Das „Neue Schloss“

Und hier, meine sehr verehrten Damen und Herren, in der Mitte des Bildes – gute Augen vorausgesetzt – sehen sie das berühmte „Neue Schloss“ zu Ingolstadt.
Und nein, es hütet nicht den Eingang zum Experimentierkeller von Viktor Frankenstein, der befindet sich ein paar Straßen weiter. Wenn sie mir bitte folgen möchten:

Er [Professor Waldmann] nahm mich dann mit in sein Laboratorium und führte mir seine verschiedenen Apparate vor. Er zeigte mir auch ihre Handhabung und versprach mir, daß ich sie selbst bedienen dürfte, wenn ich einmal so weit vorgeschritten sei, daß ich nichts daran beschädigte. Er gab mir dann noch ein Verzeichnis der von ihm empfohlenen Bücher und entließ mich.

Und irgendwann war es dann soweit:

Es war eine trostlose Novembernacht, als ich mein Werk fertig vor mir liegen sah. Mit einer Erregung, die fast einer Todesangst glich, machte ich mich daran, dem leblosen Dinge den lebendigen Odem einzublasen. Es war schon ein Uhr morgens. Der Regen klatschte heftig an die Fensterscheiben, als ich beim Scheine meiner fast ganz herabgebrannten Kerze das trübe Auge der Kreatur sich öffnen sah. Ein tiefer Atemzug dehnte die Brust und die Glieder zuckten krampfhaft.

Der schreckliche Rest dürfte bekannt sein.

Foto © e.a.brokans


Die Zitate stammen natürlich aus: Mary Shelley – Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Das gesamte Werk ist bei Gutenberg.DE zu finden.