Aktuelles von der Mannimenta 2017 (II)

Leider kann das neue Werk von G. Länder-Wehdam nicht  überzeugen. Eine müde Reminiszenz an die frühen Kracher seiner blauen Periode.  Bekanntermaßen ist sein Verhältnis zu Treppen und ihren Bauteilen äußerst ambivalent. In irgendeiner Form tauchen sie stets in seinen Instalationen  und Skulpturen auf.

Foto © e.a.brokans

Offensichtlich hat er sein jugendliches Missgeschick mit einem Treppengeländer und einem daraus hervorstehenden Nagel immer noch nicht restlos verwunden. Sogar sein Künstlername thematisiert dieses Malheur.

Falls jemand mit dem Wort Wehdam nichts anzufangen weiß, hier eine gesungene Erklärung:

Wernisaasch

Manni F. fühlte sich unwohl. Nun ja, er hatte eine persönliche Einladug vom Künstler selber bekommen. Aber vermutlich auch nur weil er  A. B. Bruchhaus – oder Aebbi, wie er sich jetzt nannte – in Jugendjahren einmal aus der Klemme geholfen hatte. Oder war es nur sein einigermaßen ausgeglichenes Bankkonto, welches man einlud?

Hilflos stand er vor dem Bildern und suchte verzweifelt nach einem prägnantnen Satz für den unwahrscheinlichen Fall, dass irgend jemand seine Meinung zu einem der Bilder hören möchte.  Aber von ihm nahm in dieser mit Geld, Testosteron und teurem Parfüm angereicherten Luft ohnehin niemand Notiz. Wie gut, dass es Sektgläsern gab. Es war schön sich an ihnen festhalten zu können.

Oh, jemand sprach ihn an…

„…“

„Ja, herrliches Wetter heute.“

Abbruchhaus I
(Foto © e.a.brokans)

 

Eine gelbe Zitrone

Es war eine gelbe Zitrone,
Die lag unter einer Kanone,
Und deshalb bildete sie sich ein,
Eine Kanonenkugel zu sein.
Der Kanonier im ersten Glied,
Der merkte aber den Unterschied.
– – – – – – – – – – – – – – – – – –
Bemerkt sei noch zu diesem Lied,
Ein Unterschied ist kein Oberschied.

Joachim Ringelnatz

Foto © e.a.brokans

Ein Nagel

Ein Nagel saß in einem Stück Holz.
Der war auf seine Gattin sehr stolz.
Die trug eine goldene Haube
Und war eine Messingschraube.
Sie war etwas locker und etwas verschraubt,
Sowohl in der Liebe, als auch überhaupt.
Sie liebte ein Häkchen und traf sich mit ihm
In einem Astloch. Sie wurden intim.
Kurz, eines Tages entfernten sie sich
Und ließen den armen Nagel im Stich.
Der arme Nagel bog sich vor Schmerz.
Noch niemals hatte sein eisernes Herz
So bittere Leiden gekostet.
Bald war er beinah verrostet.
Da aber kehrte sein früheres Glück,
Die alte Schraube, wieder zurück.
Sie glänzte übers ganze Gesicht.
Ja, alte Liebe, die rostet nicht!

Joachim Ringelnatz

Foto © e.a.brokans