Füllfederhalter

Die Fülle der Füller
Meine Füller füllen selten weiße Seiten mit Gefühlen.

Einfälle haben sie nicht
Autokorrektur auch nicht
Kratzen dürfen sie nicht
Aber inspirierend sind sie schon
Zumindest ihr Anblick

Darum schreiben sie oft nur:
Einkaufszettel
Bücherlisten
Natürlich Bücherlisten
Eigentlich sind es ja keine Listen,
denn jedes Buch, welches mein Interesse weckt,
erhält ein eigenes Blatt in einem alten Timer

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Bild © EAB

 

railjet

Natürlich wäre das jetzt schon schön:

Unbeschwert irgendwo hinzufahren, am besten in eine Stadt oder eine Gegend mit einer kleinen aber feinen Ausstellung. Auf der Anfahrt im Speisewagen zu frühstücken,  dabei die Landschaft und die Gedanken vorüberziehen lassen und sich auf die bevorstehenden Eindrücke freuen. Wozu hat man denn schließlich ein neues Notizbuch gekauft.

Ein andermal dann wieder, das Signal steht momentan auf rot.

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Zug: Österreichische Bundesbahnen                                                                                           Bild © EAB

Die Garbo

Kürzlich bekam ich einen Brief, dessen Briefmarke schon ein paar Jahre auf den Zacken hatte.
Der Stempel und die Marke erinnerten mich an das Strahlen der Garbo in einem alten Film. Ihre androgyne Darstellung der Königin Christina von Schweden blieb für mich unvergessen. Es war ja ein Pre-Code-Film, also durchaus sexuell aufgeladen.
Ich sah den Film ein einziges Mal, kurz vor dem Beginn meiner Pubertät (OMG…das ist ja schon mehr als ein halbes Jahrhundert her. Jessas, wie die Zeit vergeht…).

Auf der Marke guckt sie leider eher wie eine gelangweilte oder genervte Madonna.

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Marke © Deutsche Post                                                                                                                Scan by EAB

Der Film: Königin Christine (Queen Christina);  USA 1933;
Regie: Rouben Mamoulian

Die Marke: Entwurf Antonia Graschberger; Ausgabetag: 11.10.2001

Ein Garten

Ein Garten.
Im Januar.

Im tiefsten Winter.
Ungelogen.
Die Tannenreiser sollen als Beweis gelten.
Gedacht als Frostschutz für Sträucher und Rosen
Der Garten liegt nicht im Süden.
Sondern mitten Deutschland, in Weimar.
Es ist kurz vor Mittag.
Das Thermometer zeigt knappe 14 Grad Celsius.
Ginge nicht der Wind, ich würde schwitzen.
Im tiefsten Winter.
Im Januar.

Macht nur weiter so!

Ein Garten aus dem 18. Jahrhundert. Der Weg führt schnurgerade zu einem südländischen Pavillon Die Beete sind mit Buch eingefasst und mit Blumen Kräutern und Beerensträucher bepflanzt.

Der Garten des Kirms-Krackow-Hauses in Weimar. Januar 2020. Bild © EAB

Landschaft

„Wir versuchen uns an dem äußeren Bilde andrer bewohnter Gestirne wohl selten über ein gewisses Maß von Kraft und Erfolg hinaus. Und doch — Landschaft, ins Unendliche variiert! Welch eine Vorstellung!
Jede Landschaft hat ihre eigene besondere Seele, wie ein Mensch, dem du gegenüberlebst. Dies wirst du am deutlichsten empfinden, wenn du den Eindruck einer gegenwärtigen mit dem wiederbeschworenen vergleichst, den eine andere, frühere, deiner Seele eingeprägt hat. Etwa wenn du einen Ausschnitt der gegenwärtigen betrachtest, der recht gut auch jener vergangenen angehören könnte, — so daß dir eine Weile so unheimlich zumute wird, als glaubtest du die Hand eines Abwesenden oder gar Verstorbenen zu halten, während es doch, wie du weißt, die des dir Gegenüberstehenden ist.“

(1912 / Natur)

Auszug aus: Christian Morgenstern. „Stufen / Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen.“  Veröffentlicht posthum im Oktober 1917

(„Entwickelung“ – genau so steht es auf dem Buchumschlag)

Und übrigens findet ihr hier eine Rezension von Kurt Tucholsky dazu.

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Bild © E. A. Brokans

Zauberknolle

Es ist schon erstaunlich wozu ein gewöhnlicher Apium graveolens alles gut sein kann, oder zumindest gut sein soll: Kaninchenfutter, Schnitzelersatz, Suppengrundstoff, Naturheilmittel, Aphrodisiakum, Veganes Viagra und last, but not least: Kunstobjekt (mensch beachte auch den vorherigen Beitrag)! 

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© E.A.Brokans

Na sowas!

Das Füchslein schaut und wundert sich: Wo kommen denn die Blümchen her?
Gepflanzt hat es sie nicht und ohne sein zutun werden es immer mehr!

Ich übrigens auch nicht.

(Außerdem hatte ich, glaube ich zumindest, schon mal erwähnt dass ich gewissen Formen von Kitsch durchaus nicht in ganz ablehnend gegenüberstehe)

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Photo © E.A.Brokans

Ängste und Nöte einer besorgten Sonnenblume von geringem Wert

Die Frisur sitzt nicht. Ich sehe aus wie ein explodierter Handfeger.
Aber egal.
Die Mutter aller Probleme ist dieser heiße Sommer. Eigentlich müßte ich diese Hitze ja gewohnt sein, wozu stammt man den aus Mittelamerika?. Vermutlich habe ich mich zu sehr integriert.

Immerhin wurden meine Vorfahren von den Inkas sogar als Abbilder ihres Gottes verehrt.
Aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter, hier bin ich auf den Gartenbesitzer angewiesen, den faulen Sack. Er hat mich beim gießen immer geflissentlich übersehen. Nur weil er mich nicht selbst gesät hat. Was kann ich dafür, wenn sich die Vögel um ihr Futter selber kümmern.

Apropos „Mutter aller Problem“. Irgend so ein VollHorstla aus dem Gerolfinger Eichenwald hält wohl die Migranten dafür. Hoffentlich braucht der nicht mal Pflege, denn dann kann er rufen bis er schwarz – ne, das issa ja schon – sagen wir besser braun – das will er wohl – wird. Da kommt nämlich dann keiner, wegen Mangel und Notstand und so. Wenn er dann noch die Migranten und Zuwanderer rauswirft kann er sich seinen Allerwertesten selber abwischen. Viel Spass dabei.

Nix für ungut, bin nur eine kleine unbedeutende Sonnenblume von geringem Wert.