Füllfederhalter

Die Fülle der Füller
Meine Füller füllen selten weiße Seiten mit Gefühlen.

Einfälle haben sie nicht
Autokorrektur auch nicht
Kratzen dürfen sie nicht
Aber inspirierend sind sie schon
Zumindest ihr Anblick

Darum schreiben sie oft nur:
Einkaufszettel
Bücherlisten
Natürlich Bücherlisten
Eigentlich sind es ja keine Listen,
denn jedes Buch, welches mein Interesse weckt,
erhält ein eigenes Blatt in einem alten Timer

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Bild © EAB

 

Göthe

Was ER eigentlich sagen wollte:

                                              „Es spitzt der Mensch, solange er schreibt“

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Zitat auf’m Blei by Goethe                                                                                                          Bild von EAB

Apokalypse

Ein Feuer seh ich lohen
Fern übers finstere Land,
Ich sehe den Schatten drohen
Einer ungeheuren Hand.

Das Feuer schlägt aus Schloten,
Rauchwolken wirbelnd, empor,
Es flattern die Flammen, die roten,
Wie Banner mit pechschwarzem Flor.

Die Schattenfaust ungeheuer
Ergreift die scharlachne Trophä‘,
Auf stürzender Städte Gemäuer
Den Fackelbrand schleudert sie jäh.

Es wütet die brodelnde Erde
In grauenerregender Brunst,
Und es wiehern die höllischen Pferde
Wild durch den blutdampfenden Dunst.

Karl Henckell

Quelle: Karl Henckell: Gesammelte Werke. Band 2: Buch des Kampfes, München 1921, S. 237-238.
Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005037158
Lizenz: Gemeinfrei

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Bild © E. A. Brokans

Na sowas!

Das Füchslein schaut und wundert sich: Wo kommen denn die Blümchen her?
Gepflanzt hat es sie nicht und ohne sein zutun werden es immer mehr!

Ich übrigens auch nicht.

(Außerdem hatte ich, glaube ich zumindest, schon mal erwähnt dass ich gewissen Formen von Kitsch durchaus nicht in ganz ablehnend gegenüberstehe)

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Photo © E.A.Brokans

Zäzilie

Zäzilie soll die Fenster putzen,
sich selbst zum Gram, jedoch dem Haus zum Nutzen.

Durch meine Fenster muß man, spricht die Frau,
so durchsehn können, daß man nicht genau
erkennen kann, ob dieser Fenster Glas
Glas oder bloße Luft ist. Merk dir das.

Zäzilie ringt mit allen Menschen-Waffen …
Doch Ähnlichkeit mit Luft ist nicht zu schaffen.
Zuletzt ermannt sie sich mit einem Schrei –
und schlägt die Fenster allesamt entzwei!
Dann säubert sie die Rahmen von den Resten,
und ohne Zweifel ist es so am besten.
Sogar die Dame spricht, zunächst verdutzt:
So hat Zäzilie ja noch nie geputzt.

Doch alsobald ersieht man, was geschehn,
und spricht einstimmig: Diese Magd muß gehn.

Christian Morgenstern

Foto © E.A.Brokans

Septemberregen

Tote Blumen

In des Hofes Sterbewinkel,
schräg vom Dachfirst überhangen,
liegt auf Scherben Schutt und Kehricht
– tief das Haupt in Staub gepreßt –
eine tote Sonnenblume.

Aus dem Dachrohr unermüdlich
rieselt der Septemberregen,
rinnt und rinnt, und kann doch nimmer
die Verwelkte neu beleben,
kann aus ihrem Strahlenkelch
nicht den Staub der Erde waschen.

Clara Müller-Jahnke

Foto © eab

Ein trauriges Gedicht. Eigentlich mag ich den Herbst sehr gerne, die Farben, das heimelige und so…,

Aber ob ich diesen „teutschen“ Herbst mag?

Hier in Bayern beginnt der Wahlk(r)ampf, die Aufmärsche im Osten und vielleicht auch bald andernorts, der Tonfall allüberall …

Mir graut.

Ich bin versucht, mich in mein Schneckenhaus zurückzuziehen, um nichts mehr zu hören und zu sehen. Nur noch lesen, kochen, den Garten versorgen, den Vögeln zugucken. Aber dann besteht die Gefahr, dass dieses (vermeintliche) Idyll von genagelten Stiefeln zertreten wird. Das würde mir auch nicht gefallen.

Also: Hintern hoch und raus.

Jeder tue, was er kann!

Ins Kaffeehaus!


Er wandelte kreuz und quer durch die nächtlichen Straßen, ließ den leichten Föhn um seine Stirne wehen, und endlich, entschlossenen Schritts, als wäre er nun an ein langgesuchtes Ziel gelangt, trat er in ein Kaffeehaus niederen Ranges ein, das altwienerisch gemütlich, nicht besonders geräumig, mäßig beleuchtet und zu dieser späten Stunde nur wenig besucht war.

Arthur Schnitzler, Traumnovelle, Kapitel IV.

Foto © E.A.Brokans 07. 2018


Das ist natürlich kein „Kaffeehaus niederer Ordnung“, sondern eines der bekanntesten „Boheminlokale“ in Wien. Zumindest war es das einmal. Um mich nicht der Schleichwerbungsabmahnungsidioterie äh -industrie auszusetzen, erwähne ich den Namen natürlich nicht. Aber bereits 1975 hat sich ein bekannter österreichischer Liedermacher über diese Lokalität gewundert, besang er doch einen gelegentlich dort anzutreffenden Menschen ohne Kleidung. Aber das ist ja auch schon lange her.

Jedenfalls führte dieser Song mit seinem eingängigen Refrain „Jö schau, so a Sau“ zu einem ersten Besuch dieser Lokalität. Anfang der 80er war das, und das Lokal brechend voll. Aber da die Frau Josefine, welche mit ihrem Mann Leopold das Lokal gründete und führte, die erstaunliche Fähigkeit hatte, 1000 Gäste auf nur 100 Stühle zu setzen, bekamen wir umgehend einen Platz. Der Kaffee war sehr gut, was er in Wien natürlich immer ist, ein „Nockerter“ allerdings war nicht zu sehen und die angeblich allgegenwärtige Prominenz und deren Adabeis erkannte ich nicht.

Vor kurzem ein erneuter Besuch, eher zufällig. Ich wollte, nach Belvedere und Albertina, unbedingt ein Stendhal-Syndrom vermeiden und etwas anderes sehen, als bekleckste Leinwand.
Der Kaffee war wieder exzellent, der Nockerte zeigte sich wiederum nicht und auch sonst war keine Sau niemand da. Immerhin ersparte mir diese, nur kurz dauernde Abwesenheit von Gästen, die Einholung der schriftlichen Einverständniserklärungen beim eventuell zufällig und unabsichtlich mit abgebildetem Beiwerke menschlicher Art.
Aber so ruhig ist es nicht immer. So zumindest erzählt man sich.

Pudel (schwarze und begossene)

Der heroische Pudel

Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
des abends noch wie Kohle war,
betrübte sich so höllenheiß,
weil seine Dame Flügel spielte,
trotzdem er heulte: daß (o Preis
dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
er beim Gekräh der Morgenhähne
aufstand als wie ein hoher Greis –
mit einer silberweißen Mähne.

Christian Morgenstern

Der Pudel auf dem Bild war auch schwarz, aber eher vom Dachbodenstaub und Ruß. Das zu ändern wurde er begossen. Auch wenn er guckte wie ein ebensolcher, das Prozedere hatte Erfolg, er wurde zwar nicht silberweiß aber immerhin…
Leider war des Pudels Kern aus Pappendeckel und das war’s dann mit des Pudels Wohl.

Photo © E.A.Brokans