Augenschein

Der Duden meint:

Augenschein: „das Anschauen, die unmittelbare Wahrnehmung durch das Auge“

Manches erschließt sich erst ganz, wenn man direkt davor steht und es mit seinen eigenen Augen sieht. Sofort fühlen sich auch alle anderen Sinne angesprochen, bei diesem Bild will ich unwillkürlich mit den Fingerspitzen die Oberfläche ertasten.

Allerdings ist dringend davon abzuraten. Es handelt sich schließlich nicht um einen profanen Rauhputz mit Farbbeimengung, sondern um einen echten Claude Monet mit dem Titel „Portal und Albanturm [der Kathedrale von Rouen – m. Erg.] in der Dämmerung, 1894″. Zu sehen noch bis zum 6. Januar 2019 in der Albertina, Wien.

Übrigens ist es nicht unbedingt eine Kleindetailaufnahme. Die Höhe des Bildausschnittes beträgt ungefähr ein ein gutes Viertel der Gesamthöhe von 106 cm. Der Meister hat schon sehr dick aufgetragen.

Bild von Claude Monet, abfotografiert von mir.

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Kleine Fluchten

Nein, das ist nicht Long John Silver, der ehemalige Schiffskoch der Hispaniola, welcher sich auf seine alten Tage als schmieriges Köchlein in einer drittklassigen Spelunke verdingen muss.

Und nein, es ist auch nicht Popeye der Seemann, den der Strukturwandel in der Seefahrt kalt erwischt hat. Jener musste seinen Platz an Bord an asiatische Billiglohnkräfte abgeben. Da half auch kein Spinat. Dauerfreundin Olivia ist schon lange mit Bonzo auf und davon. Mittlerweile betreibt er eine kleine Imbissbude, aber seine Spinatbürger verkaufen sich schlecht, es reicht nicht mal mehr für sein geliebtes Pfeifchen.

Repro von mir im Vorübergehen angefertigt (mit Erlaubnis).

Sondern es ist Paul Antoine Graff, Koch und Besitzer eines Hotels in Pourville am Ärmelkanal. Claude Monet wohnte 1882 während seines zweimonatigen Malaufenthalts bei ihm und seiner Frau, welche er ebenfalls porträtierte, was er eigentlich sehr selten tat. Bei Abreise schenkte er es Père Paul als Danke für seine Kochkünste.

Das Bild hängt in der Österreichischen Galerie Belvedere im Schloss Belvedere, Wien. Ich kannte es noch nicht und ging erst achtlos daran vorbei. Aber irgendwie hat es sich festgesetzt. nach ein paar Minuten kehrte ich um und sah es mir genauer an. Erst jetzt entdeckte ich, dass es Claude Monet gemalt hatte. Die comicartigen Züge des Bildes beflügelten meine Phantasie (s.o.).

Aber dazu sind Bilder ja auch da, als kleine Welten in die man entfliehen kann wenn es einem in der realen Welt zu bunt wird. Obwohl, momentan dominiert ja scheinbar nur eine Farbe.

 

Gut zu wissen…

Ein Bild ist – bevor es ein Schlachtpferd, eine nackte Frau oder irgendeine Anekdote darstellt – vor allen Dingen eine plane Fläche, die in einer bestimmten Ordnung mit Farben bedeckt ist.

Maurice Denis (Maler, 1870 – 1943)

Heutzutage sind es ja meist Pixel auf einem Bildschirm, aber ansonsten ist diese Aussage immer noch gültig..

© e.a.brokans

Zum Bild: Es zeigt den ehrwürdigen Samurai Donki-S’chote und seinen magersüchtigen Diener San-c’ho.

Oder seht ihr etwas anderes?

 

 

Blöde Frage

Das ewige Geschiss

Ist es Kunst?
Ist es keine?

Manche sch…en einfach drauf.

Zumindest bis Herr Kreisler wieder seine Kreise zieht.

Wobei ich mit Kunst natürlich nicht das Foto, sondern das abgebildete Staatsgründungsdenkmal (Ausschnitt) der Republik Österreich meine.

Herr Kreisler ist doch sicherlich allen ein Begriff.
Oder?
Wenn nicht, hier eine Gedächtnisstütze und nebenbei eine kleine Reminiszenz an den Frühling:

Auferstanden aus Ruinen

Ab 1828 begann man die alte ( damals ehemalige) Universitätsstadt Ingolstadt zur bayerischen Landesfestung auszubauen. Natürlich hinkte die Festungstechnik den gewaltigen Fortschritten der Geschütztechnik immer hoffnungslos hinterher. Aber sogar noch nach den den Erfahrungen des Krieges von 1870/71 plante man weitere Außenforts (Vorposten). So entstand zwischen 1875 und 1878 südlich des Fischerdorfes Manching das Fort VIII.

Netzfundstück

Militärisch völlig nutzlos, dienten die Forts im 1. Weltkrieg meist als Kriegsgefangenenlager, vorwiegend für ausbruchsfreudige französische Offiziere. Im benachbarten Fort IX (Oberstimm) war z. B. der spätere französische Staatspräsident Charles de Gaulle untergebracht. Nach mehreren Fluchtversuchen verlegte man ihn schließlich auf die Wülzburg bei Weißenburg.
Jean Renoir hat diese Geschichte in seinem genialen Film „Die große Illusion / La grande Illusion“ mit Jean Gabin, Erich von Stroheim u.a. herausragend thematisiert.

Auch im 2 Weltkrieg spielten die Forts keine militärische Rolle. Gegen Kriegsende wurden Häftlinge des ausgebombten Wehrmachtsuntersuchungsgefängnisses München im Fort VIII eingekerkert, darunter auch etliche, denen die Todesstrafe drohte. 76 dieser Todesurteile wurden noch vollstreckt, zwei davon im Fort selbst, der Rest auf einem nahegelegenen Schießplatz. Bei Kriegsende übernahm die US-Army Fort VIII und verwendete es bis zum Herbst 1946 als Internierungslager für SS-Angehörige.

Schließlich von der Gemeinde käuflich erworben und teilweise gesprengt, dienten die traurigen Steine als Rohmaterial für diverse Bauvorhaben. Unter anderem wurde 1958, am Nordrand des ehem. Forts, die Friedenskirche der evangelischen Kirchengemeinde mit ihnen aufgebaut. Entworfen hatte sie Architekt Olaf Andreas Gulbrannson.

Foto © e.a.brokans

Olaf Andreas Gulbrannson ist der 1916 geborene Sohn des weitaus bekannteren Malers, Zeichners und Satirikers Olaf Leonhard Gulbrannson. Olaf Andreas war ein herausragender Entwerfer von evangelischen Sakralbauten im süddeutschen Raum. Leider konnten viele seiner Bauten erst posthum fertiggestellt werden. Er selbst kam bereits 1961, mit 45 jahren, bei einem Autounfall auf der Autobahn A9 zwischen Pfaffenhofen und Holledau, nicht weit von Manching, ums Leben. Die Friedenskirche in Manching gilt als einer seiner beeindruckendsten Bauten.

Foto © e.a.brokans

Wer also das sehr sehenswerte Kelten-Römer-Museum in Manching besucht, sollte auch dieser Kirche einen Besuch abstatten. Und sei es nur um diesen geschichtsträchtigen Bau zu würdigen. Beides liegt sehr verkehrsgünstig an der A9 – AS Manching.

Vom Fort selbst ist nicht mehr viel übrig. Wohnhäuser und ein Sportpark traten an seine Stelle.

Farbfoto II

Ende der 1970er Jahre fand sie statt, meine erste bewußte Begegnung mit Kunst. Mit richtiger Kunst, im Original. Und ohne Zwang und Anleitung. Das Lenbachhaus in München begeisterte damals mit einer Max Ernst – Ausstellung. Ich war fasziniert und äußerst beeindruckt. Allerdings verflachte das Interesse an Kunst und Künstler bald wieder. Anderes wurde wichtiger, wie es in jungen Jahren halt so ist.  Aber die Saat fiel auf fruchtbaren Boden und ging langsam auf. Vor einigen Jahren, während einer USA – Reise, fuhr ich extra wegen Max Ernst einen kleinen Umweg um die roten Felsen und die Landschaft in der Gegend um Sedona (AZ) zu besuchen. Er lebte ja dort ein paar Jahre. Mittlerweile gibt es dort nach meinem Gusto aber viel zu viel Esoterik.
Heute kann ich nur zustimmend nicken, wenn seine letzten Ehefrau Dorothea Tanning, eine ebenso begnadete Künstlerin, meint:

Art has always been the raft onto which we climb to save our sanity. I don’t see a different purpose for it now.

Das Foto ist natürlich keine Kunst, nur eine Bearbeitung aus einer Laune heraus. Erst das Ergebnis dieses Herumspielerei hat mich wieder an diese Ausstellung  – ich bin natürlich nicht nur auf Max Ernst fixiert – und mein Erleben damals erinnert. Das Foto als Hommage à Max Ernst zu bezeichnen wäre dann aber doch etwas zu hochgegriffen.

foto @ e.a.brokans

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