Herbstwonne

Leuchtende Oktobertage,
Deren Hauch den Wald durchzieht,
Holder tönt mir eure Klage
Als des Frühlings frohstes Lied!

Lose an den Wipfeln hangend,
Trennen in dem milden West,
Gelb und rot und golden prangend,
Sich die Blätter vom Geäst.

Alle, alle endlich müssen
Fallen; die der Wind nicht brach,
Vor der Sonne warmen Küssen
Sinken sie den andern nach.

Und die wilden Rosen senken,
Während sie mit heißem Duft
Einmal noch die Lüfte tränken,
Blatt auf Blatt sich in die Gruft.

Seit der Osten rot erglühte,
Bis zur Zeit des Abendwehns
Schwelg‘ ich hier mit Laub und Blüte
In der Wonne des Vergehens.

Adolf Friedrich von Schack
1815 – 1894

Photo © e.a.brokans

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7 Kommentare zu “Herbstwonne

  1. Ja, das Leuchten ist grossartig.
    Auch wenn für mich das Vergehen keine Wonne ist – und die Bäume können wir ja nicht fragen…
    Lieben Gruss in den Abend,
    Brigitte

    • Danke.
      Für die Bäume ist das Vergehen überlebenswichtig. Sie würden sonst den Winter nicht überstehen. Und im Frühjahr freuen wir uns über die zartgrünen Triebe.
      Angenehmen Abend und schöne Träume (später dann)…
      Erich

  2. Pingback: Blogbummel Oktober 2016 – Teil 2 – buchpost

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