Schiffende Schwäne

Sie seh’n sich nicht wieder

Von dunkelnden Wogen
Hinunter gezogen,
Zwei schimmernde Schwäne, sie schiffen daher,
Die Winde, sie schwellen
Allmälig die Wellen,
Die Nebel, sie senken sich finster und schwer.

Die Schwäne, sie meiden
Einander und leiden,
Nun thun sie es nicht mehr, sie können die Glut
Nicht länger verschließen,
Sie wollen genießen,
Verhüllt von den Nebeln, gewiegt von der Flut.

Sie schmeicheln, sie kosen,
Sie trotzen dem Tosen
Der Wellen, die Zweie in Eines verschränkt,
Wie die sich auch bäumen,
Sie glühen und träumen,
In Liebe und Wonne zum Sterben versenkt.

Nach innigem Gatten
Ein süßes Ermatten,
Da trennt sie die Woge, bevor sie’s gedacht.
Laßt ruh’n das Gefieder!
Ihr seht euch nicht wieder,
Der Tag ist vorüber, es dämmert die Nacht.

Friedrich Hebbel

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Übrigens ist dies das selbe kleine Flüsschen wie im letzten Beitrag, nur vom Eise befreit.

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Wenn die Rosen ewig blühten…

Wenn die Rosen ewig blühten,
Die man nicht vom Stock gebrochen,
Würden sich die Mädchen hüten,
Wenn die Burschen nächtlich pochen.

Aber, da der Sturm vernichtet,
Was die Finger übrigließen,
Fühlen sie sich nicht verpflichtet,
Ihre Kammern zu verschließen.

Friedrich Hebbel

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans

Hebbel, Friedrich, *1813, +1863, dt Dichter; seine bedeutendse Leistung sind seine Dramen, in denen er d. „furchtbare Notwendigkeit“ gestaltet, durch die Menschen nicht schuldhaft an der Wende einer Geschichtsepoche untergehen zugunsten der historischen Weiterentwicklung (Einfluß Hegels);
[…]
Quelle: Duden Lexikon G-O, Mannheim1962

Auf dieses Gedicht aufmerksam wurde ich, ansonsten nicht unbedingt ein großer Hebbel-Fan, durch Marcel Reich-Ranicki und seiner – posthum von Thomas Anz herausgegeben – Aufsatzsammlung „Meine Geschichte der deutschen Literatur“.
Erschienen ist das Buch bei der DVA bzw. der Büchergilde Gutenberg. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

Der Aufsatz über Friedrich Hebbel lässt sich aber auch hier lesen.

Trotz intensiver Suche…

….konnte ich zu diesem Photo kein passendendes Gedicht finden. Also muss mir der der olle Hebbel aus der Patsche helfen:

Unter’m Baum

Unter’m Baum im Sonnenstrale
Liegt ein rothes, träges Kind,
Schläft so lange, bis zum Mahle
Früchte abgefallen sind.

Einer hängt der schweren Aeste
Fast herab auf sein Gesicht,
Beut ihm still der Früchte beste,
Doch sie pflücken mag es nicht.

Flink vom fernen Bergesgipfel
Eilt der Mittagswind daher,
Schüttelt leise, und vom Wipfel
Fällt es, gelb, wie Gold, und schwer.

Daß das Bübchen, nun die Spende
Aus dem Grase winkt, erwacht,
Setzt auf eine seiner Hände
Sich die kleinste Mücke sacht.

Friedrich Hebbel

Photo © e.a.brokans

Photo © e.a.brokans