Die Republik der Spinnen

Dem Spinnenvolke fiel es ein,
In Zukunft sicherer zu seyn,
Und nicht Jedwedem zu vergönnen,
In ihrem Schloß herum zu rennen,
Sie wohnten eben dazumal
In einem großen wüsten Saal,
Durch dessen offne Fensterbogen
Stets Mücke, Schwalb‘ und Sperling flogen.
Wir wollen (murreten die Spinnen)
Den Vortheil euch wohl abgewinnen;
Und zogen in die Läng‘ und Quer‘
Viel Fäden vor den Fenstern her.
Doch Schwalb‘ und Sperling kamen bald
Und fuhren dreist und mit Gewalt
Durch diese leichten Spinnenweben,
Und nur die Mücken blieben kleben.

Ganz so, wie diese Spinnennetze,
Sind oft im Staate die Gesetze.
Kein Mächt’ger wird darin gefangen,
Nur blos der Schwache bleibt d’rin hangen.

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä (1726 – 1777)
Quelle: Anthologie aus den Gedichten von J. F. Wilh. Zachariä, Hildburghausen/ New York 1850–55, S. 80-81.
Gefunden: http://www.zeno.org/nid/20005927013 /Gemeinfrei

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Photographie © E.A.Brokans

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Schattenwurfblume

Ein Tipp vom Laien (das Wort sieht irgendwie doof aus) für Laiinnen und Laien  (vulgo KnipserInnen):

Mißlingt irgendwann mal ein Lichtbild (also eigentlich fast immer), nicht verzagen!
Der virtuelle Papierkorb ist ja auch keine Lösung. Lieber irgendein Billigfotobearbeitungsprogramm verwenden, die Regler auf Anschlag drehen, einen abgefahrenen Titel dazu und fertig ist das Kunstwerk!

ODER!!!

Galerien und Verlage dürfen sich gerne melden!

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Fotoquatsch by EAB

Sommertraumtrosteinsamkeit

Sommertag

Hellster, grellster Sommertag,
Sonnenglutdurchschwelte Luft,
Schwüler, schwerer Blumenduft,
Müd verhaltener Finkenschlag.

Satte Reife weit und breit,
Leis schon übergilbt der Wald;
Bunt in Herbst verraschelt bald
Sommertraumstrosteinsamkeit.

Otto Julius Bierbaum
aus Irrgarten der Liebe. Berlin/Leipzig 1901, S. 137-138.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004553357 / Gemeinfrei

 

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Lichtbild von E.A.Brokans

Was hinter der A – Säule geschieht:

Die Mutter spricht in ihr Smarty. Sie hält es wie ein Butterbrot.

Das Kind greint.

Die Mutter rüttelt am Buggy.

Das Kind weint.

Die Mutter gibt dem Haltebügel des Buggies ein paar kräftige Stöße.

Das Kind schreit.

Die Mutter hört auf zu telefonieren und tippt jetzt in ihr Smarty.

Das Kind brüllt.

Die Mutter wischt endlich den Stalaktiten von des Kindes Nase.

Das Kind ist ruhig.

Die Mutter wirft das Papiertaschentuch in die Landschaft.

Ich bin entspannt und unaufgeregt und lese weiter in Fischers – Diskaus „Goethe als Intendant“ (Baumarktausgabe).

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Bild und Text © E.A.Brokans