Totholz (2)

Doch welche Geschichte sich hinter den umgestürzten Bäumen auch verbergen mag, sie haben nun den nächsten Abschnitt ihrer ökologischen Reise durch den Wald angetreten. Pilze, Salamander und Zigtausend wirbellose Arten gedeihen in und unter verrottenden Stämmen. Mindestens die Hälfte ihres Beitrags zum Leben leisten die Bäume nach dem Tod, und darum ist ein Maß für die Vitalität eines Waldökosystems die Baumleichendichte.

Dieses Zitat stammt aus dem dem wundervollen und sehr interessanten Buch von David G. Haskell  „Das verborgene Leben des Waldes – Ein Jahr Naturbeobachtungen“. Hier der Link zum Verlag.

Eine ausführlichere Besprechung des sehr empfehlenswerten Buches ist auf dem Blog „Elementares Lesen“ zu finden

Photo © e.a.brokans

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Totholz (1)

Totholz, in der Fachterminologie der Forstwirtschaft die Bezeichnung für abgestorbene, umgestürzte Bäume, oder Teile davon – totes Kapital eben und dadurch schlecht für die Rendite.

Nicht so für das natürliche Ökosystem des Waldes. Totholz ist eine Grundvoraussetzung für die Artenvielfalt in Flora und Fauna, ist es doch Kinderstube und Lebensgrundlage für unzählige Pilze, Pflanzen, Insekten, Vögel und sonstigem Getier. So ist die Bezeichnung „Biotopbaum“ wesentlich treffender, wobei dieser Begriff natürlich auch noch andere Habitatbäume umfasst.

Und manchmal dient es auch als Inspiration für streunende Gelegenheitsknipser.

Photo @ e.a.brokans

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Übrigens: Wer mehr zu Biotopbäumen und Totholz erfahren möchte, wird u.a. hier fündig:
LWF / Totholz (pdf).

Ach ja…ein passendes Gedicht dürfen Sie sich heute mal selbst dazu suchen.

Neues Leben

Still und hell ist mein Gemüt,
Wie im Herbst ein Sonnentag,
Und doch fühl‘ ich, daß im Innern
Wie durch Lenzes Zauberschlag
Eine junge Schöpfung blüht.

Hast du noch nicht ausgeglüht,
Meiner Jugend Sonnenschein,
Und wenn jetzt der Winter käme,
Würd‘ er mir in Blüten schnein,
Wie im ewigjungen Süd?

Ach, und meiner Flügel Schwung
War so traurig schon gelähmt!
Denn ich habe sterben sehen;
Und nun fühl‘ ich fast beschämt
Mir zum Leben Mut genung.

Wäre nicht Erinnerung,
Schiene Traum, was Leben war!
Aber wen die Götter lieben,
Stirbt er auch in grauem Haar,
Dennoch stirbt er ewigjung.

Paul Heyse

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Nicht nur Herr Mühsam ist verwirrt.

Verwirrt von dem Erlebnis dieser Tage
will ich zurück zu meinen Künsten fliehn.
Im stillen Rhythmus einer wehen Klage,
ein Neues, mag’s in fremde Seelen ziehn.
Vielleicht steht irgendwo ein Unbekannter,
in dessen Tränen eine meiner gleicht – –
ein Trunkenbold des Leides, ein Verbannter,
verwirrt von einem Glück, das floh. Vielleicht …

Erich Mühsam

(Quelle)

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Filigranes…und etwas Bildung

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Ich liebe dich

Sie: »Wie werden Blätter gelb?!«
Er: »Das grüne Chlorophyll des Blattes verwandelt sich in Gelbstoff, Xantophyll, unter dem Einflusse der Kälte.«
Sie: »Wie werden Blätter roth?!«
Er: »Das grüne Chlorophyll des Blattes verwandelt sich in Rothstoff, Erythrophyll, unter dem Einflusse der Kälte.«
Sie: »Und schwarz?!«
Er: »Das ist das Sterben des Blattes. Wenn es nicht mehr Kraft hat, Farben umzuwandeln, wird es schwarz.«
Sie: »Und Blätter werden Erde?!«
Er: »Ja. Der Schnee zermürbt sie, präparirt sie vor.«
Sie: »Lehre mich Botanik. Aber nicht wie in der Jugend, wie viele Staubgefässe jede Blume hat, wie sie lateinisch heisst, wo man sie findet. Lehre mich das Tiefe, wie sie wird und stirbt und niemals aufbegehrt und wieder wird und stirbt und wieder stirbt und dann doch auflebt – – –.«
Er: »Anatomie, Physiologie der Pflanzen?!«
Sie: »Ja, das.«
Er: »So komm‘. Es ist zu kalt zum Sitzen im Freien. Und wir sind in Jahren – – –. Wir brennen Holz im Ofen und ich lehre Dich, wie junge Stämme ihren Ring ansetzen. Vor Allem, weisst Du, wenn im ersten Frühjahr – – –.«
Und sie ging schweigend, lauschend neben ihm.

Peter Altenberg, Der Revolutionär dichtet. Berlin 1914

Peter Altenberg (1859 – 1919) war der Prototyp des Kaffeehausliteraten, noch heute sitzt er im Café Central zu Wien und wartet, wie sein ganzes Leben lang, auf Spenden, Gönner und Einfälle.

 

Rost und Gram (und etwas Wurst)

Rost und Gram

Rost und Gram, in einer Nacht,
Wo ich schlaflos träumend sann,
Hab‘ ich eures Gifts gedacht,
Und wie das zerfressen kann.

Rost des Eisens Tod selbst ist,
Sucht’s noch auf im Erdenschoß,
Gram ein Menschenherz zerfrißt,
Ist es noch so stark und groß.

Justinus Kerner
1786 – 1862
Arzt und Dichter der schwäbischen Romantik
Als Autor medizinischer Fachbücher beschrieb er u.a. die „Wurstvergiftung“ Erst im 20. Jahrhundert wurde Kerners „Wurstgift“ als das hochgiftige (oder aber  als „Botox“ für manche segenspendende)  Botulinumtoxin identifiziert.

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Metallskulptur (Detail) von Albert Fischer, Reichertshofen – Photo: © e.a.brokans