Päuschen

Nach einem ausgedehnten Stadtbummel genießen Emma Ente und ihr Lebensgefährte Ernst Erpel die Annehmlichkeiten einer modernen Stadt. Beide legen gesteigerten Wert auf eine saubere und komfortable Badegelegenheit. Da kann ihr vergrützter Teich nicht mithalten.
Nur Notbert, der notgeile Möchtegernnebenbuhler, stört wie immer das Idyll. Man muß ihn im Auge behalten. Zu gern würde er Emma umflattern. 

Foto © e.a.brokans

Advertisements

Das „Neue Schloss“

Und hier, meine sehr verehrten Damen und Herren, in der Mitte des Bildes – gute Augen vorausgesetzt – sehen sie das berühmte „Neue Schloss“ zu Ingolstadt.
Und nein, es hütet nicht den Eingang zum Experimentierkeller von Viktor Frankenstein, der befindet sich ein paar Straßen weiter. Wenn sie mir bitte folgen möchten:

Er [Professor Waldmann] nahm mich dann mit in sein Laboratorium und führte mir seine verschiedenen Apparate vor. Er zeigte mir auch ihre Handhabung und versprach mir, daß ich sie selbst bedienen dürfte, wenn ich einmal so weit vorgeschritten sei, daß ich nichts daran beschädigte. Er gab mir dann noch ein Verzeichnis der von ihm empfohlenen Bücher und entließ mich.

Und irgendwann war es dann soweit:

Es war eine trostlose Novembernacht, als ich mein Werk fertig vor mir liegen sah. Mit einer Erregung, die fast einer Todesangst glich, machte ich mich daran, dem leblosen Dinge den lebendigen Odem einzublasen. Es war schon ein Uhr morgens. Der Regen klatschte heftig an die Fensterscheiben, als ich beim Scheine meiner fast ganz herabgebrannten Kerze das trübe Auge der Kreatur sich öffnen sah. Ein tiefer Atemzug dehnte die Brust und die Glieder zuckten krampfhaft.

Der schreckliche Rest dürfte bekannt sein.

Foto © e.a.brokans


Die Zitate stammen natürlich aus: Mary Shelley – Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Das gesamte Werk ist bei Gutenberg.DE zu finden.

Scherben (oder auch nicht)

Da waren trümmer nicht noch scherben
Da war kein abgrund war kein grab
Da war kein sehnen war kein werben:
Wo eine stunde alles gab.

Von tausend blüten war ein quillen
Im purpurlicht der zauberei.
Des vogelsangs unbändig schrillen
Durchbrach des frühlings erster schrei.

Das war ein stürzen ohne zäume
Ein rasen das kein arm beengt –
Ein öffnen neuer duftiger räume
Ein rausch der alle sinne mengt.

Stefan George

Das Bild zeigt keine Scherben sondern das Kalkplattendach eines – zugegebenermaßen arg baufälligen – Jurahauses. Sogar Bruchstücke können ein schützendes Dach ergeben.

Foto © e.a.brokans

München leuchtet…

…schwärmte schon Thomas Mann am Anfang seiner Novelle >Gladius Dei< von 1902. Ob er sich damals im Ratskeller ein paar Schöpperl zuviel gegönnt und sich von den dortigen Lampen hatte anregen lassen?
Eigentlich wollte er sich ja nur kritisch-ironisch über die damalige Kunststadt München echauffieren, mittlerweile gehört dieser Spruch allerdings zum Standardrepertoire des Fremdenverkehrsamtes; kein Reiseführer, kein Feuilleton kommt ohne ihn aus wenn es um München geht.
Wer sich besonderer Dienste um München verdient gemacht hat,  also fast jeder, bekommt die „München leuchtet – Den Freundinnen und Freunden Münchens“ – Medaille und Gerhard Polt (der diese Medaille natürlich auch bekam) und seine Freunde schildern 1984 in ihrer szenischen Kabaret-Revue gleichen Namens „Jagdszenen aus Münchens Bussi-Bussi- und Baulöwen-Schickeria“
Aber den Ratskeller können wir wohl als Inspirationsquelle für den Wahlmünchner T.M. anschließen. Er wurde erst 1905 in seiner jetzigen Form ausgestattet.

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Die ganze Eingangssequenz lautet übrigens so: „München leuchtete. Über den festlichen Plätzen und weißen Säulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Palästen und Gartenanlagen der Residenz spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und lichten, umgrünten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem Sonnendunst eines ersten, schönen Junitags.“