Pfingstrosen

Verhaucht sein stärkstes Düften
Hat rings der bunte Flor,
Und leiser in den Lüften
Erschallt der Vögel Chor.
Des Frühlings reichstes Prangen
Fast ist es schon verblüht –
Die zeitig aufgegangen,
Die Rosen sind verblüht.
Doch leuchtend will entfalten
Von hehren Pfingstgewalten
Gleich einer späten Liebe,
Die lang in sich geruht,
Bricht sie mit mächtgem Triebe
Jetzt aus in Purpurglut.

Ferdinand von Saar

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Mit dem Gedicht von Ferdinand von Saar und der leider noch nicht in voller Blüte stehenden Pfingstrose wünsche ich Euch schöne und erholsame Pfingsttage. Und wenn am Pfingstsonntag dann die kalte Sophie uns mit ihrem kühlen Hauch beehrt, haben wir die Eisheiligen auch schon fast überstanden.

Beste Grüße,
Erich

Nachtrag
Nachdem ich mir den Beitrag noch einmal durchgelesen habe, kam mir aus heiterem Himmel dieser Song in den Sinn (wahrscheinlich wegen dem roten Ball auf dem Photo):

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Sonntags – aber auch an anderen Tagen…

Sonntag

Wie lieb‘ ich es, an Sonntagsnachmittagen
Allein zu sitzen im vertrauten Zimmer;
Durch’s Fenster bricht der Sonne heller Schimmer,
Das Buch vergoldend, das ich aufgeschlagen.

Die Straßen leer; es rollen keine Wagen;
Des Marktes Lärm verstummt, als wär’s auf immer,
Und all des Sonntagsstaates bunter Flimmer,
Er ward hinaus in Wald und Flur getragen.

Verlassen fühlt sich, wer zurückgeblieben,
Und manches schöne Auge blickt verdrossen,
Und manche Wünsche unerfüllt zerstieben.

Es ruht das Leben, wie in sich zerflossen;
Doch still erfüllt sich auch geheimes Lieben,
Und einsam wird des Geistes Glück genossen.

Ferdinand von Saar

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Ferdinand von Saar
1833 – 1906, Österreichischer Dichter und Erzähler mit ziemlich unebenen Lebensweg.
Mehr von seinen melancholischen Erzählungen und schwermütigen Gedichten sowie eine Biographie ist bei Zeno.org zu finden

 

Intermezzo am Mittwoch

Winterabend

Wie muß der Tag sich neigen
Im Winter, ach, so bald;
Ein tiefes, mildes Schweigen
Liegt über Flur und Wald.

Am Himmel noch ein Schimmern,
Ein letztes, doch kein Stern;
Trübrothe Lichter flimmern
Aus Hütten still und fern.

Und trüb und immer trüber
Der Landschaft weiter Kreis;
Es zieht der Bach vorüber
Eintönig unter’m Eis.

Horch – welch ein leises Beben
Urplötzlich in der Luft?
Geheimnißvolles Weben,
Geheimnißvoller Duft!

Wie ferne, ferne Glocken
Erklingt’s – so wohl – so weh‘ –:
Da fällt in dichten Flocken
Zur Erde sanft der Schnee.

Ferdinand von Saar

Photo @ e.a.brokans

Photo @ e.a.brokans

Ferdinand von Saar, *1833, +1906, österr. Dichter; melancholisch-empfindsame Erzählungen, schwermütige Gedichte; „Novellen aus Österreich“ u.a. [Duden 1962]

Ja, ich weiß, es ist warm und es hat keinen Schnee, zumindest nicht in meiner näheren Umgebung. Aber manchmal muss man sich die Realität eben ein bisschen zurechtbiegen. Dann fällt vielleicht auch die für heute anberaumte Pflichtweihnachtsfeier etwas angenehmer aus.
In diesem Sinne – gehabt Euch wohl!