Poesie der Arbeit

Die Arbeit ist etwa auch poetisch,
Wir wollen da nicht streiten lang;
Doch ist die Wahrheit antithetisch,
Denn poetischer noch ist der Müßiggang.

Franz Grillparzer

Foto © E.A.Brokans

Genug des Müßiggangs. Sieht man mal von dem Pausenzeichen Ende April ab, ist seit dem letzten Blogeintrag ein gutes Vierteljahr vergangen. Ein längerer Klinikaufenthalt und eine langwierige, noch nicht abgeschlossene Rekonvaleszenz beanspruchten meine Aufmerksamkeit. Man hat zwar viel Zeit zum Grübeln, aber die Gedanken schlagen oft eine andere Richtung ein. Wenn sie sich nicht im Kreise drehen. Aber mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Mittlerweile habe ich den/das (sucht es Euch aus) Blog DSGVO tauglich gemacht – hoffe ich zumindest. Eine große Hilfe war mir dabei der Datenschutz-Generator von RA Dr. Thomas Schwenke. Es wird hier vorläufig keine direkt anklickbaren Links mehr geben. Die Widgets wurden entfernt und das EU-Cookie-Gesetz Banner hinzugefügt. Ansonsten mache ich mir darüber keine weiteren Gedanken, es wird sich sicherlich noch einiges ändern.

So, das war es für Erste. Bis demnächst.

Und herzlichen Dank für Eure Unterstützung und das gute Zureden, hier und auch auf Twitter.

Ach ja, gerade läuft ja dieser europäische Trällerwettbewerb. Ich habe hier auch einen Star im Ring – mit Publikum, welches aber der Sache scheinbar etwas reserviert gegenübersteht, oder besser gesagt -hängt.

Foto © E.A.Brokans

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Pausenzeichen

Ja doch, es gibt mich noch.

„Aber meine Lust zu bloggen hab‘ ich gehängt an die Wand
Hab‘ sie nicht umschlungen mit einem grünen Band –
Ich kann nicht mehr schreiben, mein Hirn ist zu leer.“

Es hat sich einiges verändert. Mal schaun ob’s hier noch mal etwas wird. Die Kurzform des Tweets liegt meiner momentanen Maulfaulheit irgendwie mehr. Und dann auch noch diese DSGVO.
Oh mei. Oh mei.

Bis irgendwann, vielleicht.

Hier natürlich nun das Original:

Pause

Meine Laute hab‘ ich gehängt an die Wand,
Hab‘ sie umschlungen mit einem grünen Band –
Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll,
Weiß nicht, wie ich’s in Reime zwingen soll.
Meiner Sehnsucht allerheißesten Schmerz
Durft‘ ich aushauchen in Liederscherz,
Und wie ich klagte so süß und fein,
Meint‘ ich doch, mein Leiden wär‘ nicht klein.
Ei, wie groß ist wohl meines Glückes Last,
Daß kein Klang auf Erden es in sich faßt?

Nun, liebe Laute, ruh‘ an dem Nagel hier!
Und weht ein Lüftchen über die Saiten dir,
Und streift eine Biene mit ihren Flügeln dich,
Da wird mir bange und es durchschauert mich.[13]
Warum ließ ich das Band auch hängen so lang‘?
Oft fliegt’s um die Saiten mit seufzendem Klang.
Ist es der Nachklang meiner Liebespein?
Soll es das Vorspiel neuer Lieder sein?

Wilhelm Müller

Und das Foto passt auch nicht zum Gedicht.
Na egal.

Bildschirmfoto 2018-04-29 um 08.28.24

Foto © e.a.brokans

Europens Bücher

Korf ist fassungslos und er entflieht,
wenn er nur Europens Bücher sieht.

Er versteht es nicht, wie man
zentnerschwere Bände leiden kann.

Und ihm graut, wie man dadurch den Geist
gleichsam in ein Grab von Stoff verweist.

Doch der Europäer ruht erst dann,
wenn er ihn in Bretter „binden“ kann.

Christian Morgenstern

Schaffnerlos

Wortlos

Foto © E.A:Brokans

Auf der Straßenbahn

Wie der Wagen durch die Kurve biegt,
Wie die blanke Schienenstrecke vor ihm liegt:
Walzt er stärker, schneller.

Die Motore unterm Boden rattern,
Von den Leitungsdrähten knattern
Funken.

Scharf vorüber an Laternen, Frauenmoden,
Bild an Bild, Ladenschild, Pferdetritt, Menschenschritt –
Schütternd walzt und wiegt der Wagenboden,
Meine Sinne walzen, wiegen mit!:
Voller Strom! Voller Strom!

Der ganze Wagen, mit den Menschen drinnen,
Saust und summt und singt mit meinen Sinnen.
Das Wagensingen sausebraust, es schwillt!
Plötzlich schrillt
Die Klingel! –Der Stromgesang ist aus –
Ich steige aus –
Weiter walzt der Wagen.

Gerrit Engelke

 

Erneuerung

Die Mutter plagte ein Gedanke.
Sie kramt im alten Kleiderschranke,
Wo kurz und lang, obschon gedrängt,
Doch friedlich beieinander hängt.
Auf einmal ruft sie: Ei, sieh da,
Der Schwalbenschwanz, da ist er ja!
Den blauen, längst nicht mehr benützten,
Den hinten zwiefach zugespitzten,
Mit blanken Knöpfen schön geschmückt,
Der einst so manches Herz berückt,
Ihn trägt sie klug und überlegt
Dahin, wo sie zu schneidern pflegt
Und trennt und wendet, näht und mißt,
Bis daß das Werk vollendet ist.
Auf die Art aus des Vaters Fracke
Kriegt Fritzchen eine neue Jacke.
Grad so behilft sich der Poet.
Du liebe Zeit, was soll er machen?
Gebraucht sind die Gedankensachen
Schon alle, seit die Welt besteht.

Wilhelm Busch

oder:

A new year —
the same nonsense
piled on nonsense

Kobayashi Issa

Foto & Montage © E.A.Brokans

Jahreswechselmelancholie

Also wieder ein Jahreswechsel. Wahrscheinlich werden ich/wir ihn verschlafen, wie schon viele zuvor. Keine Vorsätze, kein „Auf zu neuen Ufern“. Kein Kater am nächsten Morgen.

Sind dann die Überreste der nachbarlichen Raketentestversuche gesammelt, die verschreckten Vögel zu ihren Futterstellen zurückgekehrt – was durchaus ein paar Tage dauern kann – und wenn sich dann auch noch der Feinstaub mitsamt seinem Hype verzogen hat – was hoffentlich schneller geht -, dann ist eh wieder alles beim Alten.

Aber den Brauch der Neujahrsglückwünsche möchte ich gerne nutzen, um Euch für Euer Interesse an meinem Geschreibsel und Geknipse zu danken.

Und weil man nie genug davon haben kann, wünsche ich Euch (und mir natürlich) Zufriedenheit, viel (oder zumindest soviel wie wir benötigen und/oder vertragen können) Glück und vor allem viel Gesundheit im neuen Jahr.

Wir lesen und gucken uns!

Erich

Bildschirmfoto 2017-12-30 um 08.54.07

Foto © E.A.Brokans