Das Nasobem

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobem,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.

Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.

Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobem.

Cristian Morgenstern

Foto © mannigfaltiges

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*Hüstel*

Wer immerfort dem rauem Klima der gleichnamigen Anlagen und den unberechenbaren Böen der mittlerweile allerorten anzutreffenden Luftquirle ausgesetzt ist, sollte eventuell, um seine oberen Atemwege nicht unnötig zu reizen, von einer eskalierenden Tonsillitis ganz zu schweigen, den Erwerb eines dieser schicken Halstücher in Betracht ziehen.
Denn vorbei ist die Zeit als Zugluft noch süß war:


Urplötzlich mir zur Seite ging ein Rauschen,
Ein flatternd Knistern weicher Seidenbänder,
Die süße Zugluft bausch’ger Frau’ngewänder,
In Rhythmus regten sich beschwingte Socken,
An meine Wange streiften üpp’ge Locken,
Mir war’s, als ob mich Moschusduft umwehe
Von Odalisken- oder Schlangennähe

Anastasius Grün, Die Vorigen, weniger Einen (Auszug)

Fotot von mannigfaltiges

Ausgeblüht


Was ist Leibesschönheit? Was ihr Prangen?
Was ist Lilienhals und ringelnd Haar?
Was sind Purpurlippen, Rosenwangen,
Schwanenbrust und schimmernd Augenpaar?
Blumen sind sie, gestern aufgegangen,
Heut verwelkt, verstoben morgen gar.
Unvergänglich sind des Geistes Schimmer;
Seine Blüthe welkt – sein Kelch verduftet – nimmer.

Gotthard Ludwig Kosegarten / An Christiane von Smiterlöwe (Ausschnitt)

Foto von mannigfaltiges

Wasserlilien

Wir steigen auf aus feuchten Tiefen,
Da träumten wir so langen Traum
Umspült von linder Wellen Schaum,
Als uns des Lenzes Stimmen riefen.

Und manch‘ ein sinniges Gemüth
Ersieht in uns die schöne Kunde
Von dem, was unten Schönes blüht,
Wo’s Fischlein spielt auf Meeresgrunde. –

Wie ist’s hier oben all so bunt –
Doch unser Haus ist stiller, milder.
Lebt wohl, ihr Tages reiche Bilder,
Wir sinken wieder in den Grund.

Luise Hensel

Auf Zuckermanns Seiten bin ich belehrt worden, dass die Seerose auf dem Bild keine Wasserlilie ist, auch wenn der Volksmund (und ich) sie oft so nennt. Mir ist das egal. Ich mag beide Namen.

Pudel (schwarze und begossene)

Der heroische Pudel

Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
des abends noch wie Kohle war,
betrübte sich so höllenheiß,
weil seine Dame Flügel spielte,
trotzdem er heulte: daß (o Preis
dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
er beim Gekräh der Morgenhähne
aufstand als wie ein hoher Greis –
mit einer silberweißen Mähne.

Christian Morgenstern

Der Pudel auf dem Bild war auch schwarz, aber eher vom Dachbodenstaub und Ruß. Das zu ändern wurde er begossen. Auch wenn er guckte wie ein ebensolcher, das Prozedere hatte Erfolg, er wurde zwar nicht silberweiß aber immerhin…
Leider war des Pudels Kern aus Pappendeckel und das war’s dann mit des Pudels Wohl.

Photo © E.A.Brokans

Inkognito

Der Distelfalter will dem Fotografen keine datenschutzrechtlichen Schwierigkeiten machen und versteckt sein Gesicht lieber hinter dem Lavendel.

Metamorphosen (Ausschnitt)

Sonst war meine Seele ein Schmetterling,
Ein leichter, feiner, blütenverliebter Schmetterling,
Der sich im Sonnenscheine von weichen Winden
Gerne tragen ließ, wie ein Blumenblatt;
Und er steckte sein Saugrüsselchen gerne in alle Süßigkeit,
Und er berauschte sich gerne am Tausendblumengeist,
Und im offenen, samenstaubduftigen Schoße üppiger,
Buttergelber Rosen schlief er gerne,
Der sorgenlose, leichtsinnige,
Frei schwebende Schmetterling meiner Seele.

Weißt du noch, meine Seele, wie du zum letztenmale
Schmetterling warst?

Otto Julius Bierbaum

Foto © E.A.Brokans