Inmitten der großen Stadt

Sieh, nun ist Nacht!
Der Großstadt lautes Reich
durchwandert ungehört
der dunkle Fluss.
Sein stilles Antlitz
weiß um tausend Sterne.

Und deine Seele , Menschenkind?…

Ward sie nicht Spiel und Spiegel
irrer Funken,
die gestern wurden,
morgen zu vergehn, –
verlorst
in deiner kleinen Lust und Pein
du nicht das Firmament,
darin du wohnst, –
hast du dich selber nicht
vergessen,
Mensch,
und weiß dein Antlitz noch
um Ewigkeit?

Christian Morgenstern

Foto von mir

10 Kommentare zu “Inmitten der großen Stadt

  1. „Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
    Die hat einen Andern erwählt;
    Der Andre liebt eine Andre,
    Und hat sich mit dieser vermählt.

    Das Mädchen heiratet aus Ärger
    Den ersten besten Mann,
    Der ihr in den Weg gelaufen;
    Der Jüngling ist übel dran.

    Es ist eine alte Geschichte,
    Doch bleibt sie immer neu;
    Und wem sie just passieret,
    Dem bricht das Herz entzwei.“

    Heinrich Heine

  2. Wunderschön in Wort und Bild. Ich staune immer wieder, dass die humorvollen Dichter wie Morgenstern oder Ringelnatz auch sehr ernst, anrührend und tiefgründig schreiben konnten.
    Lieben Gruss,
    Brigitte

  3. Morgenstern…….; immer wieder super! Danke! Und das Bild paßt wie die Faust aufs Auge. Auch wenn es gerade Morgen ist und ein fulminanter, frostiger Sonnenaufgang den „Brittsommar“, warme Tage um den 7.Oktober herum, dem Tag der heiligen Birgitta, einleitet, ist es schön diese Worte mit Untermalung – dein Bild – zur „Erbauung“ – meine Seele – zu lesen. Auch Dir wünsche ich alle mögliche Freude über Dein Sein. LG Ruth

  4. Mußte gleich mal wieder in mein Gesammeltes Werk von ihm reinschauen, nachdem ich Dein schönes Fundstück mit dem so passenden Bild dazu gelesen hatte. Die vielen neuen Autoren und wir werden doch gar nicht fertig mit den wunderbaren alten….seufz.
    Sonniger Gruß an Dich, Karin

    • „Mut zur Lücke“ ist meine Devise, bei den neuen Autoren bin ich eh sehr zurückhaltend.
      Gut, dass es so viele Literaturblocks gibt. Deren Rezis halten mich meist vom Kauf neuerer Literatur ab (allerdings meist ungewollt 😉 ).
      LG Erich

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