Zauberknolle

Es ist schon erstaunlich wozu ein gewöhnlicher Apium graveolens alles gut sein kann, oder zumindest gut sein soll: Kaninchenfutter, Schnitzelersatz, Suppengrundstoff, Naturheilmittel, Aphrodisiakum, Veganes Viagra und last, but not least: Kunstobjekt (mensch beachte auch den vorherigen Beitrag)! 

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© E.A.Brokans

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Na sowas!

Das Füchslein schaut und wundert sich: Wo kommen denn die Blümchen her?
Gepflanzt hat es sie nicht und ohne sein zutun werden es immer mehr!

Ich übrigens auch nicht.

(Außerdem hatte ich, glaube ich zumindest, schon mal erwähnt dass ich gewissen Formen von Kitsch durchaus nicht in ganz ablehnend gegenüberstehe)

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Photo © E.A.Brokans

Ängste und Nöte einer besorgten Sonnenblume von geringem Wert

Die Frisur sitzt nicht. Ich sehe aus wie ein explodierter Handfeger.
Aber egal.
Die Mutter aller Probleme ist dieser heiße Sommer. Eigentlich müßte ich diese Hitze ja gewohnt sein, wozu stammt man den aus Mittelamerika?. Vermutlich habe ich mich zu sehr integriert.

Immerhin wurden meine Vorfahren von den Inkas sogar als Abbilder ihres Gottes verehrt.
Aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter, hier bin ich auf den Gartenbesitzer angewiesen, den faulen Sack. Er hat mich beim gießen immer geflissentlich übersehen. Nur weil er mich nicht selbst gesät hat. Was kann ich dafür, wenn sich die Vögel um ihr Futter selber kümmern.

Apropos „Mutter aller Problem“. Irgend so ein VollHorstla aus dem Gerolfinger Eichenwald hält wohl die Migranten dafür. Hoffentlich braucht der nicht mal Pflege, denn dann kann er rufen bis er schwarz – ne, das issa ja schon – sagen wir besser braun – das will er wohl – wird. Da kommt nämlich dann keiner, wegen Mangel und Notstand und so. Wenn er dann noch die Migranten und Zuwanderer rauswirft kann er sich seinen Allerwertesten selber abwischen. Viel Spass dabei.

Nix für ungut, bin nur eine kleine unbedeutende Sonnenblume von geringem Wert.

Kleine Fluchten

Nein, das ist nicht Long John Silver, der ehemalige Schiffskoch der Hispaniola, welcher sich auf seine alten Tage als schmieriges Köchlein in einer drittklassigen Spelunke verdingen muss.

Und nein, es ist auch nicht Popeye der Seemann, den der Strukturwandel in der Seefahrt kalt erwischt hat. Jener musste seinen Platz an Bord an asiatische Billiglohnkräfte abgeben. Da half auch kein Spinat. Dauerfreundin Olivia ist schon lange mit Bonzo auf und davon. Mittlerweile betreibt er eine kleine Imbissbude, aber seine Spinatbürger verkaufen sich schlecht, es reicht nicht mal mehr für sein geliebtes Pfeifchen.

Repro von mir im Vorübergehen angefertigt (mit Erlaubnis).

Sondern es ist Paul Antoine Graff, Koch und Besitzer eines Hotels in Pourville am Ärmelkanal. Claude Monet wohnte 1882 während seines zweimonatigen Malaufenthalts bei ihm und seiner Frau, welche er ebenfalls porträtierte, was er eigentlich sehr selten tat. Bei Abreise schenkte er es Père Paul als Danke für seine Kochkünste.

Das Bild hängt in der Österreichischen Galerie Belvedere im Schloss Belvedere, Wien. Ich kannte es noch nicht und ging erst achtlos daran vorbei. Aber irgendwie hat es sich festgesetzt. nach ein paar Minuten kehrte ich um und sah es mir genauer an. Erst jetzt entdeckte ich, dass es Claude Monet gemalt hatte. Die comicartigen Züge des Bildes beflügelten meine Phantasie (s.o.).

Aber dazu sind Bilder ja auch da, als kleine Welten in die man entfliehen kann wenn es einem in der realen Welt zu bunt wird. Obwohl, momentan dominiert ja scheinbar nur eine Farbe.

 

Septemberregen

Tote Blumen

In des Hofes Sterbewinkel,
schräg vom Dachfirst überhangen,
liegt auf Scherben Schutt und Kehricht
– tief das Haupt in Staub gepreßt –
eine tote Sonnenblume.

Aus dem Dachrohr unermüdlich
rieselt der Septemberregen,
rinnt und rinnt, und kann doch nimmer
die Verwelkte neu beleben,
kann aus ihrem Strahlenkelch
nicht den Staub der Erde waschen.

Clara Müller-Jahnke

Foto © eab

Ein trauriges Gedicht. Eigentlich mag ich den Herbst sehr gerne, die Farben, das heimelige und so…,

Aber ob ich diesen „teutschen“ Herbst mag?

Hier in Bayern beginnt der Wahlk(r)ampf, die Aufmärsche im Osten und vielleicht auch bald andernorts, der Tonfall allüberall …

Mir graut.

Ich bin versucht, mich in mein Schneckenhaus zurückzuziehen, um nichts mehr zu hören und zu sehen. Nur noch lesen, kochen, den Garten versorgen, den Vögeln zugucken. Aber dann besteht die Gefahr, dass dieses (vermeintliche) Idyll von genagelten Stiefeln zertreten wird. Das würde mir auch nicht gefallen.

Also: Hintern hoch und raus.

Jeder tue, was er kann!

*Hüstel*

Wer immerfort dem rauem Klima der gleichnamigen Anlagen und den unberechenbaren Böen der mittlerweile allerorten anzutreffenden Luftquirle ausgesetzt ist, sollte eventuell, um seine oberen Atemwege nicht unnötig zu reizen, von einer eskalierenden Tonsillitis ganz zu schweigen, den Erwerb eines dieser schicken Halstücher in Betracht ziehen.
Denn vorbei ist die Zeit als Zugluft noch süß war:


Urplötzlich mir zur Seite ging ein Rauschen,
Ein flatternd Knistern weicher Seidenbänder,
Die süße Zugluft bausch’ger Frau’ngewänder,
In Rhythmus regten sich beschwingte Socken,
An meine Wange streiften üpp’ge Locken,
Mir war’s, als ob mich Moschusduft umwehe
Von Odalisken- oder Schlangennähe

Anastasius Grün, Die Vorigen, weniger Einen (Auszug)

Fotot von mannigfaltiges