Noch steht es frisch…

Was heut noch grün und frisch da steht,
Wird morgen schon hinweggemäht,
Die edlen Narzissen,
Die Zierden der Wiesen,
Die schön Hiazinthen,
Die türkischen Binden.
Hüte dich schöns Blümelein!

Viel hunderttausend ungezählt,
Was nur unter die Sichel fällt,
Ihr Rosen, ihr Lilien!
Euch wird man austilgen,
Auch die Kaiserkronen
Wird man nicht verschonen,
Hüte dich schöns Blümelein! –

Das himmelfarbne Ehrenpreis,
Die Tulipane gelb und weiß,
Die silbernen Glocken,
Die goldnen Flocken,
Sinkt alles zur Erden,
Was wird daraus werden?
Hüte dich schöns Blümelein!

Ihr hübsch Lavendel, Rosmarin,
Ihr vielfarbige Röselin,
Ihr stolze Schwerdlilgen,
Ihr krause Basilgen,
Ihr zarte Violen,
Euch wird man bald holen. –
Hüte dich schöns Blümelein! –

Clemens Brentano

Foto © e.a.brokans

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4 Kommentare zu “Noch steht es frisch…

  1. Deine Blümelein stehen so hübsch in der Vase, als ob sie es sich zu Herzen genommen hätten.
    Ja, der Schnitter wird alle hinwegmähen, nicht nur die Blumen, nicht nur sie!
    Da wird auch das „Sich hüten“ nicht viel ändern…
    Herzlichen Gruss in die frische, grüne Woche,
    Brigitte

  2. Unsere Vergänglichkeit blumig zu Versen geschmiedet; zu Lebzeiten der Romantiker war die Lebenserwartung ja noch viel kürzer.
    Einen lieben Morgengruß vom endlich beregnetem Dach, Karin

    • Am Ende steht die Vergänglichkeit des einzelnen, darüber kann man sich immer Gedanken machen, auch wenn es oft gerne verdrängt wird.
      Regen war auch im Garten dringends nötig.
      LG Erich

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