Sommertraumtrosteinsamkeit

Sommertag

Hellster, grellster Sommertag,
Sonnenglutdurchschwelte Luft,
Schwüler, schwerer Blumenduft,
Müd verhaltener Finkenschlag.

Satte Reife weit und breit,
Leis schon übergilbt der Wald;
Bunt in Herbst verraschelt bald
Sommertraumstrosteinsamkeit.

Otto Julius Bierbaum
aus Irrgarten der Liebe. Berlin/Leipzig 1901, S. 137-138.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20004553357 / Gemeinfrei

 

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Lichtbild von E.A.Brokans

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Trübes Wetter

 

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Gedicht (Ausriss aus einer Gedichtanthologie) von Gottfried Keller, Blätter vom Ahorn und vom Bauernjasmin, Bild von mir.

*Hüstel*

Wer immerfort dem rauem Klima der gleichnamigen Anlagen und den unberechenbaren Böen der mittlerweile allerorten anzutreffenden Luftquirle ausgesetzt ist, sollte eventuell, um seine oberen Atemwege nicht unnötig zu reizen, von einer eskalierenden Tonsillitis ganz zu schweigen, den Erwerb eines dieser schicken Halstücher in Betracht ziehen.
Denn vorbei ist die Zeit als Zugluft noch süß war:


Urplötzlich mir zur Seite ging ein Rauschen,
Ein flatternd Knistern weicher Seidenbänder,
Die süße Zugluft bausch’ger Frau’ngewänder,
In Rhythmus regten sich beschwingte Socken,
An meine Wange streiften üpp’ge Locken,
Mir war’s, als ob mich Moschusduft umwehe
Von Odalisken- oder Schlangennähe

Anastasius Grün, Die Vorigen, weniger Einen (Auszug)

Fotot von mannigfaltiges

Randnotiz

Eine kleine gute Nachricht am Rande und zum Rande. Den dort wächst er wieder, der Klatschmohn und auch die Kornblume und so manch anderes „Unkraut“. Zumindest in meiner Gegend sind nicht nur die Feldraine sondern auch die Straßenränder bis hin zur Bundesstraßenböschung übersät mit den roten und blauen Tupfen. War vor einigen Jahren noch nicht so. Oder habe ich nur nicht darauf geachtet?

Und auch den Äckern gingen Augen auf

Und auch den Äckern gingen Augen auf.
Kornblumen, die stahlblauen, stummen,
Betrachten wie Augen der Sonne Lauf.

Ihre Farbe ist ehrfürchtig und tief.
Sie wohnen ernst auf den Ackerkrumen,
Die blaue Ruhe sie aus der Erde rief;

Der Himmel stückweis auf der Erd‘ einzieht
Und grünende Ähren über ihm summen,
Und eine Kornblum‘ der andern wie Aug‘ ins Auge sieht.

Max Dauthendey (Lusamgärtlein, Frühlingslieder aus Franken)

Foto © E.A.Brokans

Jahreswechselmelancholie

Also wieder ein Jahreswechsel. Wahrscheinlich werden ich/wir ihn verschlafen, wie schon viele zuvor. Keine Vorsätze, kein „Auf zu neuen Ufern“. Kein Kater am nächsten Morgen.

Sind dann die Überreste der nachbarlichen Raketentestversuche gesammelt, die verschreckten Vögel zu ihren Futterstellen zurückgekehrt – was durchaus ein paar Tage dauern kann – und wenn sich dann auch noch der Feinstaub mitsamt seinem Hype verzogen hat – was hoffentlich schneller geht -, dann ist eh wieder alles beim Alten.

Aber den Brauch der Neujahrsglückwünsche möchte ich gerne nutzen, um Euch für Euer Interesse an meinem Geschreibsel und Geknipse zu danken.

Und weil man nie genug davon haben kann, wünsche ich Euch (und mir natürlich) Zufriedenheit, viel (oder zumindest soviel wie wir benötigen und/oder vertragen können) Glück und vor allem viel Gesundheit im neuen Jahr.

Wir lesen und gucken uns!

Erich

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Foto © E.A.Brokans

 

Reif

Auf schwarzen Auen
Kalte grünblanke Mondrosen.
Scharf kristallene Sternblüten,
Und senken weißen klingenden Samen
In die weißen singenden Winde.

Streng keimen marmorkühle Myrthen,
Edelweiß aus wehem klagenden Alabaster,
Singen mit den weißen Winden:

: Eine eisblasse Mondwelle schläft
Bei den mattgrauen Wellen der Sonne …

Max Dauthendey

Foto © e.a.brokans