Weg und Ziel

Weil das Ziel erfreulich ist,
Hat mich’s nicht gerühret,
Daß der Weg abscheulich ist,
Der zum Ziele führet.

Aber danken wollt‘ ich dir,
Glück, wenn dir’s gefiele,
Gäbst du schöne Wege mir
Auch zum schönen Ziele.

Friedrich Rückert
1788 – 1866

Photo © e.a.brokans

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Schön wieder eine Rückert-Gedicht, werdet ihr denken. Aber bei ihm findet man halt immer irgendetwas passendes. Außerdem gefällt er. Aber jetzt werde ich mal eine kleine Rückert-Pause einlegen. Andere Poeten haben auch schöne Gedichte.

Lichtdurchdrungen

Nicht durch's Aug' allein
 Bricht der Sonne Schein,
 Sondern allertwärts
 Tausend Poren fein
 Saugen ihn in's Herz.
Auch die Pflanze trinkt,
 Was hernieder sinkt
 Von dem goldnen Thron;
 Ihre Blüth erblinkt
 Angefacht davon.
Auch der Wurm gering,
 In der Kett' ein Ring,
 Ist vom Glanz durchglüht,
 Bis der Schmetierling
 In die Luft entblüht.
Blind im Käfigwall
 Fühlt die Nachtigall
 Den Akkord des Lichts;
 Und ihr wird's zum Schall
 Und den Kerker bricht's.
Würd' ich altersblind,
 Woll't ich Luft und Wind
 Und der Sonne Luft
 Saugen, wie ein Kind
 Saugt der Mutter Brust.

Friedrich Rückert
Photo © e.a.brokans

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Quelle (für das Gedicht): http://rueckert-buecher.gesammelte-werke.org/index.html

Brennessel

Wenn ihr an Nesseln streifet,
So brennen sie;
Doch wenn ihr fest sie greifet,
Sie brennen nie.
So zwingt ihr die Feinen,
Auch die gemeinen Naturen nie.
Doch preßt ih wacker
Wie Nußaufknacker,
So zwingt ihr sie.

Friedrich Rückert

Photo © e.a.brokans

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Ich stehe zwar mit der Rechtschreibung auf Kriegsfuss aber immerhin weiß ich, dass man Brennnessel nach den neueren Regeln mit 3 n schreiben sollte. Aber der Herr Rückert kannte diese Regeln ja schließlich auch noch nicht und so bleibt es im Beitragstitel bei 2 n. Die Überschrift des Blogbeitrages ist zugleich der Titel seines Gedichtes.

Basta
Außerdem – wie sieht’n das aus!