Erneuerung

Die Mutter plagte ein Gedanke.
Sie kramt im alten Kleiderschranke,
Wo kurz und lang, obschon gedrängt,
Doch friedlich beieinander hängt.
Auf einmal ruft sie: Ei, sieh da,
Der Schwalbenschwanz, da ist er ja!
Den blauen, längst nicht mehr benützten,
Den hinten zwiefach zugespitzten,
Mit blanken Knöpfen schön geschmückt,
Der einst so manches Herz berückt,
Ihn trägt sie klug und überlegt
Dahin, wo sie zu schneidern pflegt
Und trennt und wendet, näht und mißt,
Bis daß das Werk vollendet ist.
Auf die Art aus des Vaters Fracke
Kriegt Fritzchen eine neue Jacke.
Grad so behilft sich der Poet.
Du liebe Zeit, was soll er machen?
Gebraucht sind die Gedankensachen
Schon alle, seit die Welt besteht.

Wilhelm Busch

oder:

A new year —
the same nonsense
piled on nonsense

Kobayashi Issa

Foto & Montage © E.A.Brokans

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Etwas Punsch gefällig?

Falls jemand eine Rezept benötigt:

Punschlied

Vier Elemente,
Innig gesellt,
Bilden das Leben,
Bauen die Welt.

Preßt der Zitrone
Saftigen Stern,
Herb ist des Lebens
Innerster Kern.

Jetzt mit des Zuckers
Linderndem Saft
Zähmet die herbe
Brennende Kraft,

Gießet des Wassers
Sprudelnden Schwall,
Wasser umfänget
Ruhig das All.

Tropfen des Geistes
Gießet hinein,
Leben dem Leben
Gibt er allein.

Eh es verdüftet,
Schöpfet es schnell,
Nur wenn er glühet,
Labet der Quell.

Friedrich Schiller

Auf Euer Wohl!

Foto © e.a.brokans

Schöne Grüße

Das Rumpsteak ist zäh und sie fror, zumindest bekam er dies zur Antwort, als er seine Gattin auf die Walhalla am anderen Donauufer aufmerksam machen wollte. Sogar der Zigarrenpaffer guckt schon neugierig, ob der groben und lautstarken Abfuhr. Diese Reise war seine Idee, stand aber von Anbeginn unter keinem guten Stern.

Wenigsten die Tochter scheint es zu genießen, auch wenn sie die  vorbeihuschenden Landschaft kaum beachtet. Ständig schreibt sie irgendwas an irgendjemanden, wohl meist Ansichtskarten. Die Abbildungen auf den Karten waren ihr offensichtlich Realität genug.

Hoffentlich vergisst sie wenigstens den Gruß an Familie Bachmann, den neuen Nachbarn, nicht. Oder hießen die Bachmair?

Ansichtskarte aus meiner Sammlung

Diese Ansichtskarte wurde um 1900 (leider ist der Poststempel verwischt) in Passau eingeworfen und am nächsten Tag dem Empfänger in München ausgehändigt.
Von dieser beliebten Lithographie gab es viele ähnliche Versionen, geändert wurde nur jeweils der Fensterblick auf die jeweiligen Sehenswürdigkeiten der Reiseroute. Wobei sich bestimmt die wenigsten Versender den Gang in den Speisewagen leisten konnten. Aber das nur am Rande.