Herr, es wurde mal wieder Zeit für Rilke!

Eingang

Wer du auch seist: am Abend tritt hinaus
aus deiner Stube, drin du alles weißt;
als letztes vor der Ferne liegt dein Haus:
wer du auch seist.
Mit deinen Augen, welche müde kaum
von der verbrauchten Schwelle sich befrein,
hebst du ganz langsam einen schwarzen Baum
und stellst ihn vor den Himmel: schlank, allein.
Und hast die Welt gemacht. Und sie ist groß
und wie ein Wort, das noch im Schweigen reift.
Und wie dein Wille ihren Sinn begreift,
lassen sie deine Augen zärtlich los…

Rainer Maria Rilke
1875 – 1926

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Photo © e.a.brokans

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11 Kommentare zu “Herr, es wurde mal wieder Zeit für Rilke!

  1. Es passt wieder alles so wunderbar zusammen, Erich. Das, was Herr Rilke sich erdachte (ist übrigens zum Hinknien, fesselt enorm, hab es daher mehrfach lesen müssen!) und das, was du ergänztest. Sowohl Titel als auch speziell das Foto (Motiv, Abendstimmung). Eine sehr feine und gelungene weitere Aufwertung des ohnehin starken Rilke-Werkes.
    Dafür (Auswahl und eigene Ergänzung) hast du ja stets ein überaus gutes Händchen. Gratulation!

    LG Michèle

  2. Dieses Rilke-Gedicht war mir noch nicht bekannt. Nur der rilke’sche Ton ist unverkennbar.
    Und immer wieder anrührend.
    Mir hat es vor allem der letzte Satz angetan.
    Danke für den Text und das leuchtende Bild,
    Brigitte

  3. Er war ein Wortmagier für mich, seine Sprache singt in hohen Tönen (die Meinungen sind ja oft geteilt und zwischen Dichter und Mensch klaffte eine große Lücke ;kennst Du das Buch von Klaus Modick „Konzert ohne Dichter“, dort geht der ziemlich ironisch schonungslos mit ihm um).Trotzdem finde auch ich immer wieder etwas für meinen Blog.
    Du hast eine wunderschöne Komposition zu Wort mit Bild geschaffen: beides verzaubert.
    Einen herzlichen Morgengruß vom Dach in Hanau Karin

    • Das Modick – Buch kenne ich, auch Illies geht in seinem „1913“ nicht gerade ziemlich mit Rilke um. Sein Leben und seine Lieben bieten aber auch viel Stoff. Er war ein lyrisches Genie, dass ist wohl unzweifelhaft. Man findet seine Werke deswegen hat auch an allen Ecken und Enden und (leider) zu jeder passenden (oder unpassenden) Gelegenheit.
      Nebelgrüße,
      Erich

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