Siehst du das Meer?

Siehst du das Meer? Es glänzt auf seiner Flut
Der Sonne Pracht;
Doch in der Tiefe, wo die Perle ruht,
Ist finstre Nacht.

Das Meer bin ich. In stolzen Wogen rollt
Mein wilder Sinn,
Und meine Lieder ziehn wie Sonnengold
Darüber hin.

Sie flimmern oft von zauberhafter Lust,
Von Lieb‘ und Scherz;
Doch schweigend blutet in verborgner Brust
Mein dunkles Herz.

Emanuel Geibel
1815 – 1884

Photo © e.a.brokans

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Kälte – aber nicht mehr lange.

Kälte

Kälte, eis’ge Kälte
Wärme nur belebt!
Auf so manchem Antlitz
Ganzes Eismeer schwebt. –

Friedrike Kempner
(1828 – 1904)

© mannigfaltiges 2015.02

© mannigfaltiges 2015.02

…aber ganz so schlimm ist es nicht mehr. Es besteht durchaus Hoffnung. Die ersten Frühlingsboten genießen bereits die, leider nur ein gelegentliches Gastspiel gebenden, Sonnenstrahlen.

© mannigfaltiges 2015.02

© mannigfaltiges 2015.02

Oder wie Emanuel Geibel (1815 – 1884) trotzig meinte:

 Hoffnung

Und dräut der Winter noch so sehr
Mit trotzigen Gebärden,
Und streut er Eis und Schnee umher,
Es muß doch Frühling werden.

Und drängen die Nebel noch so dicht
Sich vor den Blick der Sonne,
Sie wecket doch mit ihrem Licht
Einmal die Welt zur Wonne.

….