Schaffnerlos

Wortlos

Foto © E.A:Brokans

Auf der Straßenbahn

Wie der Wagen durch die Kurve biegt,
Wie die blanke Schienenstrecke vor ihm liegt:
Walzt er stärker, schneller.

Die Motore unterm Boden rattern,
Von den Leitungsdrähten knattern
Funken.

Scharf vorüber an Laternen, Frauenmoden,
Bild an Bild, Ladenschild, Pferdetritt, Menschenschritt –
Schütternd walzt und wiegt der Wagenboden,
Meine Sinne walzen, wiegen mit!:
Voller Strom! Voller Strom!

Der ganze Wagen, mit den Menschen drinnen,
Saust und summt und singt mit meinen Sinnen.
Das Wagensingen sausebraust, es schwillt!
Plötzlich schrillt
Die Klingel! –Der Stromgesang ist aus –
Ich steige aus –
Weiter walzt der Wagen.

Gerrit Engelke

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Einsteigen

Der Junge stand gerne am Bahnhof und sah den enteilenden Zügen nach.
Auf den glänzenden Schienen sandte er seine Träume hinaus in die Welt.
Aber um neuen Abenteuern entgegen zu rollen, benötigte er eine Fahrkarte.
Für seine Art zu reisen gab es diese nur in der Bahnhofsbuchhandlung.

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Aktuelles von der Mannimenta 2017 (II)

Leider kann das neue Werk von G. Länder-Wehdam nicht  überzeugen. Eine müde Reminiszenz an die frühen Kracher seiner blauen Periode.  Bekanntermaßen ist sein Verhältnis zu Treppen und ihren Bauteilen äußerst ambivalent. In irgendeiner Form tauchen sie stets in seinen Instalationen  und Skulpturen auf.

Foto © e.a.brokans

Offensichtlich hat er sein jugendliches Missgeschick mit einem Treppengeländer und einem daraus hervorstehenden Nagel immer noch nicht restlos verwunden. Sogar sein Künstlername thematisiert dieses Malheur.

Falls jemand mit dem Wort Wehdam nichts anzufangen weiß, hier eine gesungene Erklärung:

Der Salm

Ein Rheinsalm schwamm den Rhein
bis in die Schweiz hinein.

Und sprang den Oberlauf
von Fall zu Fall hinauf.

Er war schon weißgottwo,
doch eines Tages – oh! –

da kam er an ein Wehr:
das maß zwölf Fuß und mehr!

Zehn Fuß – die sprang er gut!
Doch hier zerbrach sein Mut.

Drei Wochen stand der Salm
am Fuß der Wasser-Alm.

Und kehrte schließlich stumm
nach Deutsch- und Holland um.

Christian Morgenstern
1871 – 1914

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Photo © e.a.brokans

Rakete ins Erdfern

Eine Rakete wäre dieser Kamin wohl zu gerne geworden. Das Universum wollte er erforschen, die Erdferne. Daraus wurde nichts, es reichte nur zu einem profanen Schornstein. Also muss er auch nicht die gut gemeinten Ermahnungen von Herrn Ringelnatz beherzigen. Oder etwa doch?  Sie schaden ja eigentlich niemanden.

Rakete ins Erdfern, zielfremder Schuß – –??
Ja, wenn es sein darf oder sein muß.
Doch der Eitle oder der Übermütige
Zähle sonst nicht aufs Allgütige.

Schön ist das Wollen,
Wenn Ehrlichkeiten die Mittel ihm gaben.
Aber die Ausführer sollen
Die ehren, die es ausgerechnet haben.

Und die als erste ein Ziel erreichen,
Weil sie persönlich den Schuß unternommen,
Mögen vor allem sich gleich vergleichen
Zudritt mit Kühnen,
Zuzweit mit Weisen,
Zuerst mit Frommen.

Joachim Ringelnatz
1883 – 1934

Photo © e.a.brokans

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