Herr Ringel verabschiedet sich…

Abschiedsworte an Pellka

Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,

Du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
Mit der Gabel! – – Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.

Mußt nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?

Du bist ein so rührend junges Blut. –
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, daß du eine Edelknolle
Warst, und daß dich ein Kenner verschlingt.

Joachim Ringelnatz

Photo © e.a.brokans

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Na denn: Mahlzeit!

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Nochmal der Mond, diesmal etwas schräg angesungen von Blandine.

Photo © e.a.brokans

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Die werten Damen Gerda und Stephanie machten mich in ihren Kommentaren zum letzten Beitrag auf ein wunderbares Lied aufmerksam. Die grandiose Blandine Ebinger besingt in ihrer unnachahmlichen, stimmgewaltigen Art unseren Stammtrabanten. Da bleibt kein Auge trocken und auch die Kehle will gut durchfeuchtet werden. Dieses Meisterstück der 20iger Jahre des vorigen Jahrhunderts will ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Geschrieben hat es Friedrich Holländer. Beide, Frau Ebinger und Herr Holländer, mussten Deutschland in den unseligen und unmenschlichen Jahren der braunen Diktatur verlassen. Aber immerhin überlebten sie und konnten (und wollten auch) zurückkehren

Päonien-Update vom 16. Mai…

…es hat sich noch nicht viel getan.

Photo © e.a.brokans

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Dafür gibt es als Zugabe einen alten Song von Konstantin Wecker. Weiter unten findet ihr auch den Text. Bemerkenswert ist das Zitat am Ende, bei dem Konzertmitschnitt verwendete er ein anderes als das Goethe-Zitat des Originaltextes

Heit schaugn die Madln wia Äpfel aus

Du fahrst hoam, wenn die Nacht grad zuamacht
und nach Schimmel und Abfall riacht.
Und wia a gfälschte Madonna
zahnluckad umd Eckn kriacht.

Du bist dasig. Die Strich auf der Straßn
san eckad und kaum mehr zum seng.
Du schlafst ei, dann duads noch an Dumpfn –
und dann is halt scho um di gscheng.

Doch auf oamoi rollt ganz von da hintn
a Feierball in deine Augn.
Des wird a Dog, so wia koana!
Fahr ma zua, Bua – heut gibt’s was zum Schaugn:

Heit schaugn die Madln wia Äpfel aus,
heit is a glasiger Dog.
Heit laß I nix von meim Leem aus,
a wenn i’s grad heut ned vertrog.

Heit schaugn die Madln wia Äpfel aus,
heit is a glasiger Dog.
Heit laß I d‘ Welt ausm Käfig raus,
heit mach I mitm Leem an Vertrag.

Heit schaugn die Madln wia Sommer aus,
heit is a glasiger Dog.
Heit muaß I weit in die Wälder raus,
weil I mog, weil I mog, weil I mog!

Heit schaugn die Madln wia Engal aus.
Heit is a damischer Dog.
Heit fahr I gradwegs in Himmi nauf,
ohne Plog, ohne Plog, ohne Plog.

Alles geben die Götter, die unendlichen,
ihren Lieblingen ganz.
Alle Freuden, die unendlichen,
alle Leiden, die unendlichen, ganz.

© Konstantin Wecker

Eine kleine persönliche Anmerkung sei mir erlaubt: Kurz nachdem dieses Lied erschienen ist, besuchte ich ein Konzert von Konstantin Wecker. Auf dem Nachhauseweg passierte mir leider ein kleines Missgeschick. Menschen kamen zum großen Glück – im Gegensatz zum Lied – nicht zu schaden, aber mein mühsam zusammengespartes Auto hatte nach diesem Abend leider nur noch ein einziges Rendezvous. Mit der Schrottpresse. Trotzdem blieb dieses Lied eines meiner Lieblingslieder von K. Wecker.