Jahreswechselmelancholie

Also wieder ein Jahreswechsel. Wahrscheinlich werden ich/wir ihn verschlafen, wie schon viele zuvor. Keine Vorsätze, kein „Auf zu neuen Ufern“. Kein Kater am nächsten Morgen.

Sind dann die Überreste der nachbarlichen Raketentestversuche gesammelt, die verschreckten Vögel zu ihren Futterstellen zurückgekehrt – was durchaus ein paar Tage dauern kann – und wenn sich dann auch noch der Feinstaub mitsamt seinem Hype verzogen hat – was hoffentlich schneller geht -, dann ist eh wieder alles beim Alten.

Aber den Brauch der Neujahrsglückwünsche möchte ich gerne nutzen, um Euch für Euer Interesse an meinem Geschreibsel und Geknipse zu danken.

Und weil man nie genug davon haben kann, wünsche ich Euch (und mir natürlich) Zufriedenheit, viel (oder zumindest soviel wie wir benötigen und/oder vertragen können) Glück und vor allem viel Gesundheit im neuen Jahr.

Wir lesen und gucken uns!

Erich

Bildschirmfoto 2017-12-30 um 08.54.07

Foto © E.A.Brokans

 

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Ahoi!

Das Leben – nicht immer ein „langer ruhiger Fluss“.
Unvermutet drohen Untiefen, Hindernisse und böse Winde.
Weiß der Kapt’n nicht mehr weiter, hilft mitunter ein Lotse.
Man sollte ihn nur rechtzeitig zu Rate ziehen.

Foto © e.a.brokans

Weidentrauer

Die hohle Weide

Der Morgentau verstreut im Thale
Sein blitzendes Geschmeide;
Da richtet sich im ersten Strahle
Empor am Bach die Weide.

Im Nachttau ließ sie niederhangen
Ihr grünendes Gefieder
Und hebt mit Hoffnung und Verlangen
Es nun im Frührot wieder.

Die Weide hat seit alten Tagen
So manchem Sturm getrutzet,
Ist immer wieder ausgeschlagen,
So oft man sie gestutzet.

Es hat sich in getrennte Glieder
Ihr hohler Stamm zerklüftet,
Und jedes Stämmchen hat sich wieder
Mit eigner Bork‘ umrüftet.

Sie weichen auseinander immer,
Und wer sie sieht, der schwöret,
Es haben diese Stämme nimmer
Zu einem Stamm gehöret.

Doch wie die Lüfte drüber rauschen,
So neigen mit Geflüster
Die Zweig‘ einander zu, und tauschen
Noch Grüße wie Geschwister;

Und wölben überm hohlen Kerne
Wohl gegen Sturmes Wüten
Ein Obdach, unter welchem gerne
Des Liedes Tauben brüten.

Soll ich, o Weide, dich beklagen,
Daß du den Kern vermissest,
Da jeden Frühling auszuschlagen
Du dennoch nie vergissest?

Du gleichest meinem Vaterlande,
Dem tief in sich gespaltnen,
Von einem tiefern Lebensbande
Zusammen doch gehaltnen.

Friedrich Rückert

Juni 2017 – Foto © e.a.brokans


Auch bei dieser Weide ist „Ihr hohler Stamm zerklüftet“ und das wurde ihr zum Verhängnis. Irgendwelche Volltrottel, noch hohler in der Birne als der Stamm, legten im Innern ein Feuer, durch die Kaminwirkung brannte es sofort lichterloh. Die schnell anrückende Feuerwehr löschte, aber es half nicht mehr. Kein einziger Ast blieb übrig. Das war wohl der Todesstoß für diesen Weidenbaum.

Dezember 2015 – Foto © e.a.brokans


Mehr als 400 Jahre steht die Weide am Rande des Teiches. Esoteriker nennen es einen „Magischen Ort“. In nebligen Nächten kann sogar ich es nachvollziehen, manchmal schaudert es mich.

Zwei Straßen führten nah vorbei. Zigtausendmal bin ich vorübergefahren. Jedesmal ging der Blick hinüber, manchmal verweilte ich. Teich und Weide sind ein beliebter Treffpunkt, eine Bank und ein kleiner Steg laden zum innehalten ein. Im kleinen Teich ziehen Enten und Blesshühner ihren Nachwuchs groß, man kann ihnen dabei zusehen.

Foto © e.a.brokans


Der traurige Rest der Weide bleibt stehen, vielleicht hat sie noch eine Chance.

Päuschen

Nach einem ausgedehnten Stadtbummel genießen Emma Ente und ihr Lebensgefährte Ernst Erpel die Annehmlichkeiten einer modernen Stadt. Beide legen gesteigerten Wert auf eine saubere und komfortable Badegelegenheit. Da kann ihr vergrützter Teich nicht mithalten.
Nur Notbert, der notgeile Möchtegernnebenbuhler, stört wie immer das Idyll. Man muß ihn im Auge behalten. Zu gern würde er Emma umflattern. 

Foto © e.a.brokans

An die Waldvögel

Konnt mich auch sonst mitschwingen
Übers grüne Revier,
Hatt ein Herze zum Singen
Und Flügel wie ihr.

Flog über die Felder,
Da blüht‘ es wie Schnee,
Und herauf durch die Wälder
Spiegelt‘ die See.

Ein Schiff sah ich gehen
Fort über das Meer,
Meinen Liebsten drin stehen –
Dacht meiner nicht mehr.

Und die Segel verzogen,
Und es dämmert‘ das Feld,
Und ich hab mich verflogen
In der weiten, weiten Welt.

Joseph von Eichendorff

Foto © e.a.brokans

Foto © e.a.brokans