aussahen. Doch auch das ist alles Geschmackssacke, ich würde es nur für mich verweigern.
    Ich stelle sehr häufig beim Anblick eines eigenes Fotos fest, dass eine Aufnahme von den Farben oder vom Kontrast und der Helligkeit/Dunkelheit her nicht dem entspricht, was ich in Erinnerung habe. Was sich mir eingebrannt hat. Es ist in dieser Hinsicht dadurch auch kein Abbild dessen, was bei mir Emotionen auslöste und der Grund für das Foto war. Wenn ich diesen Anblick durch Trickserei wieder holen, wiederherstellen kann, dann kenne ich absolut kein Vertun. Dann nutze ich sämtliche Möglichkeiten inkl. Vergrößerung und Herumschneiderei. So ist das … ^^

    Liebe Grüße aus dem Norden!
    Michèle

    • Liebe Michèle,
      ich danke Die für Deinen ausführlichen Kommentar. Du hast natürlich wie immer recht, genau so wie im andern Kommentar Myriade recht hat. Diese geschönten Touristenprospektaufnahmen mag ich auch nicht, aber wenn Kitschfarben in der Natur da sind, verwende und überhöhe ich sie auch. Ich mag einen gewissen Kitsch und auch kräftige Farben. Früher hatte ich nur ein Schwarzweißlabor, aber die Bilder machten mich auf die Dauer depressiv. Schwarzweiß mag ich nur noch wenn es graphisch wirkt. Und ich sage es nochmal, ich dokumentiere nichts, ich mach ein Bild so wie es mir gefällt…und jetzt singt die Pippi ihr unsägliches Lied….aber das erspare ich uns jetzt.
      Herzliche Grüße in meine 2. liebste Stadt,
      Erich

  3. Alle meine Bilder sind bearbeitet. Alle. Mindestens beschnitten und gerade gerückt, meist auch bisschen mehr. Als ich anfing, digital zu fotografieren, dachte ich auch, man dürfe nichts verändern um nicht zu „verfälschen“. Aber ha! Es ist mein Bild, und ich singe jetzt (nicht) mit dir Pippi Langstrumpf, aber genau so ist es. Wenn ich „die Welt“ so zeigen möchte, dann tue ich das. Unscharfe, nichtssagende und grässlich belichtete Fotos gibt es im Netz genug, diese Tradition muss ich nicht fortsetzen. Was du bzw. wir machen ist durchaus eine der vielen Ausdrucksmöglichkeiten von Kunst, zu dieser Ansicht habe ich mich inzwischen durchgerungen.
    Liebe nächtliche Grüße
    Christiane

    • Du triffst mal mal wieder ins Schwarze. Die (eigene) Welt etwas verschönern ist auch meine Intension. Ob man das nun (in meinem Falle) als Kunst oder Kitsch oder was auch immer bezeichnen will, ist mir eigentlich egal. Auf jeden Fall ist es eine Möglichkeit sich auszudrücken, wie du richtig erwähnst.
      Frühmorgens zurückgegrüßt,
      Erich

  4. Oh jeh, ich werde ja noch kleiner, als ich eh schon bin 😐, denn alle meine Fotos sind unbearbeitet und sehen danach auch aus, sie halten nicht dem strengen Augen der künstlerisch tätigen Fotografen stand. Ich weiß gar nicht, wie ich sie bearbeiten sollte , für mich sind es Momentaufnahmen ohne Anspruch. Deswegen hole ich mir für meine Beiträge meist die Wunderwerke der Könner aus dem Netz , weil ich sie bewundere. Ich schmücke meine Beiträge mit fremden Federn und wünsche mir nur, dass sich der jeweilige Fotograf, so er oder sie sein Werk bei mir entdeckt, sich darüber freut.
    Mit kleinlauten Morgengrüssen Karin 😊

    • Jetzt halt aber mal die Luft an. Für diesen Kommentar kriegst du kein „Gefällt mir“ 😉 .
      Jeder so wie er es mag und wie es ihm gefällt. Die größten Photographen (Capa, Cartier-Bresson) machten Momentaufnahmen und konnten sie nur marginal bearbeiten.
      Das mit dem „kleinlaut“ nehme ich nur als Satire und kleine Spitze an.
      Sonnige Grüße (ja, sie scheint),
      Erich

      • nun schimpf doch nicht so mit mir, das „kleinlaut“ war doch mit einem Schmunzler geschrieben, nicht satirisch gemeint. Ich habe nur all die Kommentare gelesen, Deine und die der Blogfreunde, die wirklich gute Bilder machen, weil sie das fotografische Auge, ob bearbeitet oder nicht, besitzen. Meine Tochter hat es z.B. auch, während es mir – wie erwähnt – fehlt.
        Ich stelle doch trotzdem auch meine Schnappschüsse ganz mutig in meinen Blog….
        nun entkrause die Stirn bitte und genieße die Sonnenstrahlen, hier dräuen von Westen schon wieder die dicken Wolkenbänder.
        Karin -:)))

  5. Handwerk und Technik sind nicht zu verachten, aber darüber hinaus braucht es die eigene Sichtweise, Formgebung und Intuition für ein gutes Bild – und all das hast du, Erich.
    Wahrscheinlich wollen wir zuerst einmal uns selber mit den Bildern verzaubern können, bevor wir andere damit begeistern, das ist alles!
    In diesem Sinne freue ich mich auf die weiteren tollen „Schöpfungen“ von dir.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

    • Ich danke dir recht herzlich. Aber eigentlich wollt ich ja nicht nach Komplimenten fischen, sondern nur meinen Standpunkt darlegen. Aber trotzdem freue ich mich natürlich. Und du hast recht, in erster Linie mache ich das Ganze ja für mich.
      Beste Grüße,
      Erich

  6. Texte sind ja auch bearbeitet, und stehen (meist) nicht so da, wie sie einem aus Mund oder Hirn quellen. Ich kenne Analog-Fotograf/innen, bei denen saß das Bild, die mussten nicht retuschieren oder gar einen Ausschnitt wählen. Das ist ganz große Meisterschaft. Aber – eben.

    • Wenn man z.B. Dias photographiert, vielleicht auch noch mit Festbrennweiten, musste das Bild unbedingt schon vorher im Kopf fertig sein. Das ist dann wirklich wahres Können, da hast du recht! Ich konnte das nicht, darum habe ich auch fast ein Vierteljahrhundert keine Photos mehr gemacht. Für mich war die Digitalphotographie ein Segen.

  7. Ich mag Filter auch. Ich will nicht fotografieren was ich sehe, sondern was ich fühle oder denke. Dogmatische nofilter-Asketen finde ich manchmal einen Hauch anstrengend, aber meistens sind die rundherum nicht so entspannt 😉

    Ich mag Deine Fotos sehr und mir isses komplett egal, ob ein Bild bearbeitet ist oder nicht. Es muss mir einfach gefallen und fertig.

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