Restauration

nach Durchlesung eines Manuskripts mit Gedichten

Das süße Zeug ohne Saft und Kraft!
Es hat mir all mein Gedärm erschlafft.
Es roch, ich will des Henkers sein,
Wie lauter welke Rosen und Kamilleblümlein.
Mir ward ganz übel, mauserig, dumm,
Ich sah mich schnell nach was Tüchtigem um,
Lief in den Garten hinterm Haus,
Zog einen herzhaften Rettich aus,
Fraß ihn auch auf bis auf den Schwanz,
Da war ich wieder frisch und genesen ganz.

Eduard Mörike

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

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7 Kommentare zu “Restauration

  1. Das muss ja ein ungeniessbares Lyrik-Manuskript gewesen sein, wahrscheinlich sentimentaler, süsslicher Kitsch!
    Gut, dass Meister Mörike ein Gegenmittel zur Hand hatte. 😉
    Vielleicht hätte auch das Lesen einer Moritat geholfen…

    Dein Rettichbild sieht übrigens lecker aus!
    Schöne Grüsse,
    Brigitte

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