An die Waldvögel

Konnt mich auch sonst mitschwingen
Übers grüne Revier,
Hatt ein Herze zum Singen
Und Flügel wie ihr.

Flog über die Felder,
Da blüht‘ es wie Schnee,
Und herauf durch die Wälder
Spiegelt‘ die See.

Ein Schiff sah ich gehen
Fort über das Meer,
Meinen Liebsten drin stehen –
Dacht meiner nicht mehr.

Und die Segel verzogen,
Und es dämmert‘ das Feld,
Und ich hab mich verflogen
In der weiten, weiten Welt.

Joseph von Eichendorff

Foto © e.a.brokans

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Wintersonne

Mond und Sonne scheint so schön,
Wie im Frühling immer;
Öder nur die Winterhöh’n
Macht der kalte Schimmer.

Ach vom Himmel kann die Lust
Nicht hernieder steigen,
Wenn der Erde, wenn der Brust
Sie nicht schon ist eigen.

Friedrich Rückert

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Trauerspiel

Zwei Bäume konnten nicht ohn’einander sein
Aber:
Familie Biber benötigte ein neues Heim
Jetzt ist der Baum allein
Ach,
Ist das gemein

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Mittlerweile hat sich die vor Jahren neuangesiedelte Familie Biber mit ihre Verwandten und Bekannten zu einer Landplage entwickelt. Mit gravierenden Folgen für die Natur und ihre anderen Bewohner. Wieder einmal bestätigt sich: egal wie der Mensch eingreift – es kommt nichts gutes dabei heraus.
Übrigens: Achtung „Fake-News“ – das erste Bild hat mit den beiden anderen nichts zu tun. Diese Pärchen steht noch so da, zumindest war es vorgestern noch so. Was bei den unteren nicht mehr der Fall ist.

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Der Salm

Ein Rheinsalm schwamm den Rhein
bis in die Schweiz hinein.

Und sprang den Oberlauf
von Fall zu Fall hinauf.

Er war schon weißgottwo,
doch eines Tages – oh! –

da kam er an ein Wehr:
das maß zwölf Fuß und mehr!

Zehn Fuß – die sprang er gut!
Doch hier zerbrach sein Mut.

Drei Wochen stand der Salm
am Fuß der Wasser-Alm.

Und kehrte schließlich stumm
nach Deutsch- und Holland um.

Christian Morgenstern
1871 – 1914

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Der Baum (mal wieder)

Ach so!

Wohin denn, wohin denn so schnelle,
Du Mann mit der Elle?
Siehst nicht den schönen Regenbogen?

Frivoler Geselle!
Den eben will ich messen gehn.
Wär mir eine Art, so dazustehn
Und bloß die Farben anzusehn.
Ich bin gründlich!

Otto Julius Bierbaum
1865 – 1910

Photo © e.a.brokans

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Der Baum auf dem Bild dürfte bekannt sein. Sein Schicksal (haben Bäume eine Schicksal?) ist hier und auch da nachzulesen. Heuer gab es nicht viel Neues. Er frettet sich halt so durch. Aber haben wir Geduld, vielleicht überlebt er uns alle.

Das andere Ende des Regenbogens findet Ihr übrigens auf Twitter, Instagram und fb. Die Gegend hier ist ja ureigenes Regenbogenschüsselchenland. Leider habe ich wieder mal nichts gefunden.

Weg und Ziel

Weil das Ziel erfreulich ist,
Hat mich’s nicht gerühret,
Daß der Weg abscheulich ist,
Der zum Ziele führet.

Aber danken wollt‘ ich dir,
Glück, wenn dir’s gefiele,
Gäbst du schöne Wege mir
Auch zum schönen Ziele.

Friedrich Rückert
1788 – 1866

Photo © e.a.brokans

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Schön wieder eine Rückert-Gedicht, werdet ihr denken. Aber bei ihm findet man halt immer irgendetwas passendes. Außerdem gefällt er. Aber jetzt werde ich mal eine kleine Rückert-Pause einlegen. Andere Poeten haben auch schöne Gedichte.

Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au’n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.

Joseph von Eichendorff

Photo © e.a.brokans

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Ob nun irgend eine Phantasieblume, die Kornblume oder die abgebildete Wegwarte die von Novalis in die Welt gepflanzte „Blaue Blume der Romantik“ ist, weiß ich nicht. Bei der Wegwarte könnte ich mir das durchaus vorstellen. Wächst sie doch, um ihren hohen Nährstoff- und Lichtbedarf zu befriedigen, bevorzugt ans Straßen- und Wegrändern. Bei der damals grassierenden Wanderlust (ihr wisst schon: „Im Frühstau zu Berge“ oder „Die Wanderer sind des Müllers Frust“ etc) ist ihnen die Wegwarte bestimmt ins romantische Auge gefallen. Zu Fuss sieht man einfach mehr und hat auch mehr Zeit sich Gedanken zu machen. Aber das ist ein anderes Thema.
Blaue Blume hin, Wegwarte her. Sie ist eine universelle und sogar kostenlose Heilpflanze, eine Verwandte des Chicoree. Aus ihren gerösteten Wurzeln wurde in Notzeiten der allseits beliebte Zichorienkaffee (aka Mukefuck) gebraut. Ebenso wirken ihre Wurzeln appetitanregend, harntreibend, die Verdauung fördernd und was weiß ich sonst noch alles.

Update: „Eiche in Gefahr“

Vorab zur Klarstellung: Es ist nur ein Baum, einer unter vielen, sein Schicksal ist im Vergleich zu den momentan vorherrschenden Problemen marginal. Aber symptomatisch für unseren Umgang mit der Natur. Die meisten werden den Baum schon kennen. Wenn nicht, dann bitte hier gucken.

Photo © e.a.brokans

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Des Dramas I. Akt:

Am 13. Januar erschien ein gut halbseitiger Artikel in der hiesigen Lokalausgabe des Donau Kuriers. Sein lakonischer Titel: „Eiche in Gefahr“.

Was ist passiert?

Der Grund auf dem der Baum steht, ist an einen Landwirt verpachtet. Bevorzugt wird hier Energiemais für Biogasanlagen angebaut. Der Reingewinn ist, auch dank der „Energiewende“, bei dieser Pflanze am höchsten. Wer schon einmal die dabei eingesetzten Maschinen gesehen hat, erkennt leicht, dass es bei der Feldbestellung nicht so sehr auf den Zentimeter ankommt. So wurde beim Umgraben der Erde bis fast an den Stamm des Baumes hin gepflügt. Dadurch wurden die Wurzeln der Eiche stark beschädigt und damit das Immunsystem und die Nährstoffversorgung des Baumes sehr geschwächt. Zu allem Überfluss sollen die letzten Wiesenreste um den Stamm herum mit dem Teufelszeug Round-up getränkt worden sein. Was dann wohl für die Wurzel-Pilz-Symbiose und folglich auch für den Baum absolut fatal wäre. Der Baum, im zarten Alter von rund 140 Jahre, ist kein Naturdenkmal und nur „als landschaftsbildprägend“ eingestuft.

Des Dramas II. Akt:

Zum 21. Januar erschien dann wieder ein Artikel im selben Blatt. Mittlerweile hatte sich die untere Naturschutzbehörde des Landkreises eingeschaltet. In einem Gespräch mit dem Pächter bedauerte dieser den Vorfall und wies darauf hin, dass es sich wohl „um das Versehen eines Mitarbeiters“ gehandelt hätte. Es wurde versprochen in Zukunft nicht mehr bis unter die Baumkrone zu pflügen. Von einer Behandlung mit „Round-up“ wisse er nichts und wies den Verdacht weit von sich. Der Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Forsten machte seinerseits den sehr trockene Sommern für das Verdorren von Teilen des Baumes verantwortlich.

Des Dramas III. Akt:

…wird wohl erst in ein paar Jahren geschrieben werden können.

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Quellen:
Pfaffenhofener Kurier (Printausgaben)
PK Nr. 9 vom 13. Januar 2016
PK Nr. 16 vom 21. Januar 2016.

Totholz (2)

Doch welche Geschichte sich hinter den umgestürzten Bäumen auch verbergen mag, sie haben nun den nächsten Abschnitt ihrer ökologischen Reise durch den Wald angetreten. Pilze, Salamander und Zigtausend wirbellose Arten gedeihen in und unter verrottenden Stämmen. Mindestens die Hälfte ihres Beitrags zum Leben leisten die Bäume nach dem Tod, und darum ist ein Maß für die Vitalität eines Waldökosystems die Baumleichendichte.

Dieses Zitat stammt aus dem dem wundervollen und sehr interessanten Buch von David G. Haskell  „Das verborgene Leben des Waldes – Ein Jahr Naturbeobachtungen“. Hier der Link zum Verlag.

Eine ausführlichere Besprechung des sehr empfehlenswerten Buches ist auf dem Blog „Elementares Lesen“ zu finden

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