Septemberregen

Tote Blumen

In des Hofes Sterbewinkel,
schräg vom Dachfirst überhangen,
liegt auf Scherben Schutt und Kehricht
– tief das Haupt in Staub gepreßt –
eine tote Sonnenblume.

Aus dem Dachrohr unermüdlich
rieselt der Septemberregen,
rinnt und rinnt, und kann doch nimmer
die Verwelkte neu beleben,
kann aus ihrem Strahlenkelch
nicht den Staub der Erde waschen.

Clara Müller-Jahnke

Foto © eab

Ein trauriges Gedicht. Eigentlich mag ich den Herbst sehr gerne, die Farben, das heimelige und so…,

Aber ob ich diesen „teutschen“ Herbst mag?

Hier in Bayern beginnt der Wahlk(r)ampf, die Aufmärsche im Osten und vielleicht auch bald andernorts, der Tonfall allüberall …

Mir graut.

Ich bin versucht, mich in mein Schneckenhaus zurückzuziehen, um nichts mehr zu hören und zu sehen. Nur noch lesen, kochen, den Garten versorgen, den Vögeln zugucken. Aber dann besteht die Gefahr, dass dieses (vermeintliche) Idyll von genagelten Stiefeln zertreten wird. Das würde mir auch nicht gefallen.

Also: Hintern hoch und raus.

Jeder tue, was er kann!

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21 Kommentare zu “Septemberregen

    • Liebe Gerda, haben die klügeren Leute funktionierende Konzepte? Scheinbar nicht. Also ist auch von mir keines zu erwarten. Außerdem bin ich Einzelgänger, ich mag keine Menschenmengen. Egal wofür sie stehen. Also muss ich meinen – ich will bewußt nicht sagen „Kampf“ mit meinen kleinen, äußerst beschränken Mitteln im Stillen führen. Eine innere Emigration wird es aber nicht geben. Noch nicht.
      Gruß in den Süden!

  1. Ein passendes Gedicht mit der entsprechenden Aufnahme und leidenschaftlicher Kommentierung. Die Dichterin könnte ich versuchen, per Suchprogramm heraus zu finden; lieber wäre mir, Du schreibst vielleicht noch einen Satz zu ihr.
    Nach dem heißen Sommer ist die Aussicht auf einen frischen Herbst willkommen. Dabei ich habe ich die Lieder im Sinn „Bunt sind schon die Wälder“ („… kühler weht der Wind …“) und „Das Laub fällt von den Bäumen“. „Autumn Leaves“. Erstmal fruchtbringende Wünsche für die Spätsommertage und schöne Grüße

  2. Bild und Gedicht sind wunderbar stimmig.
    Und was die Wahlschlacht betrifft: Ich bin raus – oder zumindest nur am Rande betroffen – zum Glück.
    Lieben Gruss aus dem Nachbarland,
    Brigitte

  3. Schön, wenn Du schreibst, man solle sich nicht nur auf die Politiker/innen verlassen. Sie könnten Vorbilder sein für politisches Handeln – ich meine „theoretisch“, und hier und da gibt es ja immer noch Menschen, die ich zumindest bewundern kann. Aber Politik machen, dazu sind mehr nötig, als ein Parlament fassen kann. Was sind wir bloß für ein Volk von Weicheiern geworden.

    • Politiker sind Menschen, manche vergessen das. Und jeder Mensch kann und soll Politik machen, jeder nach seiner Möglichkeit. Noch darf man das. Dazu sollte er seinen eigenen Verstand benutzen (sofern vorhanden) und nicht hinter irgendwelchen Trotteln und Demagogen hinterhertrotten. Leider ist der Mensch ein Herdentier und sehnt sich immer nach einem Leittier, welches ihm das Denken abnimmt.
      Oh mei…

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