Eine Wanze (DSGVO-Konform)!

Keine Angst, hier wird nicht abgehört. Höchstens abgesaugt, aber keine Daten, sondern meist Pflanzensaft aus Blättern und Früchten. Naja, gelegentlich wird auch ein anderes Insekt angezapft. Die Gartenwanze überträgt keine Krankheiten und verursacht keine Schäden, nicht mal stechen tut sie. Sie mag es nur nicht, wenn man ihr zu nahe kommt. Das stinkt ihr gewaltig und das kann man dann durchaus riechen.

Foto © E.A.Brokans

Advertisements

Anmut, Eleganz und lange Krallen…

…und dazu ein melodischer, abwechslungreicher Gesang:

Die Amsel

Es gibt Leute, die an der Amsel im Gartengebüsche achtlos vorübergehen. Dann gibt es Leute, die sich an der Amsel und ihrem ewigen Regenwurmmord erfreuen. Dann gibt es Leute, die ganz ohne weitere böse Absicht das Leben und Treiben der Amsel ernst-sachlich genau beobachten, sie lernen zu, vergrößern den Kreis ihrer Erfahrungen. Dann gibt es Leute, die die Amsel beobachten, um darüber zu schreiben, meistens ein kleines Gedicht. Dann gibt es Leute, die sich an dem Gehaben der Amsel erfreuen, sie interessiert beobachten, ja fast gerührt, und dennoch nicht darüber schreiben. Aber diese Leute sind heutzutage selten, gleich ich gehöre, wie Sie sehen, nicht dazu.

Peter Altenberg (aus: Mein Lebensabend, Berlin 1919)

Foto © E.A.Brokans

Auch in den Gedichten von Georg Trakl wird die Amsel häufig erwähnt. Aber ob sie nun in entlaubten Ästen klagt, kläglich flötet oder nur sanft klagt. Bei ihm ist alles ziemlich traklich und – na ja eben – kläglich. Vielleicht ließ er sich vom rabenschwarzen Gefieder der Schwarzdrossel täuschen. Trotzdem sind seine Werke Meisterleistungen.
Ich mag es an lauen Abenden sehr gerne, draußen zu sitzen und der Amsel auf dem Dach zuzuhören. Nur frühmorgens, bei geöffneten Fenstern, wünsche ich mir manchmal eine etwas gedämpftere Darbietung der gesanglichen Meisterleistung.
Ansonsten sind es lustige und zutrauliche Gesellen, außer wenn sie in einer konzertierten Aktion eine Katze attackieren, um ihre Nester oder die Jungvögel zu verteidigen. Regenwurm möchte ich natürlich auch keiner sein, wenn eine hungrige Amsel in der Nähe ist.

Und Kurt Tucholsky, der alte Schwerenöter:

Es geht nicht, wenn die linde Luft weht und
die Amsel singt –
wir brauchen alle einen roten Mund,
der uns beschwingt.

(Sehnsucht nach der Sehnsucht;  Weltbühne, 08.05.1919, 4. Strophe)

Poesie der Arbeit

Die Arbeit ist etwa auch poetisch,
Wir wollen da nicht streiten lang;
Doch ist die Wahrheit antithetisch,
Denn poetischer noch ist der Müßiggang.

Franz Grillparzer

Foto © E.A.Brokans

Genug des Müßiggangs. Sieht man mal von dem Pausenzeichen Ende April ab, ist seit dem letzten Blogeintrag ein gutes Vierteljahr vergangen. Ein längerer Klinikaufenthalt und eine langwierige, noch nicht abgeschlossene Rekonvaleszenz beanspruchten meine Aufmerksamkeit. Man hat zwar viel Zeit zum Grübeln, aber die Gedanken schlagen oft eine andere Richtung ein. Wenn sie sich nicht im Kreise drehen. Aber mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Mittlerweile habe ich den/das (sucht es Euch aus) Blog DSGVO tauglich gemacht – hoffe ich zumindest. Eine große Hilfe war mir dabei der Datenschutz-Generator von RA Dr. Thomas Schwenke. Es wird hier vorläufig keine direkt anklickbaren Links mehr geben. Die Widgets wurden entfernt und das EU-Cookie-Gesetz Banner hinzugefügt. Ansonsten mache ich mir darüber keine weiteren Gedanken, es wird sich sicherlich noch einiges ändern.

So, das war es für Erste. Bis demnächst.

Und herzlichen Dank für Eure Unterstützung und das gute Zureden, hier und auch auf Twitter.

Ach ja, gerade läuft ja dieser europäische Trällerwettbewerb. Ich habe hier auch einen Star im Ring – mit Publikum, welches aber der Sache scheinbar etwas reserviert gegenübersteht, oder besser gesagt -hängt.

Foto © E.A.Brokans

Pausenzeichen

Ja doch, es gibt mich noch.

„Aber meine Lust zu bloggen hab‘ ich gehängt an die Wand
Hab‘ sie nicht umschlungen mit einem grünen Band –
Ich kann nicht mehr schreiben, mein Hirn ist zu leer.“

Es hat sich einiges verändert. Mal schaun ob’s hier noch mal etwas wird. Die Kurzform des Tweets liegt meiner momentanen Maulfaulheit irgendwie mehr. Und dann auch noch diese DSGVO.
Oh mei. Oh mei.

Bis irgendwann, vielleicht.

Hier natürlich nun das Original:

Pause

Meine Laute hab‘ ich gehängt an die Wand,
Hab‘ sie umschlungen mit einem grünen Band –
Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll,
Weiß nicht, wie ich’s in Reime zwingen soll.
Meiner Sehnsucht allerheißesten Schmerz
Durft‘ ich aushauchen in Liederscherz,
Und wie ich klagte so süß und fein,
Meint‘ ich doch, mein Leiden wär‘ nicht klein.
Ei, wie groß ist wohl meines Glückes Last,
Daß kein Klang auf Erden es in sich faßt?

Nun, liebe Laute, ruh‘ an dem Nagel hier!
Und weht ein Lüftchen über die Saiten dir,
Und streift eine Biene mit ihren Flügeln dich,
Da wird mir bange und es durchschauert mich.[13]
Warum ließ ich das Band auch hängen so lang‘?
Oft fliegt’s um die Saiten mit seufzendem Klang.
Ist es der Nachklang meiner Liebespein?
Soll es das Vorspiel neuer Lieder sein?

Wilhelm Müller

Und das Foto passt auch nicht zum Gedicht.
Na egal.

Bildschirmfoto 2018-04-29 um 08.28.24

Foto © e.a.brokans

Europens Bücher

Korf ist fassungslos und er entflieht,
wenn er nur Europens Bücher sieht.

Er versteht es nicht, wie man
zentnerschwere Bände leiden kann.

Und ihm graut, wie man dadurch den Geist
gleichsam in ein Grab von Stoff verweist.

Doch der Europäer ruht erst dann,
wenn er ihn in Bretter „binden“ kann.

Christian Morgenstern

Schaffnerlos

Wortlos

Foto © E.A:Brokans

Auf der Straßenbahn

Wie der Wagen durch die Kurve biegt,
Wie die blanke Schienenstrecke vor ihm liegt:
Walzt er stärker, schneller.

Die Motore unterm Boden rattern,
Von den Leitungsdrähten knattern
Funken.

Scharf vorüber an Laternen, Frauenmoden,
Bild an Bild, Ladenschild, Pferdetritt, Menschenschritt –
Schütternd walzt und wiegt der Wagenboden,
Meine Sinne walzen, wiegen mit!:
Voller Strom! Voller Strom!

Der ganze Wagen, mit den Menschen drinnen,
Saust und summt und singt mit meinen Sinnen.
Das Wagensingen sausebraust, es schwillt!
Plötzlich schrillt
Die Klingel! –Der Stromgesang ist aus –
Ich steige aus –
Weiter walzt der Wagen.

Gerrit Engelke