An die Waldvögel

Konnt mich auch sonst mitschwingen
Übers grüne Revier,
Hatt ein Herze zum Singen
Und Flügel wie ihr.

Flog über die Felder,
Da blüht‘ es wie Schnee,
Und herauf durch die Wälder
Spiegelt‘ die See.

Ein Schiff sah ich gehen
Fort über das Meer,
Meinen Liebsten drin stehen –
Dacht meiner nicht mehr.

Und die Segel verzogen,
Und es dämmert‘ das Feld,
Und ich hab mich verflogen
In der weiten, weiten Welt.

Joseph von Eichendorff

Foto © e.a.brokans

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Farbfoto I

Ich fotografiere, um herauszufinden, wie etwas aussieht, wenn es fotografiert wurde.
– Garry Winogrand –

Foto © e.a.brokans

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Das Foto ist im übrigen wirklich ein Farbfoto und nicht bearbeitet, nur marginal beschnitten.

Schiffende Schwäne

Sie seh’n sich nicht wieder

Von dunkelnden Wogen
Hinunter gezogen,
Zwei schimmernde Schwäne, sie schiffen daher,
Die Winde, sie schwellen
Allmälig die Wellen,
Die Nebel, sie senken sich finster und schwer.

Die Schwäne, sie meiden
Einander und leiden,
Nun thun sie es nicht mehr, sie können die Glut
Nicht länger verschließen,
Sie wollen genießen,
Verhüllt von den Nebeln, gewiegt von der Flut.

Sie schmeicheln, sie kosen,
Sie trotzen dem Tosen
Der Wellen, die Zweie in Eines verschränkt,
Wie die sich auch bäumen,
Sie glühen und träumen,
In Liebe und Wonne zum Sterben versenkt.

Nach innigem Gatten
Ein süßes Ermatten,
Da trennt sie die Woge, bevor sie’s gedacht.
Laßt ruh’n das Gefieder!
Ihr seht euch nicht wieder,
Der Tag ist vorüber, es dämmert die Nacht.

Friedrich Hebbel

Photo © e.a.brokans

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Übrigens ist dies das selbe kleine Flüsschen wie im letzten Beitrag, nur vom Eise befreit.

Manila

Als ein altes Tau durch derbe,
Doch verständniswarme Hände glitt,
Sagte eine Stimme: „Bob, ich sterbe,
Ehe Land in Sicht. Und du stirbst mit.“

Noch bevor die Stimme Antwort kriegte,
Kämpften sie: Vollschiff gegen Orkan.
Hatten oft gekämpft, bis eines siegte.
Und das andre war dann abgetan.

Nur ein Treibstück wurde aufgefunden.
Daran hingen kalt, ersoffen, blau
Zwei alte Matrosen, angebunden
Mit einem alten Tau.

Joachim Ringelnatz
1883 – 1934

Photo © e.a.brokans

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Der Titel (der ja von Ringelnatz stammt) hat nur mittelbar mit der Hauptstadt der Philippinen zu tun. Vielmehr bezieht er sich auf Manilahanf, welches wiederum nichts mit Cannabis zu tun hat. Es handelt sich hier um die Bastfasern einer Bananenpflanze (Musa textilis). Aus diesen wurden – und werden noch immer – u.a. Seile und Taue gereept. Die Faser ist leicht, hat eine hohe Reißfestigkeit und eine hohe Salzwassertoleranz. Also ideal für die Seefahrt. Heute wird es natürlich oft durch Kunstfasertaue ersetzt. Und Manila war und ist der Hauptausfuhrhafen für das Zeug. Daher der Name.