Ins Blaue…

An jenen Tagen, an denen die Eier bunt und die Bahnhöfe samt ihren Zügen grau sind, mach ich mich gerne auf ins Blaue. Meist ist es dann doch nur das Grün der näheren Umgebung. Zwar ist es noch nicht Sommer, die Temperaturen laden leider auch noch nicht dazu ein, aber träumen kann man schon mal davon:

Mittags unterm Baume liegend

Kastanie du –
Gnädig entzückt,
Tragend flimmernde Hitze und Sonne,
Fächelst du lächelnd
Breitschweifende Zweige,
Grünblättergehände mir zu;
Festlich die traubigen Kerzen,
Weißstrahlenden Lichtes
Ins Grüne und Blaue gesteckt.

Wieder, wie lange schon nicht,
Daß mein Haar sich in Blumen verfing,
Die Schultern sich drückten ins Gras,
Spielst du mir Lichter
Über geschlossene Lider,
Darunter die Augen
Ertrunken und traumtief erstaunen.
Flatternde Schatten
Fallen mit über die glühende Stirn
Kühlend und streichelnd und gut.

Kichernd kitzeln Halme im Nacken –
Durch den brennenden Schlummer
Haucht mir ins Ohr nur
Ein Klang vom gemächlichen Wind.
Und ein herschwankender Wagen,
Mahlend im quirlenden Staub,
Bringt mit dem Dufte
Von schweißglänzenden Pferden und süßlichem Heu
All den Ruch und die Sonne
Des Sommers.

Gerrit Engelke

Foto © e.a.brokans

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Blues

Photo © e.a.brokans

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Blues

Wenn du nicht froh kannst denken,
Obwohl nichts Hartes dich bedrückt,
Sollst du ein Blümchen verschenken
Aufs Geratewohl von dir gepflückt.

Irgendein staubiger, gelber, –
Sei’s Hahnenfuß – vom Wegesrand.
Und schenke das Blümchen dir selber
Aus linker Hand an die rechte Hand.

Und mache dir eine Verbeugung
Im Spiegel und sage: „Du,
Ich bin der Überzeugung,
Dir setzt man einzig schrecklich zu.
Wie wär’s, wenn du jetzt mal sachlich
Fleißig einfach arbeiten tätst?
Später prahle nicht und jetzt lach nicht,
Daß du nicht in Übermut gerätst.“

Joachim Ringelnatz

Photo © e.a.brokans

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Ich geb’s ja zu – die Natur ist noch nicht so weit. Das Blümchen auf dem Bild ist auch kein Hahnenfussgewächs. Es ist Huflattich und dieser blüht erst im Spätmärz oder so. Die Bilder sind vom letzten Jahr. Eigentlich blüht im Garten noch gar nix. Nicht mal meine heiß ersehnten Winterlinge. Und da soll man nicht den Blues kriegen. Also handelt es sich hier um einen klassischen Fall von „Fake News“. Für alle die mir jetzt deswegen etwas husten wollen: Huflattich ist das Mittel der Wahl!

Aber wie immer gilt: In allen Lebenslagen – Ringelnatz fragen!

Frühling (à la Ringelnatz)

Nicht nur im Februar, sondern auch schon im Januar.
Mit Tulpen statt mit Rosen, aber mit tropfenden Spargel aus Dosen.
Den Rest könnt ihr Euch denken, oder einfach schenken.

Frühling

Die Bäume im Ofen lodern.
Die Vögel locken am Grill.
Die Sonnenschirme vermodern.
Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus Dosen
Die zarten Köpfchen hervor.
Bunt ranken sich köstliche Rosen
In Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen,
Den Oberkellner bewegt,
Mir tausend Eier zu bringen,
Von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von Havanna
Verweht in ringelnder Spur.
Ich fühle an meiner Susanna
Erwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben,
Was kommt, nicht ist oder war.
Ein Frühlingsgedicht, geschrieben
Im kältesten Februar.

Joachim Ringelnatz

Photo © e.a.brokans

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