Schaffnerlos

Wortlos

Foto © E.A:Brokans

Auf der Straßenbahn

Wie der Wagen durch die Kurve biegt,
Wie die blanke Schienenstrecke vor ihm liegt:
Walzt er stärker, schneller.

Die Motore unterm Boden rattern,
Von den Leitungsdrähten knattern
Funken.

Scharf vorüber an Laternen, Frauenmoden,
Bild an Bild, Ladenschild, Pferdetritt, Menschenschritt –
Schütternd walzt und wiegt der Wagenboden,
Meine Sinne walzen, wiegen mit!:
Voller Strom! Voller Strom!

Der ganze Wagen, mit den Menschen drinnen,
Saust und summt und singt mit meinen Sinnen.
Das Wagensingen sausebraust, es schwillt!
Plötzlich schrillt
Die Klingel! –Der Stromgesang ist aus –
Ich steige aus –
Weiter walzt der Wagen.

Gerrit Engelke

 

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16 Kommentare zu “Schaffnerlos

    • Gut erkannt
      Das Video ist 1977/1978 in einer Museumstram entstanden und das Bild wurde 2017 ist in einer regulären Bim (vermutlich Typ E) der WL aufgenommen.
      Aber es geht um das „Kastl aus Metoi“ und um die einsame Angst des Bim-fahrers vor der Endstation.

      • Ja, die zu bauende U5 soll ja auch gänzlich fahrerlos werden. Es ist wahrhaftig etwas beängstigend, wie Menschen in vielen Bereichen – wie du sagst – obsolet werden …

  1. Toll, dieses Dreigestirn aus Bild, Wort und Musik.
    Schaffnerlos ist das Schaffnerlos, oh ja, und fahrerlos wird vielleicht auch bald das Fahrerlos der Autofahrerinnen…
    Mit liebem Gruss,
    Brigitte

  2. Es ist bizarr, wie wir uns selber überflüssig machen. Ohne Widerstand unsrerseits. Unglaublich…….., danke für ein für sich selber sprechendes, so sehr gelungenes GesamtBild zu einer allgemeinen Entwicklung.
    Mich hat als Kind der Schaffner in der Strassenbahn hinter seinem Kassensitz im zweiten Wagen und/oder mit der klingelnden Kasse bei Wechselgeldauswurf, die vor seinem Bauch hing, fasciniert.
    LG Ruth

  3. Das Gedicht von Gerrit Engelke ist ja der Hammer. Ich fahre nur noch sehr selten Straßenbahn. In West-Berlin hatten wir ja vor der Wiedervereinigung keine mehr. Beim Lesen hatte ich plötzlich das Geräusch der alten Straßenbahnen wieder in den Ohren und erinnerte mich deutlich an das Gefühl. Mit dem Musikvideo ein sehr schön komponierter Eintrag, und die dahinter stehende Gesellschaftskritik teile ich absolut.
    Allen Berliner, die es nicht kennen, und allen Berlin-Besuchern empfehle ich übrigens eine Fahrt mit der Woltersdorfer Straßenbahn vom S-Bahnhof Rahnsdorf zur Woltersdorfer Schleuse. Ein wirkliches Straßenbahn-Vergnügen.

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